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Verschenktes Potenzial

Frauen in Führungspositionen sind in Österreich immer noch selten. Obwohl der Anteil der Akademikerinnen steigt, schlägt sich dies im Berufsleben nicht nieder.

Verschenktes Potenzial SN/shutterstock/ollyy
Frauen sind oft hoch qualifiziert, in die Chefetage kommen sie aber selten.

Der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss steigt stetig und liegt bereits bei rund 55 Prozent der Hochschulabsolventen. Doch eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group (BCG) mit dem Titel "Frau Dich! - Das schlummernde Potenzial der Frauen für die österreichische Wirtschaft" zeigt: Dieses Potenzial wird noch nicht genützt. Noch immer liegt die Führungsquote der Frauen in Österreich deutlich unter ihrer Absolventenquote.

Frauen übernehmen in Österreich nach wie vor mehrheitlich die Familienarbeit und sind deutlich häufiger in Teilzeit beschäftigt, ohne jemals wieder in die Vollzeitbeschäftigung einzusteigen. Daran ändern auch flexible Arbeitszeitmodelle nichts. Vor allem in der karriererelevanten Altersphase zwischen 30 und 40 Jahren steigt der Anteil von Frauen in Teilzeit massiv an und endet in einer "lebenslangen Babypause für Frauen". 50 Prozent der erwerbstätigen Frauen kehren nicht in die Vollzeit zurück.

Noch immer sind in Österreich zehn Prozent weniger Frauen erwerbstätig als Männer. Während in der Schweiz 80 Prozent der Frauen erwerbstätig sind, sind es in Österreich und Deutschland nur 70 Prozent. In der gesamten DACH-Region liegt die Differenz zu erwerbstätigen Männern bei rund zehn Prozent. Auch bei höherem Bildungsniveau bleiben 80.000 Frauen zu Hause. Das gilt es zu ändern, denn die Förderung von Frauen zahlt sich aus: Mehr Vielfalt in Unternehmen ist Triebkraft für Innovation und trägt zur Steigerung der Bruttowertschöpfung bei.

Eine Steigerung des Frauenanteils an Führungspositionen und erhöhte Partizipation von Frauen am Arbeitsmarkt würden sich nicht nur für die Unternehmen positiv auswirken. Auch gesamtwirtschaftlich könnte Österreich profitieren. "Wir haben berechnet, dass die Wertschöpfung um mindestens fünf Prozent steigen könnte, wenn die Potenziale der Frauen auf dem Arbeitsmarkt besser genützt würden", sagt Sabine Stock, Partnerin bei BCG. Die bessere Erschließung des weiblichen Arbeitskräftepotenzials kann zu einer Erhöhung der Wertschöpfung von rund 17 Mrd. Euro beitragen. Die BCG-Experten identifizieren dabei wesentliche Hebel für Wachstum: Neben einer Erhöhung der weiblichen Erwerbstätigenquote und der Wochenarbeitszeit sollten Frauen ihrer Qualifizierung entsprechend eingesetzt werden.

ERFOLGREICHE MASSNAHMEN

Veränderung der Unternehmenskultur
Unternehmen sollten sich ihre impliziten Unternehmenswerte und -normen als Basis für die Unternehmenskultur bewusst machen, um mögliche Hindernisse für den Aufstieg von Frauen zu verstehen, und den Beitrag aller Mitarbeiter - auch der Frauen - zum Unternehmenserfolg transparent und anfassbar machen.

Förderung der aktiven Karriereplanung
In einem zweiten Schritt müssen Voraussetzungen geschaffen werden, um einen Kulturwandel überhaupt dauerhaft zu ermöglichen. Das beginnt bereits bei der Auswahl und Einstellung von neuen Mit arbeitern und Mitarbeiterinnen und setzt sich bei den Maßnahmen, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verstärkt an das Unternehmen zu binden, fort. Von besonderer Bedeutung sind alle Maßnahmen zur Karriereentwicklung.

Stärkung des Management-Engagements
Entscheidend ist, dass eine offene Kultur, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschließt, durch konsequentes und glaubwürdiges Vorleben im Topmanagement gefestigt wird und Fortschritte gemessen und transparent gemacht werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.09.2018 um 07:55 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/verschenktes-potenzial-894415

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