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Im zweiten Anlauf zur begehrten Matura

Rekordzahl an Absolventen am Abendgymnasium. Ein Drittel der Studierenden sind Quereinsteiger von Tagesschulen.

Im zweiten Anlauf zur begehrten Matura SN/Hödlmoser
Die Studierenden Christine Jost, Dominik Padinger, Simone Erdei.


Das, was Christine Jost jetzt macht, wollte sie eigentlich schon vor 25 Jahren erledigen: für die Matura lernen. Doch im Jugendalter wurde sie zu Hause im Familienbetrieb gebraucht.

Heute, mit 44 Jahren, drückt Christine Jost aus Mattsee wieder die Schulbank - zwischen 17 und 22 Uhr, am Abendgymnasium Salzburg. Nach der Matura will sie sich an der Fachhochschule zur Biomedizinischen Analytikerin weiterbilden. Auch Dominik Padinger (26) aus Pöndorf denkt ans Studieren. Der gelernte Maschinenbautechniker hatte eines Tages einfach wieder Lust, sich weiterzubilden. Jetzt lernt er ebenfalls am Abendgymnasium - und über Fernstudium.

Im Schnitt sind die Schüler am Abendgymnasium 27 Jahre alt. Deshalb nennen sie die Lehrer auch nicht Schüler, sondern Studierende. Manche bedauern, dass sie nicht schon im Jugendalter eine Schule mit Matura besucht haben - so wie Simone Erdei (25) aus Salzburg. "Ich hab's immer bereut, dass ich mich nach einem Jahr an der HAK für die Handelsschule entschieden habe", sagt die Magistratsbeamtin. Sie sei einfach "unreif" gewesen. "Ich habe damals, mit 15 Jahren, die Wertigkeit nicht gesehen."

541 Frauen und Männer besuchen aktuell das Abendgymnasium. Mit 101 Abschlüssen wurde im vergangenen Schuljahr ein Rekord bei der Absolventenzahl erreicht. Das zeigt, dass Bildung keine Einbahnstraße ist und der Weg zur Matura auch über Umwege erfolgen kann. Mehr als die Hälfte derjenigen, die am Abendgymnasium beginnen, schaffen es bis zur Matura.

Längst ist das Abendgymnasium nicht mehr nur eine Schule für jene, die in späteren Jahren, nach Lehre und Jahren im Berufsleben, die Reifeprüfung nachholen wollen. Es wird auch immer mehr zur Anlaufstelle für Jugendliche, die an herkömmlichen Gymnasien oder berufsbildenden höheren Schulen sitzengeblieben sind oder schlicht die "falsche" Schule besucht haben. Ein Drittel der Studierenden am Abendgymnasium sind solche Quereinsteiger.

Aber wieso schaffen Jugendliche, die in einem "normalen" Gymnasium scheitern, beim zweiten Anlauf doch noch die Matura? Den entscheidenden Grund dafür sieht Direktor Gerhard Pusch im Modulsystem. Dieses macht es möglich, dass jeder selbst bestimmt, wann er welches Fach lernt - und in welchem Tempo. Manche brauchen zwei Jahre bis zur Abendmatura, andere bis zu acht Jahre. "Es kann sein, dass ein Studierender in Englisch nur ein Jahr und in Mathematik drei Jahre braucht", sagt Pusch. Der Vorteil sei: "Die Studierenden machen ihren eigenen Stundenplan."

Manche bekommen auch einen Lehrer oder eine Lehrerin als Coach und Lernberater zur Seite gestellt. Pusch: "So wird das Durchhaltevermögen gestärkt."

Aufgerufen am 17.11.2018 um 11:10 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/im-zweiten-anlauf-zur-begehrten-matura-3081142

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