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KoWi: Was ist das nochmal?

Wenn Studierende Freunden und Bekannten von ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft erzählen, so ernten sie oftmals fragende Blicke. Das "Uni-Magazin" beleuchtet das KoWi-Studium.

KoWi: Was ist das nochmal? SN/robert ratzer
Wer KoWi studiert, beschäftigt sich mit Kommunikation – auch privater.

"Irgendwas mit Medien" fällt vielen als Erstes ein, wenn von Kommunikationswissenschaft die Rede ist. Doch das ist dann schon alles. Auch unter den Begriffen "Publizistik" oder "Medienwissenschaft" können sich manche nichts vorstellen, obwohl das Fach früher Publizistik hieß und sich etwa in Wien immer noch so nennt. So wie vielen KoWi-Studierenden geht es etwa Lena aus Traunstein, die in Salzburg momentan im vierten Semester studiert: "Ich muss ständig erklären, was ich studiere. Ich glaube, das liegt einfach daran, dass Kommunikationswissenschaft so breit gefächert ist. Es ist nichts Eindeutiges wie Medizin." Es sei ihr sogar am Anfang des Studiums selbst schwer gefallen, KoWi zu definieren.

Die gesamte Kommunikation - öffentlich und privat

Folgt man der Definition der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft so versteht sich das Fach als "theoretisch und empirisch arbeitende Sozialwissenschaft mit interdisziplinären Bezügen". Doch wie beschreiben Kommunikationswissenschafter selbst dieses Studium? Der Leiter des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Uni Salzburg, Josef Trappel, erklärt KoWi folgendermaßen: "Das Studium der Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen und öffentlichen Kommunikation, die in einer Demokratie wichtig für die Aushandlung von Entscheidungen sowie die Information von Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern ist." Ein wesentlicher Gegenstand sei Trappel zufolge auch die Kommunikation im interpersonellen Zusammenhang. Kommunikationswissenschaft decke den ganzen Bereich von der öffentlichen bis hin zur privaten Kommunikation ab.

Zusätzlichen Aufschluss gibt ein Blick auf die Kompetenzbereiche und Praxisfelder des Studiums. Die Palette reicht von Journalistik bis hin zu Audiovisueller und Online-Kommunikation, Medienpolitik, Public Relations und einigen Feldern mehr. Die angebotenen Schwerpunkte und Lehrveranstaltungen an den Unis Wien, Salzburg und Klagenfurt unterscheiden sich dabei minimal.

Ein Kritikpunkt seitens einiger Studierenden ist, dass KoWi oftmals zu wissenschaftlich und theoretisch sei. Dana von der Studienvertretung Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien klärt auf: "Einer der großen Irrtümer dieses Studiums ist, dass man in KoWi reingeht und glaubt, dass man als Journalist wieder rauskommt." Zumindest in der Studieneingangsphase scheinen die Theorien und Vorlesungen an allen Standorten in Österreich zu dominieren. Erst ab dem dritten Semester folgen Praxisübungen und Proseminare. Im Gespräch berichtet Dana von ihren Erfahrungen am Publizistik-Institut Wien, wonach sie insbesondere von Eindrücken externer Lehrbeauftragter profitiert habe. "Die Lehrenden leisten hier meiner Meinung nach großartige Arbeit, weil sie Einblicke in das Berufsleben und den Berufsalltag geben." Oft handle es sich dabei auch um kleinere Übungen für reale Aufträge, mit denen die Studierenden konfrontiert werden.

Interesse ist ungebrochen

Eine konkrete Berufsausbildung ist das KoWi-Studium allerdings nicht. Insbesondere im Zuge von Studienplanreformen wurde der Praxis-Bezug in den vergangenen Jahren reduziert. Dennoch sind die Möglichkeiten nach dem Studium breit gefächert, was für viele Schulabgänger ein Grund sein mag, sich für KoWi zu inskribieren. Das Interesse an diesem Studienzweig gilt als ungebrochen. Die Anzahl der Studienanfänger in den letzten Jahren war derart hoch, dass die Regierung 2010 beschloss, an allen KoWi-Standorten einen Aufnahmetest für Studienbewerber einzuführen. Mittlerweile werden an der Uni Salzburg 226, an der Uni Klagenfurt 180 und an der Uni Wien 1123 neue Studienplätze pro Studienjahr angeboten, was die Anzahl der Bewerber um ein Vielfaches reduziert hat. Wurden etwa an der KoWi Salzburg im Wintersemester 2009/2010 mehr als 520 Erstsemestrige gezählt, so waren es im letzten Wintersemester nur noch 190. Aktuell gibt es in Salzburg insgesamt rund 950, in Wien 4000 und in Klagenfurt 480 KoWi-Studierende.

Johanna aus Vöcklabruck, ebenfalls im vierten Semester KoWi-Studentin in Salzburg, sagt: "KoWi ist ein sehr breites Studium. Ich glaube, viele studieren es, weil sie nicht genau wissen, was sie machen sollen." Eine Tatsache, die manche zu dem Vorurteil verleitet, KoWi sei ein "leichtes" Studium - ein Studium, wo man "von allem ein bisschen was, aber nichts Gescheites lernt." Johanna sieht jedoch die Breite des Studiums als Vorteil, da man sich vorher noch nicht unbedingt festlegen müsse, welchen Berufsweg man später einschlagen möchte. Auch Josef Trappel äußert sich diesbezüglich: "Es ist ein sehr vielfältiges Berufsbild, das sich aus der Kommunikationswissenschaft ergibt. Viele arbeiten nach dem Studium etwa im Journalismus oder in der Unternehmenskommunikation, aber auch in der Verwaltung von Kommunikation, beispielsweise bei Behörden."

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

(SN)

Aufgerufen am 19.02.2018 um 05:06 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/kowi-was-ist-das-nochmal-1008952

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