Formel 1

Nachtrennen: Es werde Licht in Singapur

Die Organisation des ersten Nachtrennens der Formel 1 ist eine Mammutaufgabe. Die Vorarbeiten dauern Monate.

Der Grand Prix von Monaco ist das klassische Stadtrennen. Mit monatelanger Vorbereitung. Doch das alles auch noch für ein Nachtrennen aufzubauen, das ist die Mammutaufgabe der GP-Organisatoren in Singapur, wo Sonntag (Start 14 MESZ/20 Ortszeit) zum neunten Mal ein WM-Lauf der Formel 1 unter Flutlicht stattfindet. Acht Mal (seit der Premiere 2008) hat die Aktion schon tadellos funktioniert.

Die Arbeiten an der Strecke im Herzen des Stadtstaates beginnen im Mai, also vier Monate vor dem Rennwochenende. Da sind dann rund 25.000 Mitarbeiter damit beschäftigt, notwendige Aufbauten aus einem 38.000 Quadratmeter großen Lager im Osten der Stadt zu holen: Betonwände, Zäune, Kabel, provisorische Brücken, Kartenverkaufshäuschen und natürlich Toilettenanlagen. Über 4000 Sicherheitsbarrieren und 10 Kilometer Fangzäune werden verbaut. Durch ein mit Polymer behandeltes Bindemittel, das auf die Fahrbahn des 5,065 Kilometer langen Kurses aufgetragen wurde, wird die Haltbarkeit des Belags um bis zu fünf Jahre verlängert - mit der Nebenwirkung (bei den Fahrern beliebt) gesteigerter Haftung.

Eine Woche vor dem Rennen trifft die Formel-1-Fracht ein - 650 Tonnen, Ersatzteile teilweise per Schiff, das "aktuelle" Material per Jumbojets. Mittwoch vor dem Rennen ist der späteste Zeitpunkt, zu dem die Straßensperren im Herzen der Stadt für die Allgemeinheit in Kraft treten. Obwohl der GP heuer das neunte Mal steigt, lehrt die Erfahrung vor Ort: Taxifahrer haben immer noch nicht kapiert, wohin sie dürfen und wohin nicht. Daher ist für Zuschauer wie für Journalisten die sicherste und beste Anreise zur Strecke die U-Bahn. Die Straßensperren werden bis Dienstag nach dem Rennen wieder aufgehoben. Bis alles abgebaut und wieder im Lager verstaut ist, vergehen auf jeden Fall der September und die ersten beiden Oktoberwochen. Für die Organisatoren beginnt aber sofort die Planung für das nächste Jahr.

3,18 Millionen Watt mit 3000 Lux

Und weil es ein Nachtrennen ist, gibt es eine zusätzliche Herausforderung: Die Strecke so auszuleuchten, dass Tageslicht-Stärke erreicht wird. Für die Anforderung von 3,18 Mill. Watt mit 3000 Lux (vier Mal so viel Lichtstärke wie in einem Fußballstadion) nehme man: Rund 108 Kilometer Leitungskabeln, 240 Stahlsäulen und rund 1600 Projektoren. Dabei soll das Lichtsystem konstante Helligkeit haben und z. B. bei Nässe wenig reflektieren. Zwölf Generatoren liefern die Power, jeder hat seinen eigenen Ingenieur zur Bedienung - und ein Ersatzgerät als Backup für alle Fälle.

Um die Zuschauer bei Laune zu halten, investieren die Organisatoren rund drei Mill. Euro in das Unterhaltungsprogramm, das jedes Jahr Attraktionen aufweist. Heuer auf den Bühnen: Kylie Minogue, Imagine Dragons, KC and the Sunshine Band und Pentatonix. Für die Verpflegung wurde eine Vielzahl von Lieferanten verpflichtete, genauso wie rund ein Dutzend verschiedener Sicherheitsfirmen, die aber durchwegs schnell und freundlich die Zugänge kontrollieren.

Singapur ist nach Monaco das "langsamste" Rennen der Saison mit einem Schnitt von rund 180 km/h - mit Volllast werden nur 46 Prozent der Runde absolviert (in Monza als schnellstem Kurs 75). Pro Runde (23 Kurven) stehen an die 80 Gangwechsel an. Für die Fahrer sind auch in den Abendstunden Temperaturen um 30 Grad bei 70 Prozent Luftfeuchtigkeit ein Konditionstest.

Und damit an der Strecke etwas "typisch Singapur" ist, heißt die schnelle Linkskurve im Mittelsektor "Singapore Sling". Drink gibt's dort aber keinen. Für das Original muss man sich schon an die Long Bar ins legendäre Raffles Hotel bemühen.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 12:47 auf https://www.sn.at/sport/formel-1/nachtrennen-es-werde-licht-in-singapur-1055188

Schlagzeilen