Eishockey

Eishockey: "Die Liga ist so stark wie nie"

Christian Perthaler hat alle Höhen und Tiefen des heimischen Eishockeys miterlebt. Der Manager der Black Wings Linz spricht über die Play-offs, die Legionärsflut und Nachwuchssorgen.

Es ist eine Serie, die auf allerhöchstem Niveau steht: Red Bull Salzburg und die Black Wings Linz treffen am heutigen Karsamstag in Linz bereits zum vierten Mal seit Sonntag aufeinander. Salzburg führt in der Serie 2:1 und hatte am Donnerstag in Spiel drei erstmals ein signifikantes Übergewicht in einem Spiel. "Unser Schlüssel ist das Tempo, das müssen und das wollen wir hoch halten", sagt Salzburg-Trainer Greg Poss vor dem vierten Spiel, das bei einem Salzburger Sieg schon eine kleine Vorentscheidung bringen würde - oder bei einem Linzer Sieg eben einen Neustart in der Serie. Auf den hofft natürlich Linz-Manager Christian Perthaler. Die SN baten die Eishockey-Legende, die im Juni 50 Jahre alt wird, zum Interview.

Die Liga geht in die entscheidende Phase - wie gefällt sie Ihnen denn heuer? Christian Perthaler: Jetzt ist die schönste Zeit des Jahres, die es für einen Eishockey-Fan gibt, und die Play-off-Serien sind heuer extrem ausgeglichen. Aber das war heuer schon die ganze Saison so, jeder kann jeden schlagen. Bozen hat sich etwa erst in der letzten Runde qualifiziert, steht jetzt im Halbfinale und führt gegen Wien. Das zeigt doch, wie stark die Liga ist, wahrscheinlich so stark wie nie.

Aber das wurde erkauft mit einer Flut an Legionären - wie stehen Sie zur Punkteregel? Genau diese oft kritisierte Punkteregel garantiert doch, dass wir diese starke und ausgeglichene Liga haben. Ohne Punkteregel würden zwei, drei Clubs alles zusammenkaufen und dominieren. Aber da hat wahrscheinlich jeder der zwölf Manager der zwölf Teams eine andere Meinung.

Das heißt aber auch, dass die jungen, heimischen Spieler auf der Strecke bleiben? Nein, das heißt es nicht. Wir brauchen eine starke zweite Liga, in der sich die jungen Spieler entwickeln können und dann den Sprung in die erste Liga schaffen. Genau so hat man es auch in Deutschland gemacht, dort funktioniert die zweite Liga. Nehmen wir Linz: Wir haben einen Pool an jungen Spielern, aber ich kann maximal ein bis zwei pro Jahr einbauen, ansonsten könnten wir uns in der Tabelle nicht dort bewegen, wo wir uns derzeit bewegen. Natürlich wäre es ein Traum, wenn wir nur mehr mit fünf Legionären pro Team spielen würden. Aber da brauchen wir erst eine breite Basis an Nachwuchsspielern.

Aber wie nachhaltig ist es denn, wenn Dornbirn und Innsbruck mit zwölf, dreizehn Legionären spielen? Wenn man Dornbirn und Innsbruck die Legionäre wegnehmen würde, könnten sie nicht in der Liga spielen. Aber seien wir doch froh, dass wir Dornbirn und Innsbruck haben. Ich habe als Spieler in einer Vierer-Liga gespielt, dies ist das Ärgste für Spieler und Fans, das war grauenhaft. So eine Liga will ich nicht mehr erleben.

Im Unterschied zu den anderen drei Topclubs aus Wien, Salzburg und Klagenfurt haben die Black Wings keinen Mäzen, der die Kassen füllt. Wie neidisch sind Sie da? Gar nicht, denn wir sind von keinem einzelnen Großsponsor abhängig. Wir haben mittlerweile so viele Sponsoren, dass ich mich fragen muss: Wo bringe ich den noch in der Halle, an der Bande oder auf dem Trikot unter? Dazu haben wir unsere Fans. Im ersten Semifinale haben uns 1000 Fans nach Salzburg begleitet und positive Stimmung gemacht. Am nächsten Tag haben mich Manager aus Deutschland angerufen und gesagt: Das haben sie noch nicht erlebt im Eishockey.

Was trauen Sie denn dem Nationalteam bei der WM im Mai zu? Wir haben leider wie üblich eine ganz schwere Gruppe erwischt. Aber dennoch traue ich den Jungs zu, dass sie den Klassenerhalt schaffen. Das wäre wichtig für das ganze Eishockey in Österreich, denn wir sitzen ja alle im gleichen Boot.


Zur Person Christian Perthaler
Der 49-jährige Tiroler spielte bis zu seinem 40. Lebensjahr Eishockey, u. a. in Innsbruck, Zell am See, beim KAC und zuletzt in Linz, wo er 2008 vom Spieler zum Club-Manager geworden ist.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 04:11 auf https://www.sn.at/sport/eishockey/eishockey-die-liga-ist-so-stark-wie-nie-26070016

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