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Weit hinter der Spitze

Österreichs Unis schneiden bei den aktuellen globalen Rankings einmal mehr durchschnittlich ab. Der Abstand zu den Top-Unis ist groß - im Gegensatz zu Deutschland, vor allem aber zur Schweiz.

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Rankings haben bei Universitäten im Resultat vor allem mit den Rahmenbedingungen und der Historie, dem Ruf zu tun. Beim QS Ranking hängen 40 Prozent der Reihung von den Ergebnissen einer weltweiten Umfrage unter Wissenschaftern zum Ansehen von Hochschulen ab, weitere zehn Prozent von einer zusätzlichen Befragung unter Arbeitgebern.

Je 20 Prozent der Wertung ergeben sich aus dem Zahlenverhältnis von Studierenden pro Lehrendem sowie der Forschungsleistung und je fünf Prozent aus dem Anteil an internationalen Studenten bzw. Forschern und Lehrenden. Mit anderen Worten: 50 Prozent Ruf, 50 Prozent Fakten, wobei diese letztlich vor allem mit Ressourcen zu tun haben.

Österreichs Unis kämpfen im internationalen Vergleich mit beidem, orientiert man sich am neuen QS Ranking 2018: keine Universität unter den Top 150, zwei unter den Top 200: Die Uni Wien kam heuer auf Rang 154 (2017: 155), die Technische Univer- sität (TU) Wien auf Platz 182 (183). Nach einigen Jahren des Abstiegs erholt hat sich die Uni Innsbruck, die heuer Platz 286 einnimmt (2017: 299). Betrachtet man die vergangenen Jahre, hat die Uni Wien leicht zugelegt - von Platz 160 im Jahr 2012 auf 154 heuer. Einen großen Sprung seit dem Jahr 2012 hat die TU Wien gemacht: Von Rang 274 ging es stetig bergauf. Damals lag sie noch fast gleichauf mit der Universität Innsbruck, die seither (2012: 276) etwas eingebüßt hat.

Die anderen heimischen Unis werden nicht mehr mit exakten Platzzahlen gerankt, sondern nur mehr in 10er- bzw. 50er-Bereichen. Die Unis Linz und Graz finden sich jeweils im Platzbereich zwischen 471 und 480, die TU Graz zwischen 501 und 550. Gegen Ende der 950 Unis umfassenden Rangliste kommen dann noch Uni Klagenfurt und Uni Salzburg (jeweils 751-800). Für die Uni Linz bedeutet das ein kräftiges Bergauf (2017: 551-600), für die Uni Graz ein leichtes Bergab (2017: 461-470). Die Unis Klagenfurt und Salzburg blieben praktisch gleich, die TU Graz wurde im Vorjahr nicht gerankt.

Ein Blick auf die deutschsprachigen Nachbarn zeigt entsprechend auch ein anderes Bild: Die deutschen Universitäten sind zwar nicht ganz vorn platziert, aber dennoch unter den Top 150 stark vertreten. Zwischen Platz 64, der TU München, und der TU Berlin auf Platz 144 liegen weitere sechs Universitäten. Die Schweizer Universitäten liegen verhältnismäßig noch deutlich besser: Zwar sind "nur" sechs Unis unter den Top 150, allerdings liegen zwei davon im absoluten Spitzenfeld: Die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich auf Platz 10 und die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) auf Platz 12. Vor der ETH ist im Übrigen alles in US- oder englischer Hand: Das MIT in Boston führt das Ranking vor Harvard und Stanford an. Cambridge und Oxford sind auf den Plätzen 5 und 6 die ersten britischen Unis.

Ein ähnliches Bild zeigt auch das ebenfalls kürzlich veröffentlichte "Times Higher Education World Reputation Ranking": Bereits zum sechsten Mal in Folge findet sich keine österreichische Hochschule unter den 100 angesehensten Universitäten. Zuletzt war die Uni Wien 2011 in den Top 100 vertreten. Das Ranking basiert auf Antworten von knapp 11.000 erfahrenen Wissenschaftern aus 137 Staaten, die in ihrem Forschungsfeld die besten Universitäten in den Bereichen Forschung und Lehre angeben sollten. Gemessen wird damit also das Prestige in der akademischen Welt.

Die zehn angesehensten Hochschulen finden sich laut Ranking ausschließlich im angloamerikanischen Raum. Ganz ähnlich wie beim QS Ranking platzieren sich hier hinter den Top drei Harvard, MIT und Stanford ex aequo die britischen Unis Cambridge und Oxford, gefolgt von Berkeley, Princeton, Yale und Chicago (alle USA).
Die angesehenste kontinentaleuropäische Uni ist auch hier die ETH Zürich auf Platz 22, allerdings bereits hinter der besten chinesischen Uni (Universität Peking auf Platz 17).

Für den Rektor der Uni Wien, Heinz Engl, zeigen die Ranking-Ergebnisse regelmäßig, wie notwendig eine Finanzierungsumstellung der Unis in Österreich wäre. "Der Universität Wien gelingt es immer noch, in vielen Bereichen mit den Top-Universitäten weltweit mitzuziehen", kommentiert Engl. Ein guter Indikator dafür seien die Förderpreise des Europäischen Forschungsrats (ERC). "Dies wird aber zunehmend schwierig, gerade in Gebieten wie der Mikro- und Molekularbiologie oder der Quantenphysik, in denen in anderen Ländern stark investiert wird. Die Politik hat die Chance zu handeln, sodass es gelingt, den internationalen Anschluss nicht zu verlieren."

Aufgerufen am 23.10.2018 um 11:06 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/weit-hinter-der-spitze-13004221

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