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Zufriedenheit macht stark

In Österreich leben sehr viele zufriedene Mitarbeiter. Passen die Verhältnisse aber nicht, sind die Fachkräfte auch ganz schnell weg.

 SN/Dan Kosmayer - Fotolia

Im Jahr 2018 werden weltweit 192 Millionen ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen. Die Zufriedenheit eines Arbeitnehmers spielt dabei eine große Rolle, denn unzufriedene Mitarbeiter sind besonders leicht abzuwerben. Die jüngste Studie des Beratungsunternehmens Universum zeigt auf, in welchen Ländern Angestellte besonders glücklich sind. Österreich befindet sich im weltweiten Ranking auf Platz 5, in der Fertigungs- und Automobilindustrie sowie in der Management- und Strategieberatung sind die Angestellten besonders glücklich. In der bisher größten Studie über zufriedene und loyale Mitarbeiter wurden mehr als 202.358 Young Professionals (Fachkräfte mit akademischer Ausbildung, die maximal 40 Jahre alt sind und ein bis acht Jahre Arbeitserfahrung nach Studienabschluss haben) aus 57 Ländern befragt.

Glückliche Mitarbeiter sind nicht nur ein ehrenwertes Ziel für engagierte Unternehmen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnt es sich, in die Zufriedenheit zu investieren. "Glückliche Mitarbeiter sind loyaler, reduzieren die Fluktuation und somit die Kosten der Rekrutierung neuer Angestellter", erklärt Leo Marty, Geschäftsführer von Universum Schweiz & Österreich, "außerdem empfehlen glückliche Mitarbeiter ihren Arbeitgeber weiter und werben aktiv neue Angestellte an, die gut zur Unternehmenskultur passen." Unzufriedene hingegen sind besonders leicht abzuwerben.

Der "Global Workforce Happiness Index" setzt sich zusammen aus der Zufriedenheit eines Mitarbeiters, seiner Bereitschaft, den aktuellen Arbeitgeber weiterzuempfehlen, und der Wahrscheinlichkeit, den Job in naher Zukunft zu wechseln.

Neben Österreich dominieren nordische Länder die Top Ten
Dänemarks Fachkräfte führen die Liste der weltweit glücklichsten Arbeitnehmer an, Norwegen rangiert auf Rang zwei und Schweden auf Rang vier. Dazwischen besetzt Costa Rica den dritten Platz der glücklichsten und loyalsten Arbeitnehmer. Österreich befindet sich mit dem fünften Platz weit vor Deutschland, das auf Rang elf liegt. Die Schweiz belegt den zwölften Platz. Dazwischen repräsentiert Ungarn mit Rang neun die glücklichsten Arbeitnehmer in Osteuropa, gefolgt von der Tschechischen Republik auf Rang zehn. Mexiko führt mit Platz 13 den amerikanischen Kontinent an und Singapur, weltweit auf Platz 17, hat die glücklichsten Arbeitskräfte in Asien. Kolumbien auf Rang 19 führt die Rangliste in Südamerika an, dicht gefolgt von Brasilien auf Platz 20.

Der "Happiness Quadrant"
Der sogenannte Happiness Quadrant zeigt auf, in welchen Kombinationen die drei Einflussfaktoren auftreten. Er besteht aus vier Profilen, die in den verschiedenen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Die "Gestrandeten" sind unzufrieden mit ihrem aktuellen Job, aber unmotiviert, den Job zu wechseln, oft wegen makroökonomischen Umständen, wie beispielsweise einer hohen Arbeitslosenquote. "Suchende" sind unzufriedene Angestellte, die aktiv nach einer Veränderung streben und oft schon mit einem Fuß in der Türe stehen. Sie identifizieren sich nicht mehr mit ihrem Arbeitgeber und empfehlen diesen ihren Freunden nicht weiter. Dringende Aufmerksamkeit sollten Arbeitgeber den "Ruhelosen" geben, denn sie sind zwar zufrieden in ihrem Job und auch gewillt, ihren Arbeitgeber weiterzuempfehlen. Jedoch sind sie nicht besonders loyal und offen dafür, die Stelle zu wechseln. Viele von Österreichs Arbeitnehmern zählen vorwiegend zu den "Erfüllten". Diese sind momentan nicht an einem Arbeitgeberwechsel interessiert.

Die Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeiter hängt aber nicht nur vom Unternehmen ab, in dem sie arbeiten. Auch gesamtwirtschaftliche oder rechtliche Faktoren haben einen Einfluss darauf. Zudem gelten in den Ländern unterschiedliche Standards, beispielsweise was die Mindestdauer einer Anstellung angeht. Daher lassen sich auch in der DACH-Region Unterschiede feststellen. Die Österreicher sind die glücklichsten Angestellten und liegen damit sechs Plätze vor Deutschland. "Deutschland hat als Wirtschaftsnation einen kompetitiveren Arbeitsmarkt als die anderen DACH-Länder. Zudem ist die Arbeitslosenquote um einiges höher als in der Schweiz. Dieser Druck wirkt sich auf die Zufriedenheit der Fachkräfte aus", erklärt Marty.

Männer und Frauen sind nicht überall gleich glücklich
In Österreich sind männliche und weibliche Arbeitnehmer ähnlich glücklich (Rang acht bei den Männer, Rang vier bei den Frauen), während es in anderen Ländern teilweise große Unterschiede gibt. In China (Rang 38 Frauen, Rang 21 Männer), Katar (Rang 53 Frauen, Rang 36 Männer), der Türkei (Rang 41 Frauen, Rang 29 Männer) sind männliche Young Professionals viel glücklicher im Job als weibliche. In Irland (Rang 43 Männer, Rang 27 Frauen), Russland (Rang 38 Männer, Rang 24 Frauen), dem Libanon (Rang 49 Männer, Rang 35 Frauen) und Ägypten (Rang 56 Männer, Rang 42 Frauen) sind weibliche Fachkräfte glücklicher.

Wie zufrieden die Angestellten sind, hängt auch mit der Branche zusammen, in der sie tätig sind. Besonders glücklich sind österreichische Mitarbeiter der Fertigungs- und Automobilindustrie. Zufrieden und in den Top Ten sind auch Mitarbeiter von IT-Software- und Computerservicefirmen. "Die technischen Fachkräfte sind sehr gefragt, somit wird vermehrt auf deren Wohlbefinden geachtet und in die Zufriedenheit der Mitarbeiter investiert", erklärt Marty, "eine Investition, die sich angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels lohnt."

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.09.2018 um 05:40 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/zufriedenheit-macht-stark-584224

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