Schlagzeilen

Keine Uni ohne Theologie

Wissenschaft von Gott im Aufwind. Gerüchten zum Trotz ist der Zustrom zur theologischen Fakultät in Salzburg stabil. Die Fakultät steht bestens da. Das beweisen Neuberufungen - und die Erfahrungen des Dekans.michaela hessenberger

Keine Uni ohne Theologie SN/sn / martin dürnberger
Erst Theologie, dann ab in die Wirtschaft.

Dietmar Winkler hat es eilig. Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Paris-Lodron-Universität Salzburg genießt keine erholsamen Ferien. Er genießt gerade die arbeitsame Zeit zwischen dem Beginn der Festspiele und dem der Hochschulwochen. Soeben nahm er noch die letzten Schliffe vor der Premiere der Ouverture spirituelle vor, dem Vorspiel zum Festspiel quasi. Kurzum: Es gibt immer was zu tun. Auch - oder ausgerechnet - bei Theologen.

Selbst wenn die Katholikenzahlen in Österreich beharrlich zurückgehen, die Zahl der Hörerinnen und Hörer in den theologischen Studiengängen ist und bleibt konstant. Um die 470 sind es, die sich an der Hauptuniversität ausbilden lassen. International stehe man in Salzburg bestens da.

Gerüchte, dass der Bedarf und die Nachfrage an der Fakultät sinken würden und sogar eine Schließung drohe, könne er jederzeit mit zugkräftigen Argumenten entkräften, sagt Winkler. Halbwahrheiten hätten sich wohl verbreitet, als in einer Studentenzeitung behauptet wurde, dass es der Theologie an den Kragen gehe. Universitär gesehen. "Salzburg ohne diese Fakultät - das wäre absurd", sagt Dietmar Winkler. Immerhin sei die Uni aus der Theologie heraus gewachsen. Sie sei die einzige Fakultät, die zu keinem Zeitpunkt aufgelöst wurde. Ausgenommen jene Zeit, in der das NS-Regime an der Macht war. "Sie hat stets den Nukleus des akademischen Tuns gebildet."

Für ein aktuelles Aufblühen spricht zum Beispiel die Neubestellung vierer Professoren, drei Frauen und ein Mann, im vergangenen Jahr. Weitere Neuerungen: Ab Herbst wird das neue Masterstudium "Religious Studies" angeboten. Spirituelle Theologie sei ein Renner mit wachsenden Studierendenzahlen. Und das internationale Aushängeschild, der Lehrgang Syrische Theologie, ist weltweit einmalig; immerhin sei Salzburg die einzige Ausbildungsstätte, erklärt der Dekan. "Wir sind top aufgestellt. Eine Errungenschaft ist auch der wortidente Studienplan bei der Ausbildung für das Lehramt in der Sekundarstufe, AHS und BHS."

Wenn man durch das Foyer spaziert, sticht einem ein Transparent ins Auge. "Berufe - Theologie" steht darauf. In welchen Jobs sind Absolventen also gefragt? Neben Religionslehrern bietet sich die Arbeit mit alten und kranken Menschen an, ebenso die Betriebsseelsorge, die Erwachsenenbildung oder die bezahlte Mitarbeit in einer Pfarre. Auch die Medienbranche sucht laut Transparent Theologen. Sach- und fachkundige Redakteure für Kirchenzeitungen oder Pressearbeit etwa.

Warum Religion auch heute noch ein wichtiges Thema ist? Winkler: "Sie geht auf viele Fragen des menschlichen Daseins ein. Theologie und Religionswissenschaft seien wesentliche kulturwissenschaftliche Studien. Nicht umsonst säßen zahlreiche Hörer anderer Fakultäten in den Sälen am Universitätsplatz 1. Auch sie können die Methoden der Theologen für ihre Studien gut gebrauchen. Die historisch-kritische Auseinandersetzung mit alten Texten beispielsweise. Politikwissenschafter, angehende Diplomaten, Journalisten und Menschen in der Seelsorge profitierten ebenso von dem angebotenen Wissen.

"Ich sage immer ,Religion matters'. In der Debatte rund um Flüchtlinge bei uns liefert die Theologie wichtige Ansätze für eine gelingende Integration", erklärt der Dekan und setzt nach: "Wir betreiben keine weltentrückte Wissenschaft im Turm aus Elfenbein. Wir sitzen nicht da und überlegen, was Gott sich zusammensinniert. Wir betrachten den Menschen in seinem Sein und Denken. Und wir sehen uns das an, was über das physische Denken hinausgeht."

Wer in diesen Tagen über der Entscheidung brütet, für welches Studium sie oder er sich im kommenden Wintersemester einschreiben soll, dem rät der Professor: "Studieren Sie das, was Sie wirklich interessiert. Alles andere kommt schon zum richtigen Zeitpunkt dazu." Es sei wohl eine Mischung aus Eignung und Neigung, die über den Erfolg des Lernens mitentscheide. In jedem Fall sei eine solche Studienrichtung ratsam, wenn man die eigenen Positionen hinterfragen und reflektieren möchte. "Man wird dort gut werden, wo die Leidenschaften liegen", fasst Winkler zusammen. Denn Bildung gehe weit über bloße Ausbildung hinaus.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.11.2018 um 11:13 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/keine-uni-ohne-theologie-1211377

Schlagzeilen