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Im Bermuda-Dreieck zwischen Politik, Internet und Medien

Trump setzt auch als gewählter Präsident seinen harten Kurs gegen die kritische Presse fort, mit seinen eigenen Medien-Waffen. Und er ist nicht der einzige.

 SN/AP

Alle Medienvertreter standen auf, als der gewählte Präsident vor die versammelten Journalisten trat. Das war bei der ersten Pressekonferenz von Barak Obama so. Bei Donald Trump blieben sie sitzen. Ein Zeichen für ein zerrüttetes Verhältnis zwischen dem zukünftigen US-Präsidenten und der Presse. Das stärkere war die Beschimpfung von CNN-Reporter Jim Acosta mit den Worten "You are Fake News". Donald Trump hat ihm untersagt, eine Frage zu stellen, weil CNN in seinen Augen Falschmeldungen verbreitet. Doch Trump nahm nicht nur CNN und das Internetportal BuzzFeed, das er als einen "Haufen Müll" bezeichnete, auf die Schaufel. Als ein Reporter der ehrwürdigen alten Tante BBC sich vorstellte um eine Frage zu stellen, kommentierte Trump das mit den Worten "Oh, noch so eine Schönheit".


Trump hat sich in den Sozialen Medien sein eigenes Medien-Imperium geschaffen, das er mit seinem Smartphone steuert. Knapp 20 Millionen Menschen folgen ihm auf Twitter. Doch das sind nicht die einzigen, die er mit seinen Botschaften erreicht. Sie verbreiten Trumps Gezwitscher über soziale Medien an Millionen andere Nutzer weiter. In Summe eine enorme Reichweite, derer sich Trump sicher sein kann, um seine Sicht der Dinge unter die Menschen zu bringen. So kann Trump die für sich beanspruchte Deutungshoheit in gewissen Kreisen durchsetzen. 1:0 für Trumps Spiel gegen die Medien steht es bereits seit der gewonnenen Wahl, durch die er nicht nur knapp weniger als die Hälfte der Wähler auf seiner Seite weiß, sondern auch etablierte Medien und Meinungsforscher in ein Paralleluniversum verwiesen hat.


Trump teilt Medien in Freunde und Feinde, das wurde bei seiner ersten Pressekonferenz nach sechs Monaten klar. Die unangenehmen beschimpfte er, die er auf seiner Seite weiß lobte er. Doch weder die eine noch die andere Rolle sollten Medien in einer funktionierenden Demokratie spielen. Ihre einzige Aufgabe ist, der Politik mit Fach- und Sachkenntnis auf die Finger zu schauen, von ihrem Tun und Lassen zu berichten und es in klar gekennzeichneten Analysen und Kommentaren zu interpretieren.


Doch bei dieser Auffassung trennen sich die Wege kritischer Medien und selbstverliebter Politik. Sie trennen sich wenn Trump die einzig gültige Unterscheidung zwischen Gutem und Schlechtem für sich beansprucht, wenn Bundeskanzler Kern gegen die "politischen Kommentatoren", die manchmal unangenehm sind, auf Twitter herzieht oder die FPÖ sich ihr eigenes Mediensystem auf Facebook geschaffen hat und die vierte Gewalt einfach umgeht.


Doch wie sollen die Medien reagieren? Große US-Blätter wie die "New York Times" und die "Washington Post" haben ihre Berichterstattung aus dem Weißen Haus aufgestockt - mit der Begründung, dass es nie wichtiger war, kenntnisreich und tief über eine Präsidentschaft und ihre Folgen zu berichten. Das ist gut, denn freie und unabhängige Medien sollen diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die an der Macht sind. Nicht der Rache wegen, sondern um noch besserer zu recherchieren mit noch mehr Fakten. Nicht um das Haar in jeder Suppe zu finden und um noch mehr negative Schlagzeilen zu produzieren, sondern um konstruktiv unsere Demokratien zu stützen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.09.2018 um 04:02 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/im-bermuda-dreieck-zwischen-politik-internet-und-medien-528466

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