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Viele Generationen, ein Hörsaal

Miteinander lernen, nicht nur voneinander. Psychologiestudierende der Universität Salzburg arbeiteten in einem Seminar zum Wertewandel in der Arbeitswelt eng mit Studierenden der Uni 55-PLUSzusammen.Michael Roither

 SN/plus

Die Uni 55-PLUS der Universität Salzburg wächst und gedeiht: Sie feiert gerade ihr fünfjähriges Jubiläum mit fast 500 Studierenden - ein neuer Rekord. Doch bei bloßem Wachstum soll es nicht bleiben: Ihr Leiter, Professor Urs Baumann, setzt auf innovative Konzepte, die nicht nur für, sondern auch mit der Zielgruppe entwickelt und gestaltet werden. Aktuelles Beispiel: Eine neue Lehrveranstaltung zum Thema "Werte und Wertetransfer in der Arbeitswelt im Wandel der Zeit". In diesem Seminar wird das Thema einer "intergenerativen Analyse" unterzogen.

"An den Senioren-Unis des deutschen Sprachbereichs wurde und wird immer die Intergenerativität als wichtiges Element gesehen, das heißt, es soll zwischen Jungen und Älteren zu Begegnungen kommen, um so Vorurteile und Generationenkonflikte zu mindern", erklärt Baumann. "Die herkömmlichen Senioren-Unis können dieses Postulat der Intergenerativität aber nur wenig realisieren - in den Vorlesungen kommt es nur begrenzt zu Begegnungen, in den Proseminaren, Seminaren, Übungen, Exkursionen sind häufig die Älteren aus Kapazitätsgründen gar nicht zugelassen." - Oder die Intergenerativität spiegle sich nicht in der Struktur der Lehrveranstaltung. Daher hat die Uni 55-PLUS - erstmals in Österreich - eine LV konzipiert, die bis ins Detail intergenerativ ist.

Die Umsetzung der Lehrveranstaltung lag und liegt in den Händen des promovierten Arbeits- und Organisationspsychologen Alois Farthofer, externer Lehrbeauftragter an der Uni Salzburg. "Ich war von der Idee sofort angetan", erzählt Farthofer. "Gleich viele Psychologie-Studierende und Uni-55-PLUS-Teilnehmer gemeinsam ein Seminar bestreiten zu lassen, ist sehr spannend. Die jüngere näher an die ältere Generation heranzuführen, um in der Praxis ein besseres Tun zu ermöglichen, ist eine sehr aktuelle, wichtige Aufgabe - nicht nur an den Universitäten, sondern vor allem auch in Unternehmen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Jüngere intergenerative Kompetenzen erwerben - vor allem um das Erfahrungswissen der Älteren besser nutzen zu können."

Wie ist dies in der Lehrveranstaltung gelungen? "Es war beeindruckend dynamisch, eine wunderbare Zusammenarbeit", schwärmt Farthofer. "Beide Generationen sind intensiv aufeinander zugegangen und haben das Thema über die Lebens- und Erfahrungswelt der anderen aufgenommen. Das Engagement war groß - und es hat beiden Seiten auch viel Freude bereitet."

Der Aspekt Erfahrung ist für den Psychologen entscheidend - in der Lehre wie in
der Praxis werde zwar mittlerweile auch technisch unterstützt viel Wissens-, aber wenig Erfahrungs- und Generationenmanagement betrieben. "Deshalb ist bei uns
die Begegnung und Erfahrung neben dem Wissenszuwachs und der theoretischen
Aufarbeitung ganz wichtig. Das Ergebnis: Die Ergänzung des Wissens um Erfahrungen gab den Teilnehmern in der Materie mehr Sicherheit und es wurde ein hoher Reflexionsgrad erreicht. Man hat gespürt, dass
jede Minute etwas bringt, bereichert, Spaß macht."

Für den Arbeitspsychologen Farthofer war das Seminar im Ergebnis auch die Bestätigung der These, dass intergenerativer Austausch enorm fruchtbar und wertvoll ist, wenn er strukturiert und ernsthaft betrieben wird. "Ich erlebe in den Betrieben bei jenen, die in Pension gehen, oft etwas Wehmut: ,Könnte ich noch etwas einbringen?', fragen sich viele, und meinen damit vor allem Erfahrung. Dieser Wille trifft aber meist auf eine gewisse Distanziertheit seitens der Jugend. Es wäre wichtig, verstärkt beide Generationen in Firmen und Teams zu haben - die LV war diesbezüglich ein optimales Vorbild." Es werde in Zukunft noch mehr auf die Innovationskraft der Betriebe ankommen - da bedürfe es möglichst vieler, breiter, unterschiedlicher Zugänge. "Optimaler Weise also auch unter Einbezug aller Generationen."

Die Uni 55-PLUS plant jedenfalls weitere Lehrveranstaltungen mit ähnlichem Charakter - zum Wohle der älteren und jüngeren Studierenden. "Neben der Psychologie möchten wir auch ganz andere Fächer wie zum Beispiel Theologie, Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft oder Ökologie in dieser Form einplanen", sagt Leiter Urs Baumann. "Interesse wurde bereits von einzelnen Fächern signalisiert."

Insgesamt möchte die Uni 55-PLUS in den nächsten fünf Jahren ihr Konzept erweitern und damit das Angebot bereichern. Insbesondere folgende Aspekte werden neben verstärkt intergenerativen Lehrveranstaltungen überlegt:

Inhaltliche Angebote über das Spektrum der Uni Salzburg hinaus (zum Beispiel im Wintersemester eine Vorlesung zu Architektur), verstärkt Lehrveranstaltungen als Experten-Gremium mit zivilgesellschaftlichem Nutzen (zum Beispiel im Sommersemester ein Proseminar zum Thema Demenz, das Lösungen erarbeitete und an das Projekt "Salzburg als demenzfreundliche Stadt" weitergab), aber auch die Vernetzung der Uni 55-PLUS in der Region sowie im DACH-Raum mit anderen, ähnlichen Unis.

Wichtig ist Professor Baumann auch die Nutzung der Ressourcen der Uni 55-PLUS für die Gesamtuniversität. "An der Uni 55-PLUS gibt es eine Vielzahl an Teilnehmern, die erfolgreiche Experten für ein Gebiet sind, die für Lehre, Forschung, Beratung, Vorträge etc. der ordentlichen Studien genutzt werden könnten. Dafür gibt es bisher keine Modelle, geschweige denn Traditionen. Diese Nutzung wäre für die Gesamtuniversität ein großer Gewinn, der umso wichtiger ist in Zeiten knapper Mittel."

Informationsveranstaltung zur Uni 55-PLUS für Neue und Interessentinnen: Donnerstag,
7. September, 13 bis 15 Uhr, Hörsaal E.001,
Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Str. 1, Salzburg.
Mehr Informationen zur Uni 55-PLUS gibt es im Internet unter Tel. 0662/8044-2418,
www.uni-salzburg.at/uni-55plus

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 01:21 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/viele-generationen-ein-hoersaal-16958473

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