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Nur nicht "nett" sein

Nettsein verringert die Gehaltshöhe. "Nette" Frauen verdienen weniger und merken es meist gar nicht.

Nur nicht "nett" sein SN/shutterstock - masson
„Nett“ zu sein wirkt sich negativ auf das Gehalt aus.

Je "netter" eine Frau ist, also je leichter sie Dinge am Arbeitsplatz einfach akzeptiert, desto geringer fällt meist ihr Gehalt aus, zeigt eine israelisch-niederländischen Studie. Verschärfend kommt dazu, dass sich nette Frauen auch noch unterschätzen. "Die netten Frauen, die wir in unserer Studie befragt haben, glaubten, dass sie mehr verdienten als angemessen", erklärt Michal Biron, Betriebswirtin an der Universität Haifa. Für alle anderen Mitarbeiter des untersuchten Unternehmens galt eher das Gegenteil.

Männer sind dominant und geben den Ton an, Frauen machen brav, was nötig ist. Dieses klassische Rollenbild sollte zwar überholt sein, doch klammern sich noch immer viele daran, wie Studienleiterin Sharon Toker von der Coller School of Management sagt. "Manch qualifizierte Frauen haben immer noch Angst, Wesenszüge zu zeigen, die mit Erwartungshaltungen zum weiblichen Charakter nicht übereinstimmen." Dominante, durchsetzungsfähige Frauen dagegen werden für solch vermeintlich "unweibliche" Charakterzüge keineswegs bestraft, sondern eher angemessener bezahlt. Diese Kluft zwischen netten und durchsetzungsfähigen Mitarbeitern besteht der Studie zufolge auch bei Männern, die aber grundsätzlich im Vorteil sind. "Erschreckenderweise haben wir festgestellt, dass dominante Frauen immer noch weniger verdienen als selbst die verträglichsten Männer, die nicht befördert werden", erklärt Renee De Reuver von der Tilburg University.

Die im Rahmen der Studie befragten Mitarbeiter eines niederländischen multinationalen Elektronikkonzerns haben großteils zu verstehen gegeben, dass sie mit ihren Einkommen unzufrieden sind. Nur nette, angenehme Frauen waren der Ansicht, dass sie zu viel verdienen. "Das hat uns umgehauen. Die Daten zeigen, dass sie am wenigsten verdienen, weit weniger als angemessen", weiß Toker. Da die Betroffenen das nicht wahrhaben wollen, wird sich das mangels entsprechender Forderungen nach Gehaltserhöhungen wohl schwerlich ändern. Die Analyse hat zwar nur ein einzelnes Unternehmen erfasst. Da die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern in den Niederlanden laut EU-Kommission in den vergangenen Jahren stets nahe am EU-Schnitt lag, ist das aber womöglich ein relativ gutes Einzelbeispiel.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.09.2018 um 03:02 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/nur-nicht-nett-sein-833632

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