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Mutter Teresa machte oft in Österreich Station

In Österreich machte Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) auf ihren unzähligen Reisen oft und gerne Station. Mindestens sieben Mal besuchte sie das Land, nachdem sie als in Skopje geborene Albanerin schon in Nachbarschaft der einstigen k.u.k.-Monarchie geboren und aufgewachsen war.

Mutter Teresa machte oft in Österreich Station SN/ORF
Mutter Teresa machte oft in Österreich Station.

Die enorme Popularität der Friedensnobelpreisträgerin sorgte auch hierzulande für einen großen Menschenauflauf bei jedem Besuch. Die Ordensgründerin nutzte die Gelegenheiten, um zum Einsatz für den Lebensschutz, für die Familie und für die Hilfe Not leidender Menschen aufzurufen.

Die erste Reise Mutter Teresas nach Österreich 1982 - drei Jahre nach dem Friedensnobelpreis - war ein Blitzbesuch im südburgenländischen Jennersdorf. Mutter Teresa nahm, aus Kroatien kommend, eine Spende der Pfarre entgegen und rief dazu auf, vor Ort etwas für kranke und alte Menschen zu tun. Aus einer Gebetsgruppe ging später ein Verein hervor, der 1990 das erste "Mutter Teresa Haus" eröffnete. Mittlerweile werden an zwei Standorten 90 Pflegeplätze und betreutes Wohnen für 18 Personen geboten.

Im Frühjahr 1984 lud der Wiener Erzbischof Kardinal Franz König (1905-2004) Mutter Teresa ein, auch in der Bundeshauptstadt eine Niederlassung ihres Ordens zu gründen. Erster Sitz war ein Caritas-Obdachlosenheim in Favoriten, später übersiedelten die Missionarinnen der Nächstenliebe in die Pfarre St. Leopold und schließlich an den heutigen Standort am Wiener Gürtel. Mutter Teresa kam im Juli 1985. Bei einer Pressekonferenz mit Caritas-Präsident Prälat Leopold Ungar (1912-1992) ließ sie mit der Ankündigung aufhorchen, auch in der damals noch kommunistischen Tschechoslowakei und in China Niederlassungen gründen zu wollen.

Zwei Jahre später stand am 12. Jänner 1986 HIV/AIDS im Mittelpunkt der Berichterstattung, als Mutter Teresa erneut Wien besuchte. Entschieden sprach sie sich dagegen aus, die Immunschwächekrankheit als "Strafe Gottes" zu betrachten. Keinem stehe es zu, so etwas zu behaupten. Weiter meinte sie, Gott werde die Menschen ein Heilmittel gegen AIDS finden lassen, "er wird uns die Angst vor der Krankheit nehmen". Vor allem gehe es darum, die AIDS-Kranken zu lieben, statt sie auszustoßen oder zu fürchten. Mutter Teresa sprach bei einem Gottesdienst in der Wiener Rochuskirche und begegnete Kardinal König.

Anfang Juni 1987 besuchte Mutter Teresa erneut Wien. In der Pfarrkirche St. Rochus rief sie in Anbetracht der hohen Scheidungszahlen in Österreich zum Einsatz für die Familien sowie gegen Abtreibung auf. Sie folgte zudem einer Einladung des damaligen Wiener Erzbischofs Hans Hermann Groer (1919-2003) in das Zisterzienserinnenkloster Marienfeld im Weinviertel. Für Aufsehen sorgte ein ORF-Studiogespräch zum Thema Bevölkerungsentwicklung, bei dem sie für die natürliche Empfängnisregelung warb und diesbezüglich auf gute Erfahrungen in den Slums Kalkuttas verwies.

Am 14. März 1988 nahm Mutter Teresa zunächst in Feldkirch eine Großspende der Päpstlichen Missionswerke entgegen, ehe sie noch am gleichen Abend über 4.000 Jugendlichen im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz begegnete. Tags darauf war sie Hauptrednerin beim kirchlichen Weltfriedenstag in der Wiener UNO-City. Der Niedergang der Familie sei ein Grundübel für Unfrieden und Zerstörung, niemand dürfe sich ungeliebt fühlen, erklärte sie. "Die Menschen hungern nach Liebe, nicht nur nach Brot". Zuvor war die Ordensfrau von Bundespräsident Kurt Waldheim begrüßt worden.

Am 23. Oktober 1988 kam Mutter Teresa im Rahmen eines Familienkongresses in den Stephansdom, wo sie vor einer großen Menschenmenge sprach und mit den Gläubigen betete. Tags darauf stattete sie dem Flüchtlingslager in Traiskirchen einen Überraschungsbesuch ab. Ihr besonderes Interesse erregte die Aufnahmestation des Lagers, zudem rief sie in der Kapelle zum Gebet füreinander und zur Liebe in den Familien auf.

Bereits 79-jährig, machte Mutter Teresa am 18. Mai 1990 ein letztes Mal in Wien Station, damals auf der Durchreise von Bratislava, wo sie das erste slowakische Haus ihres Ordens eröffnet hatte. Bei einem Treffen mit Kardinal Groer legte sie ihm die Pläne für die Übersiedlung ihres Wiener Zentrums der "Missionarinnen der Nächstenliebe" dar, nachdem das damalige Haus in der Großen Pfarrgasse zu klein geworden sei. Mutter Teresa besichtigte bei diesem Aufenthalt auch das künftige Haus, ein ehemaliges Stundenhotel am Mariahilfer Gürtel, und nahm persönlich die Zimmeraufteilung vor. Zur Segnung der Räumlichkeiten konnte sie im Dezember 1990 aus Gesundheitsgründen nicht mehr persönlich erscheinen.

Außer den Unterstützern und Freunden gab es zahlreiche andere Österreicher, die auch über diese Besuche hinaus eine wichtige Rolle im Leben Mutter Teresas spielten. Zu ihnen zählte der in Feldkirch geborene Jesuitenpater Josef Neuner (1908-2009), der ab 1938 bis zu seinem Tod in Indien als Theologe und Seelsorger wirkte, am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) als Berater teilnahm und im deutschsprachigen Raum für die Herausgabe einer Sammlung von Kirchendokumenten weithin bekannt wurde. Mutter Teresa lernte Neuner kennen, als dieser ab 1960 in der Nähe von Kalkutta Vorlesungen am Priesterseminar hielt.

Pater Neuner war laut den Biografen jener, der das in Mutter Teresa auftretende Empfinden von Dunkelheit und trostloser Leere - die sogenannte "dunkle Nacht der Seele" - erkannte und es ihr in einem regen Briefwechsel als "besondere Gottesnähe" verständlich machte, ohne es zu interpretieren. Mutter Teresa sei so auf neue Gedanken gekommen und habe es verstanden, die Dunkelheit "nicht nur zu ertragen, sondern zu lieben", schrieb Neuner.

Eine in manchen Aspekten durchaus vergleichbare Lebensgeschichte wie Mutter Teresa hatte die Ordensfrau Anna Dengel (1892-1980). Die aus Steeg im Tiroler Lechtal stammende Gründerin der "Missionsärztlichen Schwestern" startete ihr Werk für die Ärmsten der Armen in Pakistan und erwirkte jene Änderung im Kirchenrecht, die ab 1936 Ordensfrauen auch ärztliche und geburtshilfliche Tätigkeiten erlaubte.

Bei einer indischen Niederlassung der "Missionsärztlichen Schwestern" belegte Mutter Teresa 1948 einen zweiwöchigen Erste-Hilfe-Kurs, bevor sie ihren eigenen Orden gründete. In einem "geharnischten Brief" kritisierte Dengel später, Mutter Teresa halte ihre Helfer puncto Essen, Ruhe und Schlaf zu karg, wie die Dengel-Biografin Ingeborg Schödl im Gespräch mit Kathpress berichtete. Die einzige Begegnung der beiden Ordensgründerinnen verlief jedoch herzlich: 1980 besuchte Mutter Teresa Dengel in Rom, als diese bereits am Sterbebett lag.

Ein Übersetzer und Reisebegleiter für Mutter Teresa gleich über mehrere Jahre hinweg war zudem Msgr. Leo Maasburg, der spätere Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich. Der aus Graz stammende Geistliche war als junger Priester in Rom Mitarbeiter des slowakischen Exilbischofs Paul Maria Hnilica (1921-2006), der wiederum Mutter Teresas wichtigste Kontaktperson im Vatikan war.

Nachdem Maasburg Mutter Teresa auf zahlreichen Reisen auf alle Kontinente - darunter auch nach Kuba oder in die Sowjetunion - begleitet hatte und ihr dabei mit priesterlichem Dienst zur Verfügung stand, gehörte er nach ihrem Tod zu einem jener Experten, die in Rom an der Vorbereitung ihrer Seligsprechung beteiligt waren. Hohe Bekanntheit und Übersetzung in zahlreiche Sprachen erfuhr zudem die von ihm verfasste und 2016 neu aufgelegte Biografie "Mutter Teresa - die wunderbaren Geschichten".

(Kathpress-Themenpaket mit zahlreichen Meldungen und Hintergründen zur Heiligsprechung Mutter Teresas unter www.kathpress.at/mutterteresa) (Schluss) ed

Quelle: Apa/Kap

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