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Mit kreativer Arbeit neue Perspektiven finden

Das Projekt Job.art führt Jugendliche an weiterbildende Maßnahmen oder Ausbildungen heran.

Mit kreativer Arbeit neue Perspektiven finden SN/susa
Sabina und Laura (im Bild mit Sozialarbeiterin Manuela Rettenbacher) sind zwei der sechs Teilnehmer am Projekt Job.art in St. Johann. Ihre kreative Aufgabe derzeit: das Anfertigen von Nikolaussackerln.

Sie nähen Lavendelsäckchen, Zirben- und Kirschkernkissen oder Nikolaussackerl, gestalten Adventkalender, fertigen Schmuck oder kleine Dekorationsobjekte aus Kaffeekapseln an, gipsen Blumenübertöpfe und vieles mehr - kreative Tätigkeiten wie diese bewirken bei derzeit sechs Jugendlichen Großes, geben Motivation und sorgen für Struktur in deren Alltag. Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren sind Teilnehmer des Projekts Job.art, welches im Juni dieses Jahres im Auftrag des Landes Salzburg und kofinanziert vom Europäischen Sozialfonds (ESF) ins Leben gerufen wurde. Durchgeführt wird dieses von der ibis acam Bildungs GmbH an Standorten in St. Johann sowie in Zell am See.

Die Jugendlichen selbst sind so genannte NEET-Jugendliche, sprich, sie sind weder in schulischer Ausbildung noch in einem Beschäftigungsverhältnis bei einem Arbeitgeber. "Meist haben sie die Schule, die Lehre oder sonstige Maßnahmen - mitunter auch bereits mehrmals - abgebrochen, haben einen unklaren Wohnsitz und werden meist über die Jugendwohlfahrt, das Jugendcoaching, Streetworker, etc. betreut", sagt Michaela Prodinger von ibis acam.

Das Projekt Job.art soll sie in erster Linie wieder soweit stabilisieren, dass sie an weiterbildenden Maßnahmen teilnehmen oder eine Ausbildung beginnen können. Eine bestimmte Mindestarbeitszeit wird dafür vor ausgesetzt und an diese können die Jugendlichen bei Job.art Schritt für Schritt herangeführt werden. Gearbeitet wird dabei in Form eines Taglöhnermodells. "Das heißt, jeder entscheidet selbst, wann er kommt und wie lange er bleibt", sagt Prodinger. Für jede absolvierte Arbeitsstunde erhalten die Jugendlichen am Ende des Tages fünf Euro ausbezahlt, wobei maximal 15 Stunden pro Woche gearbeitet werden kann. "Wichtig ist, dass sie etwas zu tun haben und erfahren, dass sie etwas wert sind. Das Geld ist für die Jugendlichen dabei nicht unbedingt der Anreiz", sagt Sozialarbeiterin Manuela Rettenbacher, die die Jugendlichen in den Räumlichkeiten von ibis acam (Hauptstraße 68-70; oberhalb Havanna) in St. Johann betreut.

Die größte Hürde sei es dabei, die Jugendlichen für die Teilnahme am Projekt zu begeistern. "Wenn sie einmal hier sind, dann ist der erste Schritt geschafft. Die Arbeitsstunden regeln sich dann von allein", sagt Rettenbacher. Willkommen ist jeder, der die NEET-Voraussetzungen erfüllt. Einfach vorbeischauen und reinschnuppern lautet das Motto.

Erste Erfolge können übrigens bereits vorgewiesen werden. "Ein Jugendlicher wechselte in die Produktionsschule, einem weiteren Projekt von ibis acam, bei dem Jugendliche die entsprechenden Grundeigenschaften für den Eintritt in eine berufliche Erstausbildung erwerben können, eine weitere Jugendliche konnte in eine AMS-Maßnahme wechseln", sagt Prodinger. Zwei Mädchen, die derzeit am Projekt teilnehmen, werden zudem demnächst eine Lehre bzw. eine Ausbildung beginnen.

Die produzierte Ware aus dem Projekt Job.art wird auf diversen Märkten verkauft. Der Erlös daraus kommt den Jugendlichen zugute und wird für Workshops oder Ausflüge verwendet.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:07 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/mit-kreativer-arbeit-neue-perspektiven-finden-882286

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