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Universitäten brauchen mehr Geld, sollen sie wettbewerbsfähig bleiben

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) empfiehlt der Regierung eine deutliche Aufstockung der Mittel für die Universitäten - und kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung, ähnlich wie an den Fachhochschulen.

Universitäten brauchen mehr Geld, sollen sie wettbewerbsfähig bleiben SN/bilderbox.com
Die Notwendigkeit einer Erhöhung steht außer Frage.

Auf bundespolitischer Ebene wird einmal mehr angeregt, Studienplätze sanft in Richtung Fachhochschulen zu verschieben. Wirtschaft und Recht wurden diesmal angesprochen, mit Aufschrei seitens der Universitäten und positiven Signalen seitens der Fachhochschulen. Es solle außerdem einen Fächerabgleich an den beiden Hochschultypen sowie daraus resultierend Kooperationen und Bündelungen geben - aber ohne die Universitäten dabei quantitativ einzuschränken.

Ebenfalls nicht einschränken, sondern im Gegenteil mit mehr Mitteln ausstatten will der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) die Universitäten. Er empfiehlt der Regierung dringend eine deutliche Aufstockung der Mittel für die Universitäten sowie der Forschungsförderungsinstitutionen FWF und FFG. An den Unis müsse außerdem eine mit Zugangsregeln verbundene, an den Kapazitäten der Hochschulen orientierte Studienplatzfinanzierung eingeführt werden, sagt RFT-Präsident Hannes Androsch.

Konkret sollen die Mittel des vor allem Grundlagenforschung fördernden Wissenschaftsfonds FWF sowie der vor allem die angewandte Forschung unterstützenden Forschungsförderungsgesellschaft FFG um je 100 Mill. Euro pro Jahr angehoben werden. Das würde sich im Finanzrahmen für die Jahre 2017 bis 2020 mit insgesamt 800 Mill. Euro zusätzlich niederschlagen, heißt es in der Rats-Empfehlung.

Außerdem soll die Grundfinanzierung der Universitäten in der nächsten Leistungsvereinbarungsperiode 2019 bis 2021 von derzeit rund 8,4 Mrd. Euro (2016 bis 2018) um 1,35 Mrd. Euro - also jährlich 450 Mill. - erhöht werden. Jährlich 100 Mill. Euro sollen außerdem (neben den bereits fixierten Mitteln für das IST - Institute of Science and Technology Austria in Maria Gugging) in neue Mittel zur Stärkung der Exzellenz fließen - etwa an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), für internationale Mitgliedschaften oder Forschungsinfrastruktur.

Selbst bei Umsetzung all dieser Maßnahmen würde Österreich seine selbst gesteckten Ziele einer Forschungsquote von 3,76 Prozent bis zum Jahr 2020 bzw. einer Quote von zwei Prozent für den tertiären Sektor nicht erreichen, betont Androsch. "Wir nehmen also auf die Beengtheit der Staatsfinanzen Rücksicht." Und: "Diese Dinge sind die Mindestanforderungen und bleiben weit unter dem, was die Regierung sich selbst als Vorgabe gestellt hat."

Die Notwendigkeit einer Erhöhung der Mittel belegte Androsch mit einem Vergleich mit Bayern und der Schweiz. In Österreich stünden den Unis mit rund 305.000 Studenten jährlich etwa 3,8 Mrd. Euro zur Verfügung - in der Schweiz seien es dagegen 7,2 Mrd. Euro für nur 145.000 Studenten, in Bayern 6,3 Mrd. Euro für 240.000 Studenten.

"Aber es ist nicht nur das Geld", so der RFT-Vorsitzende: Die Schweiz habe etwa nur halb so viele Studierende wie Österreich. "Aber was haben wir von (inklusive der Fachhochschulen, Anm.) 357.000 Studenten am Papier, wenn wir nachweislich feststellen können, dass ein Drittel keine Prüfung macht?" Und: "Studium, das haben uns die Altvorderen gelehrt, kommt von Studieren und nicht von Flanieren - obwohl auch das sein soll, so puritanisch wollen wir nicht sein."

Die Universitäten bräuchten daher eine kapazitätsorientierte Steuerung. Derzeit würden nur in wenigen Fächern Zugangsregeln bestehen - und selbst in diesen sei die zur Verfügung stehende Platzzahl angesichts der tatsächlichen Kapazitäten oft zu hoch bemessen, so Androsch. Gleichzeitig müsste aber das Stipendiensystem aus- und soziale Hemmnisse für "nicht-traditionelle" Studieninteressierte abgebaut werden.

Seine Funktion sieht Rats-Chef Androsch dabei realistisch: "Wir haben nichts zu fordern. Der Rat ist als Hofnarr eingerichtet und gibt Empfehlungen." Ob die Regierung sich daran halte, sei eine politische Entscheidung: "Wir können ihr nicht mit Mund-zu-Mund-Beatmung politischen Mut einflößen."

Über den RFT: Die Bundesregierung hat den unabhängigen Rat 2000 eingerichtet und ihm 2004 eine eigene Rechtspersönlichkeit verliehen. Er ist seither das strategische Beratungsorgan der Regierung in allen Fragen der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik (FTI). Im engen Dialog mit den maßgeblichen Akteuren der FTI-Politik erarbeitet er Empfehlungen für die mittel- und langfristige Ausrichtung dieses Politikfeldes. Seine Empfehlungen können gleichermaßen von Bundes- und Landesstellen eingeholt werden. www.rat-fte.at

Aufgerufen am 22.09.2018 um 05:15 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/universitaeten-brauchen-mehr-geld-sollen-sie-wettbewerbsfaehig-bleiben-1108765

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