Die Stehsätze um Olympia müssen ein Ende haben

Innovationen braucht das Sportland Österreich, um bei Olympia bestehen zu können. Althergebrachte Formeln trösten nicht.

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Sport | Fußball, Eishockey, Skifahren und Co. Richard Oberndorfer

Noch vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in London drängte der damalige Sportminister Norbert Darabos nach der Medaillen-Nullnummer auf ein neues Fördersystem und das Überdenken der Sportstrukturen in Österreich. Jetzt gelte es gezielt auf Rio 2016 hinzuarbeiten, so Darabos damals. Spiele ohne rot-weiß-rote Medaillen und mit Olympiatouristen im Team dürfe es nicht mehr geben. Und vergesst bitte nicht die tägliche Turnstunde.

In Rio wurden diese Stehsätze erneut hervorgekramt. Fast alle. Wir freuen uns zwar über die großartige Bronzemedaille von Thomas Zajac/Tanja Frank im Segeln - mehr werden es aber 2016 auch nicht mehr werden. Und wir sind nicht überrascht über die Worte des neuen Sportministers Hans Peter Doskozil und des Rio-Koordinators Peter Schröcksnadel ("Drei bis fünf Medaillen"), die das Rio-Projekt zwar nicht als gescheitert ansehen, aber Unbearbeitetes und Nichtbewältigtes erneut anprangerten.

Der erste Fehler wurde bereits in London gemacht: Der Fokus auf Rio vier Jahre später war unausgegoren, fast blauäugig. Das Team Großbritannien brauchte für das Projekt Gold im eigenen Land 2012 zehn Jahre Vorbereitungszeit. Jetzt wird es für Erfolge in Tokio 2020 schon knapp, weil Strukturen und das Fördersystem einmal mehr überdacht werden.

So zeigte sich der neue Sportminister überrascht, dass nur 40 Prozent der Fördergelder an der Basis im Spitzensport ankommen. Stichwort Gießkannenprinzip, zu viel geht verloren. Eine zentrale Stelle, vorstellbar ist eine Kapitalgesellschaft, soll eingerichtet werden. Das Gebot der Stunde ist aber: Weg mit den politisch gewachsenen Proporzstrukturen im Spitzensport. Begehrlichkeiten müssen nicht politisch korrekt und ausgeglichen sein. Diese Forderung gibt es übrigens seit Jahrzehnten, es ist der nächste Versuch eines Sportministers, wenn er meint: "Politik hat im Sport nichts verloren."

Die Aussage des ÖOC-Präsidenten Karl Stoss, sich auf weniger Sportarten mit Erfolgschancen zu konzentrieren, ist wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Noch weniger? In welchen Sportarten außer Segeln oder Judo sind wir in Österreich bei Olympia noch wettbewerbsfähig? Wo sind die Leichtathleten, die Schwimmer, die Turner? Es gibt in Ungarn (13 Medaillen) und in der Schweiz (5 Medaillen) nicht mehr Talente als bei uns. Aber ein System, das von der Jugend an schon professionell mit Strukturen, Förderungen und Betreuern auf den Weg gebracht wird. Dann kann Olympia kommen. Wann auch immer.

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