Formel 1

Cooler Rosberg hielt Hamilton auf Distanz

Startplatz eins nach Bestzeiten in allen Durchgängen: Zumindest im Training für den Großen Preis von Deutschland stahl der Deutsche Nico Rosberg dem britischen Titelverteidiger Lewis Hamilton die Show.

Lewis Hamilton ist gut beraten, seinen Teamkollegen Nico Rosberg im Formel-1-Titelkampf nicht zu unterschätzen. Sollte der Brite geglaubt haben, Rosberg werde nach dem Verlust der WM-Führung in Budapest in eine Krise stürzen, dann hat er sich getäuscht. Die ersten Duelle vor dem Großen Preis von Deutschland am Sonntag auf dem Hockenheimring (Start 14 Uhr) endeten klar zu Gunsten des gebürtigen Wiesbadeners mit Wohnsitz Monaco. Nach Bestzeiten in allen freien Trainingseinheiten ließ sich Rosberg im Qualifying auch durch einen technischen Defekt nicht aus der Ruhe bringen. Wie vor zwei Jahren, als er hier gewann, geht er von Startplatz eins aus ins Rennen.

"Ich hatte im letzten Abschnitt nur Zeit für eine gute Runde und es ist alles aufgegangen. Ich bin total happy über Platz eins und ich freue mich, dass auf dem Rängen mehr Leute zugeschaut haben, als erwartet war. Kommt morgen alle zum Rennen, das wird eine große Sache", sagte ein überglücklicher Nico Rosberg. Der Aufruf an seine deutschen Landsleute kam nicht von ungefähr. Am Samstag hatte Hamilton gelästert, dass Rosberg gar kein richtiger Lokalmatador sei, da er schon in jungen Jahren nach Monaco ausgewandert war. Seine ersten Jugendjahre hatte Rosberg in Zell am See verbracht. Nico sagt bei jeder sich bietenden Gelegenheit: "Ich bin deutscher Staatsbürger und ich fühle mich auch so".

Für Rosberg begann am Samstag die entscheidende Phase des Qualifyings mit einer Schrecksekunde. Nach schnellsten Zeiten in zwei Abschnitten verlor sein Mercedes an Leistung und rollte an die Box. Das Gaspedal reagierte nicht mehr. Der Nachmittag schien für Rosberg gelaufen. "Es gab ein Problem mit der Elektronik, das zum Glück rasch behoben werden konnte", berichtete Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Während dieser Zeit hielt Hamilton das Red-Bull-Duo Daniel Ricciardo/Max Verstappen in Schach. Rosberg kam zurück und nutzte das verbliebeneZeitfenster, um Hamilton um 0,057 Sekunden zu distanzieren. Hamilton verpasste durch einen Verbremser, seine Marke noch zu verbessern. Chef Toto Wolff zu den Aussichten seiner Fahrer im Rennen: "Sie haben den gleichen Speed, sie werden sich nichts schuldig bleiben."

Hamilton hatte kurzzeitig um seinen Platz in Reihe eins gebangt. Da er im freien Training am Vormittag beim Losfahren aus der Box den Franzosen Romain Grosjean im Haas zu einer Vollbremsung zwang, musste er zu den Rennkommissaren. Das Urteil: Keine Rückversetzung, dafür 10.000 Euro Strafe.

Gemäß dem Saisonziel, die zweite Kraft hinter Mercedes zu sein, demonstrierte Red Bull Racing Stärke. Hinter Mercedes-Silber und vor Ferrari-Rot glänzen die Bullen-Autos mit Daniel Ricciardo und Max Verstappen in Reihe zwei. "Das hätten wir nicht erwartet. Wir sind davon ausgegangen, dass Ferrari am Hockenheimring schneller ist als wir. Umso mehr freut es uns", meinte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko.

Für Sebastian Vettel, der im nahen Heppenheim aufwuchs und den Hockenheimring als sein Wohnzimmer bezeichnet, reichte es hinter Teamkollegen Kimi Räikkönen nur zu Rang sechs. Die Ferrari-Box wurde dennoch sehr oft aufgeblendet. Michael Schumachers Sohn Mick, selbst schon erfolgreicher Rennfahrer in der Formel 4, beobachtete als Gast das Training. Begleitet wurde er von Sabine Kehm, die jahrelang den Vater bei der Karriere gemanagt hatte und nun auch den Junior betreut.

Kehm bestätigte auf SN-Anfrage, dass nach wie vor keinerlei Nachrichten über den Gesundheitszustand des seit einem Skiunfall Ende 2013 pflegebedürftigen siebenfachen Weltmeisters veröffentlicht werden. Kehm: "Die Familie hat Vorrang. Und wenn wo Meldungen erscheinen, dann sind sie erfunden."

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