Eishockey-WM

1:9 gegen Schweden - weltmeisterliche Lehrstunde für Österreich

Österreich schlitterte bei der Eishockey-WM in ein so längst nicht mehr für möglich gehaltenes 1:9-Debakel gegen Titelverteidiger Schweden.

Den Schweden fiel das Toreschießen leicht. SN/APA (AFP)/VLADIMIR SIMICEK
Den Schweden fiel das Toreschießen leicht.

Eines musste man den Österreichern bei den letzten WM-Auftritten im Eishockey zugutehalten: Auch gegen Favoriten wie Russland oder Kanada war man zwar unterlegen, aber längst kein Schlachtopfer mehr. Bis Donnerstag: Gegen den amtierenden Weltmeister Schweden gab es beim 1:9 eine weltmeisterliche Lehrstunde − vor allem in den ersten 20 Minuten. Danach hieß es 5:0 für den schwedischen NHL-Powerblock (21 der 22 Spieler, die am Eis waren, verdienen ihr Geld in dieser Liga), der in dieser Phase 68:32 Prozent Puckbesitz hatte.

Indirekt war man an einem kleinen Stück WM-Geschichte mitbeteiligt: Noch nie war ein Team bei einer WM so schnell 4:0 voran wie die Nordländer in diesem Spiel, sie benötigten nur 7:32 Minuten für diesen Vorsprung gegen Österreicher, die einen rabenschwarzen Tag und einen indisponierten Bernd Starkbaum im Tor hatten. Wenigstens traf Michael Raffl nach 172 torlosen Minuten wieder für Österreich. Er suchte das Positive. "Wenn man nach drei Minuten 0:3 und nach dem ersten Drittel 0:5 hinten ist, dann ist alles gesagt. Dann haben wir wenigstens Moral gezeigt und gekämpft, denn so ein Spiel kann auch noch ganz anders ausgehen."

Dennoch muss Österreichs Team diesen Albtraum sofort aus den Köpfen bekommen, denn bereits am Freitag (16.15) geht man erstmals nicht als Außenseiter in ein WM-Match. Nach vier teils sehr herben Niederlagen wies Norwegens Teamchef Petter Thoresen (Vater des Ex-Salzburgers Patrick Thoresen, der ebenfalls dabei ist) den Österreichern hier die Favoritenrolle zu. Das sieht auch Sondre Olden so, der heuer bei den Vienna Capitals eine ganz starke Saison gespielt hat. "Wir können verlieren, aber nicht so, wie wir gegen Schweden verloren haben."

"Im Endeffekt stehen beide Mannschaften dort, wo es vor dem Turnier zu erwarten war", meinte Österreichs Kapitän Thomas Raffl. Gegen Norwegen und Italien (Montag) geht es jetzt um den Klassenerhalt. "Folglich hat sich an der Ausgangslage nichts geändert", meinte Teamchef Roger Bader, der in dem Schlüsselspiel seinen Nummer-1-Keeper David Kickert zum Einsatz bringen wird. Den Norwegern fehlt dagegen ihre Nummer 1: Lars Haugen, heuer Meister mit dem KAC, blieb bei seiner Familie in Oslo. Ganz ohne Wehmut denkt man im Verband an das letzte Spiel gegen Norwegen: Bei Olympia in Sotschi 2014 siegte man 3:1, dem Spiel folgte eine schlagzeilenträchtige Skandalnacht mit reichlich Alkohol.

Schweden - Österreich 9:1 (5:0,2:0,2:1). Bratislava, Ondrej Nepela Arena, 8.386 Zuschauer. Tore: Landeskog (2.), Kruger (3.), Nylander (6.), Larsson (8.), A. Kempe (15.), Rasmussen (30./SH), Lindholm (34.), Ekman-Larsson (43./PP), E. Pettersson (45.) bzw. M. Raffl (48.). Strafminuten: 8 bzw. 10.

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