Formel 1

Baku, die Zweite - Vettel will WM-Führung verteidigen

Nach starker Premiere gastiert die Formel 1 kommendes Wochenende zum zweiten Mal in Baku. Die Hauptstadt Aserbaidschans lieferte 2016 einen starken Einstand, auch diesmal ist das Kaukasus-Rennen in der "Stadt der Winde" das letzte vor jenem in Österreich. WM-Leader Sebastian Vettel hat am Sonntag (15.00 Uhr MESZ, live ORF 1, RTL, Sky) vorrangig ein Ziel, nämlich seine WM-Führung zu behalten.

Vettel will auch in Aserbaidschan Ÿberzeugen.  SN/APA (AFP/Getty)/Mark Thompson
Vettel will auch in Aserbaidschan Ÿberzeugen.

Dafür darf der deutsche Ferrari-Pilot nicht weiter Boden auf Lewis Hamilton verlieren. Der englische Mercedes-Fahrer hat mit dem jüngsten Sieg in Kanada seinen Rückstand auf den führenden Vettel auf zwölf Zähler reduziert und hofft auf mehr. Der Deutsche muss aufpassen, will er nicht erstmals in diesem Jahr seine doch etwas überraschende Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft verlieren.

Zuletzt in Montreal konnte Vettel nach unverschuldeten Zwangsstopps dank einer grandiosen Aufholjagd auf Platz vier nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Den Frust über das erstmals in dieser Saison verpasste Podium wollte der Deutsche aber nicht mitnehmen nach Baku.

Lieber ritt Vettel im Vorfeld kleine Spitzen gegen den bekannt mitteilungswütigen Hamilton und erklärte auf RTL, warum ihm Twitter, Instagram usw. egal sind. "Warum sollte man ständig mitteilen, wo man ist, was man tut und mit wem man gerade zusammen ist? Ich verspüre diesbezüglich kein Bedürfnis", erklärte der bald 30-jährige Deutsche gegenüber RTL seine Absenz von Sozialen Medien.

Präsent ist Vettel dafür in der Fahrer-WM, und zwar seit seinem Sieg beim WM-Auftakt in Australien. Auch vor dem achten Saisonlauf liegt Vettel an der Spitze. Das Duell des Ferrari-Stars gegen Mercedes-Ass Hamilton elektrisiert die Fans und freut den neuen Formel-1-Besitzer Liberty Media.

Je drei Rennen haben Vettel und Hamilton in dieser dank der Ferrari-Auferstehung so spannenden WM gewonnen. Ob Mercedes nach Monaco-Krise und Kanada-Doppelsieg über dem Berg und die Silberpfeil-"Diva" tatsächlich wieder ein absolutes Siegauto ist, muss sich aber erst zeigen. Schon auf dem Highspeed-Stadtkurs von Baku mit seinem superglatten Asphalt könnten die "Silbernen" in der Stadt, die 28 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, wegen ihrer Reifenprobleme wieder "untergehen".

Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnte deshalb: "Kanada war großartig. Aber das letzte Rennen zählt nicht mehr. Jetzt geht es darum, den Schwung aufrechtzuerhalten", sagte der Österreicher in der Team-Vorschau auf das Baku-Rennen.

Wolff ist bewusst, dass es weiterhin gute und weniger gute Wochenenden geben wird. Was den Wiener aber zuversichtlich macht: "Lewis ist in der besten Verfassung, in der ich ihn in den vergangenen fünf Jahren erlebt habe."

Auch für Gerhard Berger ist die Ferrari-Wiedergeburt ein Segen. Nachdem Mercedes die Szene nach dem Wechsel auf Hybridmotoren jahrelang fast nach Belieben beherrscht hat, fährt Ferrari unter neuem Reglement wieder auf Augenhöhe. "Dass mit Mercedes und Ferrari zwei Giganten um den Titel fahren, ist genau das, was die Formel 1 im Moment braucht", hat sich deshalb auch der Ex-Pilot aus Österreich von der neuen Spannung mitreißen lassen.

Das, so der Tiroler, sei den neuen Eigentümern freilich geradezu in den Schoß gefallen. "Liberty Media bekommt echt viel weiter. Aber entscheidend für die aktuelle Spannung ist der Aufschwung bei Ferrari", ist für Berger klar, woher der Segen kommt.

Allem voran taugt auch Berger das Fahrer-Duell zwischen Vizeweltmeister Hamilton und Vettel. Sein Piloten-Vergleich fällt so aus: "So grantig Sebastian ist, wenn er nicht auf das oberste Treppchen klettern kann, so stark wird er in dem Moment, in dem er eine Chance auf die WM bekommt. Seb wächst über sich hinaus, wenn er riecht, dass er wieder eine Weltmeisterschaft einfahren kann", gab es viel Lob für den Deutschen, der 2008 unter Berger seinen ersten GP-Sieg bei Toro Rosso gefeiert hat und danach von 2010 bis 2013 mit Red Bull vier Mal in Folge Champion geworden ist.

Danach hatte sich 2008-Weltmeister Hamilton weitere zwei Male zum Weltmeister gekürt, im Vorjahr triumphierte der mittlerweile zurückgetretene Nico Rosberg. Nun hat der Engländer mit Vettel den härtesten Konkurrenten bei Ferrari.

Hamilton ist klar, dass es für einen weiteren Titel mehr Konstanz braucht. Beim Team, aber auch bei ihm selbst. Das sieht auch Berger so. "Lewis ist sicher der schnellste Mann im Feld. Er hat aber wahnsinnige Stimmungsschwankungen, die ihm im Weg stehen."

Quelle: APA

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