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Wenn die Stimme einfach versagt

Redeangst kann jeden treffen. Studien zufolge sind mindestens 40 Prozent der Menschen betroffen. Außer dem Selbstbewusstsein leidet auch der Job. Aber: Man kann etwas dagegen tun.

Wenn die Stimme einfach versagt SN/kasto-fotolia.com
Vor allem ein großes Publikum macht vielen zu schaffen. 

Weiche Knie vor dem Gespräch mit dem Chef? Herzrasen und Schwindelgefühl vor der Präsentation in der Firma? Wer unter Redeangst leidet, für den sind sämtliche Situationen, in denen man vor Publikum reden muss, ein Albtraum. Was dieses Problem für die Karriere bedeuten kann und wie man ihm am besten begegnet, verrät die Salzburger Kommunikationstrainerin Sigrid Sator.

SN: Woran merke ich, ob ich unter Redeangst leide?
Sator:Die Anzeichen für Redeangst sind individuell sehr unterschiedlich. Zu den häufigsten Symptomen in der Situation selbst gehören weiche Knie, Schweißausbrüche, Zittern, Schwindelgefühl, brüchige Stimme, Herzrasen oder Übelkeit. Viele spüren schon Tage vor ihrem Auftritt eine starke innere Anspannung, setzen sich unter Erfolgs- und Leistungsdruck und entwickeln große Angst vor Kritik und Ablehnung.

Kann man trotz Redeangstsymptomen einen guten Auftritt hinlegen?
Schwer! Redeangst blockiert, man verliert den Faden und meistens die Kontrolle über die Situation. Im Gegensatz dazu steht das Lampenfieber, das uns wacher macht und motivierend wirken kann. Deshalb: Ja sagen zum Lampenfieber - denn das kann vor einer Rede oder Präsentation den gewissen Kick geben. Nervös sein ist völlig normal!

Lampenfieber ist also kein, Redeangst aber sehr wohl ein Karrierekiller?
Ja, leider. Gut und sicher zu reden ist ein wichtiges Kriterium im Berufsleben und ein essenzieller Soft Skill bei Bewerbungsgesprächen. Jemand mit Redeangst flüchtet vor Situationen, in denen er sich präsentieren muss, erfindet Ausreden, lässt Kollegen vor. Das führt dazu, dass man die im Berufsleben so wichtige Kommunikation immer weiter hinunterschraubt, und das kann dann echte "Killer"-Folgen haben. Sprache ist unser Medium. Wenn ich diese Bühne verlasse, wie soll ich mich dann mitteilen?

Kann das dann eine regelrechte Angstspirale zur Folge haben?
Redeangst ist medizinisch definiert eine "normale soziale Angststörung". Wenn man gegen die Angststörung nichts tut, kann es sein, dass sie sich auch auf andere Bereiche auswirkt. Krass formuliert: Sie kann den Betroffenen ins soziale Schneckenhaus treiben, wenn er nichts dagegen unternimmt.

Das klingt nach Heilungschancen?
Ja. Redeangst ist meist eine erlernte Angst, von daher kann sie auch wieder verlernt werden. Man sollte nicht dagegen ankämpfen, sondern lernen, damit umzugehen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es gibt verschiedene Bewältigungsstrategien, die ich in meinem Buch vorstelle (siehe Kasten). Redeangst kann jeden treffen und in den meisten Fällen überwunden werden. Dazu muss man zunächst feststellen, wo die Angst sitzt und wie sie sich äußert: Sind es Emotionen, Gedanken, körperliche Symptome? Hilfreich ist es, schriftlich festzuhalten, wann wo was wie auftritt.

Wie sehen solche Bewältigungsstrategien aus?
Es gibt Übungen aus verschiedenen Bereichen wie u. a. dem kognitiven oder mentalen Training, dem sozialen Kompetenz- oder Konfrontationstraining, der Rhetorik, Körpersprache und Entspannung.

Haben Sie ein paar Tipps, die gegen Lampenfieber helfen können?
Erst einmal: Gute Vorbereitung ist das A und O. Ein paar Schritte auf der Bühne zu gehen kann das Adrenalin senken. Im Falle eines Blackouts sollte man sich ein paar Notfallsätze zurechtlegen, wie z. B. "Ich möchte noch einmal zusammenfassen" oder eine rhetorische Frage ans Publikum stellen, um Zeit und Boden zu gewinnen. Je nach Situation kann auch ein ehrliches "Jetzt hab ich den Faden verloren" passen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 13.11.2018 um 12:21 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/wenn-die-stimme-einfach-versagt-3069997

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