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Wirtschaft, Deutsch, anerkannt: die Weiterbildungstrends 2016

Die Wirtschaftslage und Flüchtlingssituation haben auch Auswirkungen auf die Weiterbildung, sagen die drei großen Weiterbildner im Bundesland, Berufsförderungsinstitut (BFI), Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) und Volkshochschule (VHS). Gefragt ist zunehmend auch die formale Anerkennung der Bildung. Im Interview verraten WIFI-Leiterin Renate Woerle-Vélez Pardo, BFI-Direktor Werner Pichler und VHS-Direktor Günter Kotrba, wie die Trends in der Weiterbildung im Detail aussehen.

Wirtschaft, Deutsch, anerkannt: die Weiterbildungstrends 2016 SN/fotomek - Fotolia
Die drei großen Weiterbildner im Bundesland, Berufsförderungsinstitut (BFI), Wirtschaftsförderungs- institut (WIFI) und Volkshochschule (VHS) verraten die Trends in der Weiterbildung.

Lernen macht Spaß - 2015 stand aber vermehrt die berufliche Weiterbildung mit "handfesten" Themen bei vielen im Vordergrund: von der Buchhaltung bis Deutsch als Fremdsprache.

SN: Welche Bildungsangebote stehen derzeit hoch im Kurs?
Renate Woerle: Zuwächse gibt es vor allem in den Bereichen Betriebswirtschaft, Sprachen, Persönlichkeit und Berufsreifeprüfung sowie Lehre mit Matura, aber auch bei den Unternehmertrainings. Die akademischen Lehrgänge werden stark nachgefragt, insbesondere der MSc für Buchhalter. Beachtliche Steigerungen gab es zudem bei den Branchenkursen wie etwa bei den Kfz-Technikern, den Elektrotechnikern und den Kleidermachern. Im Detail verzeichnen wir bei den Sprachen das größte Wachstum bei Deutsch als Fremdsprache - so stark, dass neue Trainer ausgebildet werden müssen. In der Betriebswirtschaft sind Vertrieb, Verkauf und Kundenservice sehr gefragt. Es gibt eindeutig einen Trend zu umfangreichen Ausbildungen mit in der Wirtschaft anerkanntem Abschluss. Die Betriebe suchen Leute, die nachweislich praxisorientiert und wirtschaftsnah ausgebildet wurden und über sogenannte Schlüsselqualifikationen verfügen - also nicht nur fachlich on top sind, sondern auch sozial und kommunikativ kompetent sind.

Werner Pichler: Drei Angebotsbereiche stechen hier heraus. Zum Ersten die "Klassiker": Berufsreifeprüfung und Lehre mit Matura sind nach einem Rekordjahr stabil mit Anzeichen auf weiteres Wachstum. Außerdem Rechnungswesenkurse und Vorbereitungskurse auf den außerordentlichen Lehrabschluss vor allem im kaufmännischen Bereich. Zum Zweiten die sogenannten Spezialangebote: alle großen Angebote im Bereich Persönlichkeit/Training/soziale/beratende Berufe: vom Systemischen Coach über das Case-Management bis hin zum neuen Angebot Bildungs- und Berufscoach. Weiters hat sich die Schule für Medizinische Assistenzberufe etabliert. Zum Dritten die "Newcomer": Auch aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation gibt es eine massive Nachfrage nach Deutschkursen in allen Varianten, aber auch Kurse zum Einstieg ins österreichische Ausbildungssystem - Basisbildung und Pflichtschulabschlusskurse.

Günter Kotrba: Im Sprachenbereich ist Arabisch momentan der Renner. Die Kurse besuchen Personen, die ein berufliches oder familiäres Interesse haben, und auch Personen, die als Freiwillige in den Flüchtlingsquartieren tätig sind. Besonders nachgefragt sind auch Kurse unter dem Motto "Mein digitales Leben", zum Beispiel "Mein Handy und Ich" oder "Mein Tablet und Ich". Erfreulicherweise steigt auch die Nachfrage im Bereich Kreativität wieder. Dinge selbst machen und aus Alt mach Neu - Stichwort Nachhaltigkeit - sind hier die Renner. Der Bereich Bewegung, also Entspannung, Gymnastik und Fitness, ist nach wie vor ein Wachstumsbereich.

Wie sieht die Prognose für 2016 - und eventuell darüber hinaus - aus?
Pichler: Eine stabile Weiterentwicklung der beschriebenen Trends. Deutsch, Integration und die nationale Anerkennung von Abschlüssen dürften an Bedeutung weiter zunehmen, auch als Querschnittsthema und als Anforderung für das Unterrichtspersonal, Stichwort interkulturelle Kompetenz. Am Horizont erscheint außerdem bereits das Thema "Industrie 4.0", mittelfristig wird es aktuell, dann aber auf mehreren Ebenen, inhaltlich, didaktisch und nachhaltig.

Kotrba: Für 2016 gehen wir von einer leichten Steigerung in allen Bereichen aus. Deutsch wird weiter stark zunehmen. Im Frühjahr wird die Kooperationsveranstaltung mit dem Salzburg Museum zum Thema "Landesausstellung" in allen Bezirken zu einem Highlight.

Woerle: Die Themen der demografischen Entwicklung - weniger Junge für Fachkräfte-Karriere und stagnierende Erwerbsbevölkerung, Migration, Integration, Wertewandel, Digitalisierung - werden uns weiterhin stark beeinflussen. Wir richten unser Angebot auf diese Herausforderungen aus. Im Bereich zukünftiger Fachkräfte legt insbesondere unsere Lehrlingsakademie zu. Leistungen der Wirtschaftskammer für Lehrlinge, Lehrlingsausbilder und LAP-Prüfer im Bereich der Aus- und Weiterbildung werden zentral bei uns gebündelt. Ausgebaut wird das Angebot in den Bereichen Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung, Lehrlingsdiplom, Lehre mit Matura, Nachhilfe sowie firmeninterne Lehrlingsprogramme.

Stimmungslage in puncto Weiterbildung: Wie hat sich die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren an Ihrer Einrichtung insgesamt entwickelt?
Kotrba: Im letzten Halbjahr hatten wir eine Teilnehmersteigerung um drei Prozent im Standardbereich. Im Deutschbereich, vor allem durch den rasanten Anstieg der Kurse für Asylbewerber und Asylberechtigte, einen Anstieg um mehr als 70 Prozent von 2014 auf 2015.

Pichler: Insgesamt gab es einen leichten Teilnehmerrückgang und eine Verschiebung in Richtung öffentlich finanzierter Teilnahmen. Aus unserer Sicht gibt es ansonsten eine Fortschreibung der Tendenz der letzten Jahre: Zurückhaltung der Betriebe bei Weiterbildungsfinanzierung, Fokussierung der Privaten auf tatsächlich notwendige Ausbildungen bzw. solche mit konkret erwartbarem Nutzen, zum Beispiel Zeugnis oder Berufsberechtigung. Außerdem gibt es eine wachsende Bedeutung öffentlicher (Ko-)Finanzierung, etwa Lehre mit Matura oder Initiative Erwachsenenbildung. Berufstätige im mittleren und unteren Einkommenssegment müssen sich ganz genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

Woerle: Wir dürfen auf ein Rekordjahr zurückblicken - das erfolgreichste Jahr aller Zeiten. Wir verzeichneten ein Plus von 6,2 Prozent im Vergleich zu 2014. Die Rekordzahlen zeigen, dass wir mit unserem Bildungsangebot auf dem richtigen Weg sind: Den Salzburgern steht ein hochwertiges Aus- und Weiterbildungsangebot mit hohem Praxisbezug zur Verfügung und auch die Wirtschaft profitiert von gut ausgebildeten Fachkräften.

Darüber hinaus stehen alle Salzburger Weiterbildungseinrichtungen vor neuen Herausforderungen und Möglichkeiten. Am BFI stabilisiert sich derzeit die Lage - 2015 machte den Anfang, 2016 ist die Perspektive ebenfalls gut, sagt Direktor Werner Pichler: Eine Kombination aus "interner Restrukturierung, ,weichen' Personalmaßnahmen und Umsatzabsicherung" führe zum Erfolg.

Günter Kotrba von der VHS beschäftigt vor allem die Flüchtlingsthematik. "Die VHS organisiert in allen Asylquartieren die Deutschkurse." Der Bedarf werde 2016 weiter steigen und daher eine "Megaherausforderung für die VHS" bleiben. Die neu eingeführte "Wissenscard" (eine Karte für zwölf Vorträge) werde außerdem gut angenommen und führe zu einer Steigerung im Bereich Allgemeinbildung.

Am WIFI stehen die Zeichen schon seit Längerem auf Umbau: Nach einer Rundumerneuerung des Bauteils A werden nun die Werkstätten im Bauteil B sukzessive modernisiert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. "Insgesamt stehen unseren Kursteilnehmern 11.000 Quadratmeter Schulungsflächen zur Verfügung", freut sich Renate Woerle.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 06:57 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/wirtschaft-deutsch-anerkannt-die-weiterbildungstrends-2016-1108951

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