Zur neuen Rubrik "SNin": Die Wortkreation baut auf einer langen Tradition

Die "Salzburger Nachrichten" setzen künftig noch mehr auf Frauen-Themen. Wir starten mit dem Weltfrauentag am 8. März die neue Rubrik "SNin". Nur auf den ersten Blick schaut das nach konsequentem Gendern aus. Für den Sprachwissenschafter Scheutz ist es eine "originelle Neubildung".

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Standpunkt Daniele Pabinger

In Wahrheit hat die Nachsilbe "in" bei Namen eine lange Tradition. Die weibliche Form war über Jahrhunderte verbreitet, zum Beispiel Zaunerin, Maierin, Gruberin, etc. Diese Form ist weitgehend abgekommen, hat sich aber im Dialekt und in der Umgangssprache erhalten. Da wird die eine oder andere dann schon mit ihrem Nachnamen und dem hintangestellten "-in" angesprochen - bzw. über sie so geredet. Das ist vor allem auf dem Land noch so. Bei Bäuerinnen wird dafür oft auch der Hofname verwendet, mit dem dazugestellten "die junge ..." oder "die alte ..." können dann noch auch noch Altbäuerin und Bäuerin unterschieden werden.

Das "-in" an den Namen anzuhängen, sei lang als weibliche Form verbreitet gewesen. Das bestätigt der Salzburger Sprachwissenschafter und Dialektforscher Hannes Scheutz. Er nennt als Beispiel die Mutter von Leopold Mozart, Anna Maria Mozart (1720-1778), die die "Mozartin" genannt wurde.

In historischen Zeitungen finden sich viele Belege für diese weibliche Namensform: In der "Wiener Zeitung" aus 1746 beispielsweise ist über das Ableben der Anna Zaunerin "vor der Stadt" zu lesen: Sie war Witwe und 63 Jahre alt. In der "Salzburger Wacht" 1918 findet sich eine Erzählung über die Huberin, "die eine fast vollkommene Person war, wenigstens als Zimmerfrau ...". Und im Dezember 1707 meldet die "Wiener Zeitung" die Verehelichung des Kutschers Paul Leittner mit Sabina Bichlerin.

Wir haben uns das "SNin" mit Sprachwissenschaftler Scheutz genauer angeschaut. Er sagt: "Grundsätzlich steht das Suffix '-in' für die weibliche Form. Aber auch wenn diese Nachsilbe angehängt wird, ist es eine Ableitung von der männlichen Form, die für die Frau verwendet wird. Das gefällt dem Extremfeminismus nicht." Das "-in" bezeichnet der Dialektforscher aus diesem Grund auch als Zugehörigkeitssuffix, das die Verbindung zwischen Mann und Frau ausdrücke. "Wenn man den Pabinger heiratet, ist man die Pabingerin. Das war schon ein bisschen despektierlich." Heute werde die weibliche Form des Familiennamens eigentlich nur mehr mit Augenzwinkern verwendet.

Zurück zur "SNin": Hannes Scheutz spricht von einem "Eigennamen-Kürzel, einer originellen Neubildung, einer Wortkreation. "Im Kern ist die neue Rubrik aber einfach die Ableitung einer weiblichen Form". Scherzend fügt er hinzu: "Gibt's auch einen ,SNer'?"

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