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"Wir sind gezwungen, über die Grenzen hinaus zu rekrutieren"

Ein neues EU-Projekt soll informelle Fähigkeiten von Saisonarbeitern erfassen und mit dem Anforderungsprofil von Arbeitgebern abgleichen. Das SMC Saalfelden ist in die Pläne eingebunden.

SMC-Geschäftsführer Wolfgang Schäffner weihte Dietmar Hufnagl (r., WK-Bezirksstellenleiter) in das neue Projekt ein. SN/rach
SMC-Geschäftsführer Wolfgang Schäffner weihte Dietmar Hufnagl (r., WK-Bezirksstellenleiter) in das neue Projekt ein.

Rund 400 Köche, Servicekräfte und Etagenkräfte wurden mit Stand voriger Woche nach wie vor im Pinzgau gesucht, sagt Dietmar Hufnagl, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer. "Um die Saisonspitzen im Wintertourismus abzudecken, sind wir gezwungen, über die Grenzen hinaus zu rekrutieren, im gesamten europäischen Raum", erklärt Hufnagl. Deshalb zeigt er sich auch besonders in ter essiert an einem neuen "Erasmus+"-Projekt der Europäischen Union. Das wird vom Studien- und Managementcenter (SMC) Saalfelden mitgetragen.

"Das Hauptziel des Projekts ,Valits' ist, jungen Saisonarbeitern zu helfen, den Zyklus von hoher Beschäftigung in der Hauptsaison und anschließender Arbeitslosigkeit zu durchbrechen", sagte SMC-Geschäftsführer Wolfgang Schäffner beim zweitägigen Kick-off-Meeting in Saalfelden. Dort waren vergangene Woche Vertreter aus vier weiteren Ländern anwesend. Die Arbeitsgruppe kommt neben Saalfelden aus Cala D'or (Mallorca, Spanien), Rzeszow (Polen), Sofia (Bulgarien) und Palermo (Italien). Es werde laut Schäffner ein ausgeklügeltes Testverfahren entwickelt, bei dem Soft Skills wie etwa Sprachkenntnisse, Organisationsfähigkeiten und persönliche Kompetenzen dokumentiert, bewertet und zertifiziert werden. "Qualifikationen sollen vergleichbar werden. Und zwar jene, die nicht schon mit einem Zeugnis bestätigt sind. Bildungslevels zu vergleichen, ist mit anderen Ländern sehr schwierig", sagt Schäffner. Außerdem soll als Karriereguide eine App entwickelt werden, die Empfehlungen für die ermittelten informellen Fähigkeiten abgibt. Und die App soll Arbeitssuchende und Arbeitgeber, deren Fähigkeits- bzw. Anforderungsprofile zusammenpassen, miteinander vernetzen. Drei Zielgruppen werden angesprochen: junge Saisonarbeiter, Unternehmer im Tourismus und Arbeitsämter diverser Länder.

Hufnagl sieht darin ein wesentliches Projekt für die Wirtschaft. Speziell, weil Qualifikationen international vergleichbar würden: "Das hilft der Tourismuswirtschaft bei der Bewerbung und dann bei der Beschäftigung von - vor allem jungen - Menschen. Es wäre ein großer Schritt, wenn sich Bewerber anschaulich präsentieren und ebenso einfach wie überschaubar mit dem Anforderungsprofil der Unternehmen ,matchen' können. Um zusätzliche Arbeitskräfte zu rekrutieren, wäre so ein Tool hilfreich, keine Frage."

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Schäffner: "Wir müssen jetzt eine Bedarfsanalyse machen, jedes Land macht Interviews mit entsprechenden Zielgruppen, um die wichtigsten Kompetenzen erst einmal herauszufiltern." Die Umsetzung läuft bis Ende November 2018.

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