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Papa-Kinder: Mehr Mut zur Karenz

Der Gesetzgeber unterstützt die Väterkarenz. Doch vielerorts trauen sich die Papas noch nicht so recht.

Papa-Kinder: Mehr Mut zur Karenz SN/bilderbox.com
Nicht mehr nur ein Frauen-Thema: Die Karenz

Im Idealfall hat ein Kind beides: eine Mama zum Schützen und einen Papa zum Spielen. Dass das einerseits vielleicht ein Klischee, andererseits aber oft die perfekte Kombination ist, weiß man eigentlich schon seit den 1980er-Jahren. Gleich mehrere aufwendig angelegte Studien belegten einhellig: Mehr als drei Viertel einer Gruppe von Kleinkindern wollten lieber mit dem Vater spielen, wenn allerdings Trost nötig war, rannten sie zur Mama.

Doch lange Zeit änderte diese Einsicht nichts an der Tatsache, dass die allermeisten Kinder mit einem häufig abwesenden Vater aufwuchsen. Mama blieb daheim oder arbeitete Teilzeit, Papa ging den ganzen Tag arbeiten.

Diese alten Verkrustungen wurden zwar in den letzten Jahrzehnten aufgeweicht und seit einigen Jahren aufgebrochen, doch so recht mag die Idee auch in Salzburg nicht zünden.

Verhaltene Akzeptanz
Die Zahlen geben keinen Grund zum Enthusiasmus. Zwar stieg der Anteil derjenigen Männer, die Kindergeld beziehen, in Österreich von 2006 bis 2012 von acht auf 17 Prozent, hat sich also mehr als verdoppelt. Im Gesamtbild zeigt sich aber, dass die Väter sehr viel kürzere Zeiträume nutzen.

Aus dem AMS heißt es dazu: "Während es in skandinavischen Ländern wie zum Beispiel Schweden überhaupt kein Thema ist, dass Väter in Karenz gehen, ist hierzulande damit noch viel Unsicherheit verbunden."

Das wird besonders deutlich in der freien Wirtschaft - in Salzburg beispielsweise bilden Betriebe wie Puma, dm und die anderen Vorzeigebetriebe, die stark auf CSR und Employer Branding setzen, noch die löblichen Ausnahmen von der Regel.

Das gilt für ganz Österreich. So fand kürzlich im Rahmen des EU-Projekts "Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie", das federführend vom Sozialministerium getragen wird, in Wien ein internationaler Workshop zum Thema statt. Dort zeigte sich deutlich: Was die Väterkarenz betrifft, sind uns zahlreiche andere EU-Länder weit voraus.

Internationaler Vergleich
"Während Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Österreich noch immer vor allem als Frauenthema diskutiert wird, sind andere Länder hier schon ein paar Schritte weiter", bestätigt Oliver Gumhold vom Sozialministerium. "Männer sind Teil von betrieblichen Vereinbarungsstrategien, nehmen häufiger und längere Karenzzeiten in Anspruch und beteiligen sich stärker an der Betreuungsarbeit auch nach der Karenz."

Das sei u. a. deshalb möglich, weil Unternehmen in vielen Ländern deutlich größere Bereitschaft zeigten, hier "mitzuspielen". Großes Vorbild ist hier neben Schweden auch Island.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.09.2018 um 03:00 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/papa-kinder-mehr-mut-zur-karenz-1059136

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