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Nachwuchs für die "Stiegler"

Die HAK abgebrochen, den Lehrherrn gewechselt. Melanie Bauer hat den richtigen Weg für sich konsequent verfolgt und beruflich voll reüssiert.

Melanie Bauer: Vom Stiegl-Lehrling zum vollwertigen Teammitglied mit eigenständigem Tätigkeitsbereich. SN/bernhard schreglmann
Melanie Bauer: Vom Stiegl-Lehrling zum vollwertigen Teammitglied mit eigenständigem Tätigkeitsbereich.

Unternehmensberater raten es oft als großes Ziel: Die Mitarbeiter in einem Betrieb sollen sich wie eine große Familie fühlen. Was vielerorts als langjähriger Prozess startet, ist bei der Stieglbrauerei in Salzburg schon Gegenwart: Die mehr als 700 Mitarbeiter fühlten sich schon immer als "Stiegler" quasi in einer Großfamilie. Und damit auch hier der Nachwuchs nicht ausbleibt, werden sieben verschiedene Lehrberufe angeboten, vom Betriebslogistiker über den Restaurantfachmann bis hin zum Brauerei- und Getränketechniker. 18 junge Menschen stehen in Ausbildung, eine davon ist - oder besser gesagt war - Melanie Bauer. Die 20-Jährige hat Ende des vergangenen Jahres ihren Lehrabschluss als Bürokauffrau mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen und ist nun als vollwertige Arbeitskraft im Bereich Expedit/Logistik als echte "Stieglerin" beschäftigt.

Dabei war ihr dieser Berufsweg nicht vorgegeben. In der HAK konnte Bauer zwar im kaufmännischen Bereich gute Noten vorweisen, es haperte aber vor allem an den Sprachkompetenzen. Daher entschloss sie sich, der Schule Adieu zu sagen und begann eine Lehre als Bürokauffrau in einer Autowerkstätte. Doch auch hier wurde sie nicht so richtig glücklich, machte sich auf die Suche nach einem neuen Lehrherrn und wurde bei Stiegl fündig. "Ich habe mich beworben, dann folgten Schnuppertage, danach gab es ein persönliches Gespräch", erzählt Bauer, "und schließlich konnte ich den Lehrlingstest ablegen." Dabei sind Fähigkeiten wie logisches Denken, Rechnen, Rechtschreibung und Analysieren von Diagrammen gefragt. Zudem sollte man einiges zur Firma wissen, was bei den Schnuppertagen vermittelt worden ist. "Zwei oder drei Tage später hatte ich die Zusage", erzählt das Nachwuchstalent. Mit dem alten Lehrherrn trennte sie sich im Guten, die dort bereits geleisteten neun Monate wurden auf die dreijährige Lehrzeit angerechnet.

"Bei Stiegl kam ich in den Bereich Expedit/Logistik, wo es um Tourenrückerfassung, Leergutgutschriften, Lieferscheine oder Frächterrechnungen ging." Schritt für Schritt sei sie in die Materie hineingewachsen und habe in immer neue Aufgabenbereiche hineinschnuppern können. Um die Firma gründlich kennenzulernen, setzt man bei Stiegl auch auf eine ungewöhnliche Maßnahme: Bauer arbeitete als Urlaubsvertretung in der Telefonzentrale. "Das gehört zum Ausbildungsprogramm, da lernt man die einzelnen Abteilungen, Zuständigkeiten und Personen sehr genau kennen."

Jetzt, nach Ende der Lehrzeit, wurde sie übernommen und bekam Tätigkeiten einer Kollegin zugeteilt. Angst vor "einmal Lehrling, immer Lehrling" hatte sie nicht: "Ich bin sofort vom Team als vollwertiges Mitglied anerkannt worden", erzählt die Salzburgerin. Mit der Ausbildung zur Bürokauffrau stehe ihr jedenfalls eine große Möglichkeit an Tätigkeitsbereichen offen, sagt Bauer. Derzeit hat sie aber große Freude an ihrem neuen, eigenen Bereich. "Das ist quasi jetzt mein Baby."

"Die HAK abzubrechen war die richtige Entscheidung", betont Bauer, "ich gehe gern arbeiten und kann mir nicht mehr vorstellen, den ganzen Tag in der Schule zu sitzen." Das Thema Matura habe sie deshalb derzeit auch nicht im Kopf. Die Variante "Lehre mit Matura" sei wegen der ablehnenden Haltung ihres ersten Lehrherrn auch nicht infrage gekommen.

Weitere Qualifikationen hat sie ohnehin schon. Da ist nicht nur das Wissen aus der Stiegl-Lehrlingsakademie, sondern auch das Lehrlingsdiplom des WIFI. Dort hat sie - mit Unterstützung der Brauerei - verschiedene Zusatzqualifikationen, etwa im Bereich Kommunikation, erwerben können.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.11.2018 um 11:42 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/nachwuchs-fuer-die-stiegler-510493

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