Eishockey

Julia Kainberger: Schiedsrichterin allein unter Männern

Die Zellerin Julia Kainberger ist die einzige Frau Österreichs, die Eishockeyspiele leitet. Den Respekt hat sie sich hart erarbeitet.

Als "Linesman" taucht sie regelmäßig in den Spielberichten der Alps Hockey League (AHL) auf. "Über den Begriff hat sich wohl noch niemand Gedanken gemacht", sagt Julia Kainberger und lacht. Die 24-Jährige verfolgt eisern ein Hobby, vor dem viele zurückschrecken. Speziell Frauen. Doch die Zellerin ist es gewohnt, sich unter Männern zu behaupten. Von klein auf hat sie mit den Nachbarburschen auf der Straße Hockey gespielt, der Vater eines Kindes war im Trainerteam des EKZ. So führte der Weg in die Eisbärenarena - und Kainberger biss sich gemeinsam mit Sophia Volgger und Anna Meixner durch sämtliche Nachwuchsmannschaften.

Weiter ging es für die Nationalteamspielerin als Verteidigerin bei den Salzburg Eagles in der Elite Women's Hockey League. Wenn es sich zeitlich ausgeht, tauscht sie nach wie vor die Pfeife gegen den Schläger, doch prinzipiell wurde ihr die Kulisse zu klein. "Ich bin ganz einfach zu einem Punkt gekommen, an dem ich mir gedacht habe, im Eishockey aktiv die große Bühne sehen zu wollen. Als Schiedsrichterin habe ich eine Chance gefunden", sagt die Studentin (Biologie und Geografie auf Lehramt in Salzburg). Vor fünf Jahren belegte sie die ersten Schiedsrichterkurse, mittlerweile ist sie als "Offizielle" bei über 100 Spielen pro Saison dabei. Nachwuchspartien leitet die Pinzgauerin als Hauptschiedsrichterin, ansonsten ist sie in besagtem "Linesman"-Kader.

Mit ihrer internationalen Lizenz ging es im April zur A-WM der Frauen nach Finnland, für jene 2020 in Kanada wurde Kainberger bereits nominiert. Die Ambitionen? Die sind groß: "Die Finalspiele will ich nicht wie beim letzten Mal von der Tribüne aus sehen." Bei der U-18-Damen-WM war sie 2018 bereits in einem Spiel um Gold dabei.

"Es gibt einen Vier-Jahres-Zyklus, in dem ich momentan als Linienrichterin vorgesehen bin. Das Ziel sind die Olympischen Spiele 2022 in Peking." Danach könne sie sich gut vorstellen, Hauptschiedsrichterin zu werden. "Ich bin ohnehin noch relativ jung. Die meisten Hauptschiedsrichter sind über 30."

Aktuell geht es in der AHL zwischen Wien und Cortina weit umher: Auch bei mehreren Spielen des EK Zell stand sie schon mitdirigierend auf dem Eis und schlichtete, wenn's heiß wurde.

Als einzige österreichische Schiedsrichterin galt es, sich selbstbewusst zu behaupten, erzählt Kainberger. "Am Anfang haben die Spieler schon einmal schief geschaut. Ich habe mir den Respekt wohl doppelt so hart erarbeiten müssen wie männliche Kollegen. Aber ich habe das alles gelassen genommen. Es ist mir gelungen."

Ein "gesundes" Selbstvertrauen, Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Konsequenz in der Regelauslegung sowie ein Höchstmaß an Konzentration beim schnellsten Mannschaftssport der Welt - all das müsse ein Eishockeyschiedsrichter mitbringen. "Und natürlich gilt es Ruhe zu bewahren, wenn die Emotionen hochkochen. Das ist im Eishockey ja immer wieder der Fall, speziell bei Derbys."

Leider würde der Unmut der Fans, wenn es für ihre Mannschaft nicht wie gewünscht laufe, hin und wieder auf dem Rücken der Schiedsrichter ausgetragen. Kainberger: "Ich kann aber mit gutem Gewissen sagen, dass wir Schiedsrichter alles dafür geben, um das Spiel schnell, sicher und fair zu gestalten - und dabei selbst am besten unauffällig sind."

Ein Fernziel sei, einmal Spiele in der EBEL zu leiten von Teams wie Red Bull Salzburg, den Vienna Capitals oder dem KAC. Dafür wird standhaft trainiert, in der Kraftkammer genauso wie auf dem Rad oder in den Laufschuhen. "Ich will im Vergleich mit den Männern bei den Leistungs- und Regeltests nicht abfallen", sagt Kainberger. Dass sie als Eishockeyschiedsrichterin in Österreich ein Alleinstellungsmerkmal hat, sei "etwas Besonderes", Zuwachs unter den weiblichen Referees würde sie aber begrüßen. "Es gibt generell einen Schiedsrichtermangel, dem wir unbedingt entgegenwirken müssen."

Quelle: SN

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