Schlagzeilen

Topposition in Teilzeit

Sie meistert den Spagat zwischen Familie und Führungsposition: Andrea Stumpp von der Salzburger Sparkasse. Ihr Arbeitgeber stärkt nun den Frauen im Unternehmen den Rücken.

Andrea Stumpp leitet die Unternehmensentwicklung in der Salzburger Sparkasse – in Teilzeit, was noch eine Rarität ist. SN/vips
Andrea Stumpp leitet die Unternehmensentwicklung in der Salzburger Sparkasse – in Teilzeit, was noch eine Rarität ist.

Genügt nach dem Wiedereinstieg einfach irgendein Arbeitsverhältnis? Oder darf's ein bisserl mehr sein?

"Mir persönlich war es immer wichtig, wieder in eine Spezialisten-Funktion zurückkehren zu können", sagt Andrea Stumpp. Sie lebt in Maxglan, ist 43 Jahre alt und hat zwei Buben mit 13 und 10 Jahren, für die die Personalentwicklerin fünf Jahre Pause eingelegt hat.

Stumpp hat es dennoch geschafft. Heute leitet sie die Unternehmensentwicklung in der Salzburger Sparkasse, ist damit quasi auf der zweiten Ebene, direkt unter dem Vorstand, tätig. Und das mit 60 Prozent.

Eine Ausnahme. Noch. Doch ihrem Beispiel sollen weitere folgen. Denn ihr Arbeitgeber hat das Thema Diversität, zu deutsch: Vielfalt, für sich entdeckt. Während die Bank hinsichtlich Alter, Nationalität und Hintergrund gut aufgestellt ist, ortet man in puncto Chancengleichheit von Männern und Frauen Aufholbedarf. Obwohl sie 65 Prozent der 600 Mitarbeiter ausmachen, sind Frauen vor allem in höheren Karriere-Levels unterrepräsentiert. Im Herbst 2015 beantworteten in einer internen Umfrage nur 50 Prozent der Leute die Frage: Wird Diversität bei uns aktiv gelebt? mit einem "Ja".

Zu wenig. Nun läuft ein breit angelegter Prozess - 60, 70 Frauen sind beteiligt. Am Dienstag fand der erste interne "Ladies Lunch" mit den Vorständen Christoph Paulweber und Markus Sattel statt - "Role Models" aus anderen Unternehmen erzählten, wie sie Jobsharing auf Führungsebene leben. Jobsharing ist aber nur ein Thema - variable Zeiten, Home Office, Betriebskindergarten weitere. "Suchen wir heute Personal, sprechen wir Teilzeit-Möglichkeiten dezitiert an. Wir wollen weg von Schablonen", sagt Stumpp. Gefordert sind auch die Frauen selbst, nämlich eigeninitiativ zu werden. "Viele haben sich ja nicht einmal zu sagen getraut, dass sie eine Fortbildung machen wollen." Abteilungsleiter sind angehalten, in Gesprächen ein besseres Gespür für die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen zu entwickeln.

Und wie kommt Stumpp mit ihrer Aufgabe zurecht? Die Wertschätzung der Vorgesetzten sei groß, sagt sie. Dennoch müsse sie sich nach der Decke strecken. Vor allem dann, wenn etwas Unvorhergesehenes passiere, gerate ihr "Radl" schnell aus den Fugen.

Ihre jetzige Position habe sie gar nicht angestrebt, ist ihr noch wichtig zu sagen. "Ich wollte den Job, den ich kann und den ich liebe, so machen, wie er für mich passt." Das zu erkennen und zu artikulieren, habe Zeit gebraucht. "Ich habe mich da weg vom Perfektionismus, hin zu einer stärkeren Gelassenheit entwickelt."

Was rät sie anderen Frauen? "Seid mutig", sagt Stumpp. "Probiert Dinge aus. Selbst wenn sie sich nicht entwickeln wie gedacht, ist man nicht gescheitert."

Aufgerufen am 21.11.2018 um 01:15 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/topposition-in-teilzeit-410035

Schlagzeilen