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Spielen, wo die Eltern arbeiten

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen sich viele Beschäftigte. In einem Salzburger Unternehmen betreut nun erstmals eine Betriebstagesmutter die Kinder von Mitarbeitern.

Spielen, wo die Eltern arbeiten SN/empl
Betriebstagesmutter Manuela Pertiller spielt mit den Kindern von GWS-Mitarbeitern.

Die einen spielen mit einem Kaufladen und Holzautos, die anderen sitzen nebenan bei einer kleinen Jause. Die Rede ist von drei Mädchen und einem Buben - vier Kinder von Mitarbeitern der Geschützten Werkstätten Salzburg (GWS) im Alter zwischen 1,5 und 2,5 Jahren. Während deren Eltern ihrer Arbeit nachgehen, kümmert sich eine pädagogische Fachkraft um die vier - und das alles unter einem Dach. Möglich macht das eine Gesetzesnovelle, wonach seit Anfang des Jahres Kinder von Betriebstageseltern betreut werden können.

Die GWS haben nun als erstes Unternehmen im Land Salzburg diese Möglichkeit in die Praxis umgesetzt. Seit 1. September nimmt Betriebstagesmutter Manuela Pertiller die vier Kinder morgens in Empfang und kümmert sich mehrere Stunden um sie. "Die Plätze waren sofort ausgebucht", erklärt GWS-Geschäftsführerin Astrid Lamprechter. Es gäbe sogar den Bedarf für mehr Plätze. "Für uns wäre es super, wenn wir zwei Tagesmütter hätten, die acht Kinder betreuen, aber das ist rechtlich nicht möglich." (siehe Infokasten)

Bei den GWS gibt es individuelle Lösungen für Frauen und Männer, die nach der Karenz beruflich wieder einsteigen wollen. Die Betriebstagesmutter ergänzt dieses Angebot, von dem die Eltern und der Betrieb profitieren. Letzterer möchte die Mitarbeiter und deren Wissen halten. Deshalb ist es gewünscht, dass die Mitarbeiter so bald wie möglich nach der Karenz wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren - zu den Konditionen, die ihnen möglich sind. "Bereits mit Eintritt in die Karenz sollte eine Lösung für den Wiedereinstieg vorhanden sein", sagt Astrid Lamprechter. Da sich das Personalbüro und die Betreuungseinrichtung unter einem Dach befinden, verspricht sich die Geschäftsführerin davon kurze bürokratische Wege, wenn etwa eine Mutter ihre Arbeitsstunden aufstocken will. Eltern sollen im "Kids Club", wie die Räume der Kinderbetreuung genannt werden, nicht nur ihre Kinder gut versorgt wissen. Er soll auch eine Anlaufstelle für sie sein, wo sie untereinander Erfahrungen austauschen und sich Rat holen können.

Für die Betreuung ihrer Kinder durch eine Betriebstagesmutter zahlen die Eltern genauso viel wie für eine Tagesmutter. Die Gebühren sind gestaffelt. "Wir finanzieren die ganze Infrastruktur", sagt die GWS-Geschäftsführerin. Dazu gehört der Umbau und die Einrichtung der Räume sowie die Bezahlung der Betriebstagesmutter, die beim Zentrum für Tageseltern Salzburg (TEZ) angestellt ist. 30 Wochenstunden ist Betriebstagesmutter Manuela Pertiller im Unternehmen. Werden die Kosten für sie nicht durch die Tagesbeiträge der Eltern gedeckt, übernehmen die GWS die Differenz. Von Stadt und Land Salzburg gibt es Fördermittel.

Manuela Pertiller und ihren kleinen Schützlingen stehen ein Spielzimmer, eine Küche und Sanitäranlagen zur Verfügung. Der Schlafraum kann auch als Bewegungsraum genutzt werden. Das TEZ beriet bei der pädagogischen Ausstattung der Räume. Erfüllt werden mussten aber auch die Sicherheitsauflagen des Landes, schließlich musste der Magistrat die Betreuungseinrichtung bewilligen.

Dort wird gemeinsam gespielt, gebastelt und gegessen. Um das leiblich Wohl der Kinder kümmert sich das hauseigene Küchenteam. Manuela Pertiller will mit den Kindern aber auch viel in der Natur unterwegs sein. Zudem werden die GWS im nächsten Jahr noch einen Spielplatz errichten lassen. Zunächst geht es aber jetzt an die Eingewöhnung der Kinder an die Umgebung, die Bezugsperson und den Tagesablauf. Nach und nach wird die Anwesenheit der Eltern reduziert, die sich dann letztlich wieder voll auf ihre Arbeit konzentrieren können.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 08:37 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/spielen-wo-die-eltern-arbeiten-1073296

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