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Neue Medien im Geschichtsunterricht richtig nutzen

Fachtagung der Pädagogischen Hochschule Salzburg - digitale Lebenswelt der Jugendlichen soll mehr in den Unterricht eingebunden werden

Neue Medien im Geschichtsunterricht richtig nutzen SN/Erwin Wodicka - wodicka@aon.at


Die Pädagogische Hochschule (PH) Salzburg hat sich aktuell zwei Schwerpunkte gesetzt: die gesellschaftliche und politische Bildung sowie Neue Medien im Unterricht. Diese sollen nun auch verstärkt im Fach Geschichte eingesetzt werden. "Es gibt eine große Kluft zwischen den heutigen Möglichkeiten der Vermittlung und ihrem tatsächlichen Einsatz im Unterricht", sagt PH-Vizerektor und Historiker Christoph Kühberger.

An der PH werde in diesem Feld schon länger geforscht - entsprechend setzt sie nun mit der 1. Fachtagung zur Nutzung digitaler Medien im Geschichtsunterricht an diesem Wochenende in Salzburg ein Zeichen und will die Beschäftigung mit dem Thema vorantreiben. In Österreich sei hier bislang noch kaum etwas passiert, erklärt Kühberger.

Ziel ist es dabei nicht, eine Technikeuphorie zu leben, sondern die Brücke zwischen virtuellen Welten und dem Geschichtsunterricht herzustellen. "Früher war das technisch nicht möglich, heute gehört das Internet zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und ist daher ein wichtiger Ort des Lernens", sagt Kühberger. Geschichte und Vergangenheit werde dort erlebt - oft spielerisch, aber auch bei der Informationsaufnahme. Im Mittelpunkt des Interesses ist dabei nicht der Transfer von bisherigen Lehrmaterialien in das Internet - sondern "es geht darum, die Beteiligung der Jugendlichen an historischen und politischen Prozessen zu stärken und zu unterstützen", betont der PH-Vizerektor. "Diese war noch nie so einfach wie heute. Geschichte wird nicht mehr aus der Distanz verwaltet - sie ist interaktiv geworden. Es ist eine neue Handlungsdimension dazugekommen, für die man gerüstet sein sollte."

Das Interesse der Menschen an historischen Dingen sei groß - von Blogs über Twitter bis hin zu Facebook würden zahlreiche sogenannte Social Media zur modernen Geschichtsschreibung, aber auch zur Auseinandersetzung mit ihr genutzt.

"Das bedeutet für die Vermittlung von Geschichte: Wir müssen die Potenziale nutzen: Schnelle Kommunikation, ein aktiver Meinungsbildungsprozess, kurze Aktions- und Reaktionszeiten."

So können interaktive "Whiteboards" im Unterricht Grafiken und Karten lebendig machen. Sogenannte "Web Quests" helfen Lehrern bei der Organisation von forschendem Lehren im Internet. Und das "Geocaching" bringt den Geschichtsunterricht direkt zu den geschichtsträchtigen Orten.

"Entscheidend ist, das neue Lernen ganzheitlich zu betrachten, als Lernen in, an, mit und über digitale Medien. Das Buch wird dadurch nicht abhanden kommen - aber sinnvoll ergänzt und bereichert", sagt Christoph Kühberger. Die Frage nach dem "digitalen Schulbuch" stehe entsprechend nicht im Vordergrund, sondern der bestmögliche Medienmix zum kompetenzorientierten Unterricht. "Geschichte hat manchmal ein recht verstaubtes Image - aber gerade dieses Fach blüht durch die Neuen Medien mehr denn je auf."

www.geschichtsdidaktik.com

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