Eishockey

Red Bull Salzburg: Der Eishockey-Meister befindet sich im freien Fall

EBEL-Champion Red Bull Salzburg ging in Innsbruck 0:7 unter - und im Team bemühen sich alle, dies als sportlich bedingte Krise hinzustellen.

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Wieder drin: Innsbruck jubelt, Salzburg hadert.

0:4 in Wien, 0:7 in Innsbruck - die sportliche Talfahrt bei Eishockey-Meister Red Bull Salzburg gewinnt in diesen Tagen an Tempo. In diesem Zusammenhang ist ein Zitat von Bozen-Trainer Tom Pokel interessant: "Salzburg ist auch heuer die mit Abstand beste Mannschaft. Salzburg kann sich nur selbst schlagen - wenn es zwischen Mannschaft und Trainer nicht passt." Getätigt hat er diese Aussage beim Medientag der Liga Mitte August in Salzburg.

War das nur so dahingesagt oder steckt da Weitsicht dahinter? Nun ja, wenn man mit den Spielern spricht, dann könnte man sehr wohl den Eindruck bekommen, dass es zwischen Team und Trainer nicht stimmt. Einige Spieler beklagen, dass sie auf falschen Positionen eingesetzt werden - aber: Wenn man 0:7 untergeht, ist man als Spieler gut be raten, nicht auf Trainer, Zeugwart oder Manager zu zeigen, sondern zuerst auf sich selbst.

Im Club ist man bemüht, die jüngsten Niederlagen auf eine sportliche Krise zu reduzieren. "Dass die Spieler frustriert sind, wenn sie in Innsbruck 0:7 verlieren, ist klar, dass der Trainer sauer ist nach den jüngsten Niederlagen, ist auch klar. Aber es ist völliger Blödsinn, dass es zwischen Trainer und Team Probleme gibt", sagt Manager Stefan Wagner, der das wissen sollte: "Immerhin bin ich ja jeden Tag in der Kabine dabei."

Trainer Greg Poss war am Tag nach der Klatsche schon sehr gefasst. "Wir sind gemeinsam in diese Situation gekommen, wir müssen gemeinsam da hinausfinden." Glaubt er daran, dass die Mannschaft noch bedingungslos mit ihm mitzieht? "Ja, das weiß ich. Ich war auch mit der kämpferischen Leistung am Mittwoch zufrieden, aber wir machen zu viele und zu einfache Fehler und nehmen zu viele Strafen."

Weiter geht es am heutigen Freitag - und da gastiert jenes Team im Volksgarten, das man in der derzeitigen Form so dringend braucht wie einen Brandstifter am trockenen Heuwagen: Trainerfuchs Tom Pokel gastiert mit seinem unberechenbaren Bozner Eishockey-Zirkus. Die starteten auch heuer traditionell schwach, ehe im Oktober eine der schillerndsten Figuren kam, die es in der Legionärswelt gibt: Glen Metropolit. Der mittlerweile 42-jährige Kanadier sollte heute allein schon das Eintrittsgeld wert sein. Er spielte von 1999 bis 2010 NHL, 2010 stand er noch mit den Mont real Canadiens im Stanley-Cup-Play-off. Danach verschlug es ihn sechs Jahre in die Schweiz und nach Deutschland und er führte Team Canada sogar als Kapitän zum Spengler Cup.

Noch spektakulärer ist seine Lebensgeschichte: In einem von Drogen und Kriminalität durchsetzten Stadtviertel in Toronto wächst er auf, seinen Vater, einen Hells Angel, lernt er nie kennen. Sein Bruder Troy landet als Entführer hinter Gittern, wo er einen Mithäftling tötet. Für Glen Metropolit wird Eishockey zum einzigen Ausweg aus einem scheinbar hoffnungslosen Leben - wie banal nehmen sich da die Luxusprobleme von Meister Salzburg aus.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 10:16 auf https://www.sn.at/sport/eishockey/red-bull-salzburg-der-eishockey-meister-befindet-sich-im-freien-fall-815947

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