Eishockey-WM

Eishockey: In nur 20 Stunden zurück in der Realität

Gut gespielt, nichts gewonnen: Die WM-Auftakt-Niederlagen gegen Lettland (2:5) und Russland (0:5) zeigten Stärken wie Schwächen auf.

Für Russlands Topstars war es ein gemütlicher Sonntag, Österreichs Keeper Bernd Starkbaum bekam viel Arbeit. SN/gepa pictures
Für Russlands Topstars war es ein gemütlicher Sonntag, Österreichs Keeper Bernd Starkbaum bekam viel Arbeit.

Wenn man mit dem Gegner während des Spiels scherzt, dann kann das im besten Fall auf ein amikales Verhältnis hindeuten, im schlechtesten Fall darauf, dass man nicht ganz ernst genommen wird. Russlands Eishockey-Superstar Alexander Owetschkin tröstete am Sonntag etwa seinen österreichischen Gegenspieler Fabio Hofer nach einem Fehlpass mit den Worten: "Das Eis ist heute wieder schlecht", und grinste dabei.

Klar: Für Österreichs Team war das mit 0:5 verlorene Duell gegen die russischen Topstars ein Vergleich mit einer anderen Welt, bei dem man aber 30 Minuten lang sogar gut ausgesehen hat. Da stand es "nur" 0:1, man hatte durch Peter Schneider und Steven Strong (sein Schuss wurde von Keeper Alexander Georgiew auf die Querlatte abgewehrt) Topchancen auf den Ausgleich und war richtig gut im Spiel. Aber genau wie am Vortag gegen Lettland (1:1 nach zwei Dritteln, 2:5 am Ende) schlichen sich mit Fortdauer des Spiels dann doch die entscheidenden Fehler ein. Weil man läuferisch eine Spur zu schwach ist, kommt man zu oft zu spät, das zehrt erst an den Kräften, dann an der Konzentration. Die Folge: Österreich kassierte in den ersten beiden Partien 23 Strafminuten plus eine Spieldauer-Disziplinarstrafe - Patrick Peter wurde für seinen überflüssigen Check gegen den Kopf in der Anfangsphase gegen Lettland sogar für ein Spiel gesperrt.

"Auf der Bank kannst du kein Spiel gewinnen", meinte danach ein richtig verärgerter Michael Raffl. "Ewig der Scheibe nachlaufen kostet den Special Teams wahnsinnig viel Kraft und die anderen Spieler sitzen zehn Minuten draußen." Das alles zeigt die Schwächen im heimischen Eishockey auf und folglich waren die ersten zwei WM-Spiele in Bratislava eine Rückkehr in die Realität in nur 20 Stunden.

Dennoch: Es war nicht alles schlecht an diesem ersten Wochenende. "Wenn es nach 40 Minuten 1:1 steht und man die Topchance auf das 2:1 hat, dann rechnet man sich schon etwas aus", meinte Teamchef Roger Bader zum Lettland-Spiel und sprach damit die Chance von Konstantin Komarek an. Dazu kamen starke Keeperleistungen (Starkbaum gegen Russland, Kickert gegen Lettland) und sehenswerte Offensivspielzüge. Warum hat es dann nicht mit einer Überraschung geklappt? "Wie sieht unser Liga-Alltag aus? Man nimmt einen Pass an, wartet, schaut, entscheidet. Wie haben hier die Russen und Letten die Tore gegen uns gemacht? Sie haben sofort geschossen, das ist der Unterschied auf diesem Niveau, darum kriegen wir es noch nicht hin, dass wir Punkte mitnehmen", meinte Teamchef Bader.

WM-reif erwiesen sich am ersten Wochenende die vielen österreichischen Fans, die hier fast glauben lassen, Österreich sei eine Eishockey-Großmacht.

Aufgerufen am 20.08.2019 um 02:57 auf https://www.sn.at/sport/eishockey/eishockey-wm-eishockey-in-nur-20-stunden-zurueck-in-der-realitaet-70135804

Kommentare

Schlagzeilen