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Studierende Sportler: Aufgeben ist keine Option

Die meisten Studenten beschränken sich auf ihr Vollzeitstudium. Nebenbei noch sportliche Höchstleistungen zu bringen, scheint vielen unmöglich. Doch es gibt auch studierende Top-Sportler.

Studierende Sportler: Aufgeben ist keine Option SN/privat
Die schwimmende Studentin Lucy Uiberreiter.

Lucy Uiberreiter studiert Psychologie an der Universität Innsbruck. Daneben bestreitet die 21-Jährige Schwimmwettkämpfe und hält dabei zahllose Rekorde. Erfolgreich studieren und Leistungssport betreiben, erweist sich oftmals als schwierig. Eine gewisse Kompromissbereitschaft ist Voraussetzung. Vor allem während der Prüfungszeiten bedarf es genauester Planung, denn bereits ohne Prüfungen ist der Terminkalender von Uiberreiter randvoll. Ein typischer Tagesablauf.

Zuerst in die Schwimmhalle

Mittwochvormittag, kurz vor 10 Uhr im Hallenbad des Landessportzentrums Innsbruck. Mit kräftigen Bewegungen zieht eine einsame Schwimmerin ihre Bahnen. Unermüdlich bewegt sie sich von einem Ende der Halle zur anderen. Seit acht Uhr trainiert sie schon. Ab und zu wandert der Blick auf die Uhr: Bald ist es Zeit zu gehen. Um 10 Uhr zieht sie sich zufrieden aus dem Wasser, schnappt sich ihr Handtuch und verlässt die Halle. 20 Minuten später hastet sie schon aus dem Gebäude neben dem Tivoli-Stadion. Gerade noch rechtzeitig, denn soeben biegt der Bus in die Haltestelle ein. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Zuhause schlägt sie schon während dem Essen ihre Lernbücher auf. Bis es um kurz nach 15 Uhr Zeit fürs Krafttraining ist, lernt sie noch intensiv auf ihre nächste Prüfung.

Das Geräusch von auf Metall treffendes Metall klingt durch den Raum. Es ist kurz nach 16 Uhr und Lucy sitzt an einem Zugturm im Fitnessstudio. Unermüdlich trainiert sie die Zugbewegungen des Delfinschwimmstils. Dabei zieht sie aufrecht sitzend immer wieder die Haltestange des Turms zu sich. Bei jeder vollendeten Bewegung treffen die angehängten Gewichte klirrend auf die restlichen Gewichte des Zugturmes. Minutenlang hört man nur ihre Zählung und das Geräusch der Gewichts: "Eins." Klirr. "Zwei." Klirr. "Drei." . . .

Schon wieder verlässt sie ein Gebäude mit schnellen Schritten. Sie ist spät dran, um 17 Uhr sollte sie schon in der Universität sitzen. Immer wieder blickt sie ungeduldig auf ihre Uhr. Die Minutenanzeige an der Haltestelle stimmt schon wieder nicht, der Bus hat Verspätung. Ein erleichtertes Seufzen, als er endlich um die Ecke biegt. Kaum hält der Bus an ihrer Haltestelle springt sie schon aus der Tür und hetzt sich durch das große Tor der Universität. Gerade noch rechtzeitig schlüpft sie durch die Tür in den Hörsaal. Die nächsten Stunden sitzt sie im stickigen Saal und schreibt Seite um Seite ihre Notizen. Um kurz nach 19 Uhr lässt sie sich erschöpft auf den Sitz im Bus fallen. Feierabend für heute.

Auch Tag zwei sieht ähnlich aus

Der kommende Morgen beginnt gleich wie der vorherige. Zwei Stunden zieht sie ihre Bahnen im Schwimmbad des Landessportzentrums, bevor sie um 10 Uhr wieder in die Uni muss. In den nächsten Stunden pendelt sie von einem Seminarraum zum anderen und ihr Notizblock füllt sich allmählich.

Um 17 Uhr strömt eine große Studentenmenge aus dem Universitätsgebäude. Vor dem Eingang diskutiert eine Gruppe, wohin sie heute ausgehen wollen und bei wem vorgeglüht wird. Eilig drängelt Lucy sich vorbei - um 18 Uhr hat sie Schwimmtraining in ihrem Heimverein. Eine Studienkollegin ruft ihr noch nach: "Kommst heute mit ins Bluechip?" Über die Schulter wirft sie ein entschuldigendes Lächeln zurück. "Hab" heute Training. Sorry!" Schon sitzt sie wieder im Bus, auf dem Weg zum Franziskaner-Gymnasium in Hall. Bis 20 Uhr wird sie dort ihre Bahnen im Wasser ziehen.

Bäuchlings balanciert Lucy auf einem großen blauen Gymnastikball. Die Arme hält sie nach hinten gestreckt. In einer fließenden Bewegung bringt sie die immer noch gestreckten Arme über dem Kopf nach vorn und simuliert so die Rückholbewegung des Delfinschwimmstils. Hat sie einen Bewegungsablauf erfolgreich hinter sich, begibt sie sich sofort wieder in die Ausgangsposition und beginnt von neuem. Der Freitagmorgen im Fitnessstudio zieht sich bereits in die Länge. Nach zwei Stunden intensivem Krafttrainings macht sie sich dann endlich auf den Weg zur Uni.

Von 14 bis 16 Uhr sitzt sie in einem Seminar, danach fährt sie heim. Bis 18 Uhr bleibt ihr Zeit um zu lernen, zu essen und das Gelernte nachzubereiten. Um sechs schnappt sie sich wieder ihre Schwimmsachen und fährt ins Franziskaner-Gymnasium. Die kommenden Stunden gehören wieder ganz ihrer Leidenschaft. Hochkonzentriert zieht sie ihre Bahnen, voll auf sich und ihre Bewegungen fokussiert. Nach fünf Tagen merkt man langsam, wie die Arme schwer werden, ihre Bizeps-Sehnenentzündung meldet sich. Dennoch kämpft sie sich durch das Training, sie ist zu kämpferisch, um aufzugeben. Um 20 Uhr ist dann wieder Schluss, erschöpft und zufrieden beendet sie ihr Training. Am Samstag hat sie noch einmal Kraft- und Schwimmtraining, dann hat auch sie endlich "Wochenende".

Wie alles begann

Ihre Leidenschaft für das Schwimmen entdeckte die junge Tirolerin mit elf Jahren. Eine Freundin nahm sie mit in den Schwimmverein und seitdem lässt sie die Leidenschaft nicht mehr los. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Sie hält zahlreiche Tiroler Rekorde, war mit der österreichischen Staffel österreichische Meisterin. International schwamm sie etwa bei Wettkämpfen in Genf, Prag und Darmstadt mit.

Vor kurzem kam dann der Rückschlag. Die mittlerweile chronische Bizeps-Sehnenentzündung in beiden Armen zwang sie, die aktive Wettkampfkarriere an den Nagel zu hängen. "Die Entscheidung aufzuhören fiel mir wirklich nicht leicht. Da die Schmerzen aber immer mehr wurden, musste ich einfach diesen Schritt gehen." Die Verletzung hält sie jedoch nicht ab, weiterhin im Verein tätig zu sein. Ab Herbst ist sie Trainerin in der Schwimmunion in Hall und coacht die nachkommende Jugend.

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

(SN)

Aufgerufen am 21.05.2018 um 01:16 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/studierende-sportler-aufgeben-ist-keine-option-998668

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