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"Metzger ist der schönste Beruf überhaupt"

Bernhard Urban räumte bei der inoffiziellen Wurst-Weltmeisterschaft 22 Goldmedaillen ab. Obwohl fleischloses Essen schwer in Mode ist, hat er keine Angst, dass ihm bald seine Geschäftsgrundlage wegbrechen könnte.

"Metzger ist der schönste Beruf überhaupt" SN/minichberger
Bernhard Urban führt seit 2003 die gleichnamige Metzgerei in St. Johann.

Moderne Ernährungstrends gibt es wie Sand am Meer. Eines haben sie fast alle gemeinsam: Fleisch kommt kaum bis gar nicht auf den Teller. Schlechte Vorzeichen für Metzger, möchte man meinen. Bernhard Urban, der die gleichnamige Fleischerei in St. Johann leitet, sieht es gelassen. "Den Trend gibt es, nicht zuletzt, weil da viel Geld fürs Marketing in die Hand genommen wird. Dem tragen wir auch Rechnung, bieten vegetarische Alternativen und fleischlose Suppeneinlagen an." Überbewerten will er die Entwicklung aber nicht. Es sei ein Minderheitenthema und eines, das er eher im städtischen Bereich verortet. "An den meisten Leuten geht das spurlos vorüber, das muss man auch einmal sagen. Leberkäse und Frankfurter sind nach wie vor unsere Hauptprodukte."

Generell ist der 36-Jährige sehr zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens, seit er vor 13 Jahren Jahren das Ruder übernommen hat. In der Produktion am Areal neben dem Dieselkino werden mittlerweile 250 Tonnen Fleisch pro Jahr verarbeitet, die Nachfrage in den beiden Filialen in St. Johann ist hoch, Urban beschäftigt insgesamt 26 Mitarbeiter. Dass es so gut läuft, ist allerdings nicht unbedingt branchentypisch. In den vergangenen 30 Jahren hat es ein großes Metzgersterben gegeben, viele Betriebe tun sich auch heute schwer, Lehrlinge oder Verkaufspersonal zu finden. Urban, der zwei Lehrlinge ausbildet: "Bei uns geht es noch ganz gut, aber gerade in den Städten will kaum noch jemand mit Fleisch arbeiten. Das ist schade, weil wir den schönsten Beruf überhaupt haben. Das Erste, was ich den Neuen sage: Ihr dürft mit Lebens-Mitteln arbeiten."

Glänzen konnte die Pongauer Metzgerei kürzlich beim internationalen Fachwettbewerb für Fleisch- und Wurstwaren in Wels. 22 Goldmedaillen sind rekordverdächtig. Klassiker schnitten genauso gut ab wie Spezialkreationen. Auf die Frage, wie etwa ein "Rinderfilet-Ruccola-Parmesan-Balsamico-Obers" zustande komme, tippt sich Bernhard Urban lächelnd an die Stirn. "Die sind hier drin. Diese Kreation ist mir im Italienurlaub spontan eingefallen. Zu Hause habe ich das dann gleich ausprobiert."

Neben höchster Qualität legt Urban Wert auf Tradition - viele Rezepte sind seit der Firmengründung 1968 unverändert. Wohl nicht die schlechteste Kombination, um gegen die starke Konkurrenz der Supermärkte dauerhaft zu bestehen.

Sorgen, dass die Nachfrage nach Schnitzel und Speck in absehbarer Zukunft nachlässt, plagen ihn jedenfalls nicht: "Österreich ist und bleibt ein Land der Fleischesser." Selbst hält er es mit Paracelsus: "Ich esse sehr gern Fleisch, aber nicht jeden Tag drei Leberkässemmeln. Die Dosis macht das Gift."

Aufgerufen am 20.09.2018 um 01:09 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/metzger-ist-der-schoenste-beruf-ueberhaupt-858349

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