Fußball

105 Millionen Euro: Pogba ist der neue Rekordmann

Manchester United macht Paul Pogba zum teuersten Fußballer. Verrückt sind die Zahlen und die Transfer-Historie um den Franzosen.

Auch die mediale Inszenierung der Verpflichtung des teuersten Spielers der Welt stand dem Rekordtransfer um Paul Pogba in nichts nach. Der Flughafen in Manchester zeigte Montagmittag im Internet den Privatjet mit der Twitter-Nachricht "Ein wichtiger Passagier ist soeben gelandet", wenig später war der Franzose in einem Luxusauto am Weg zum Medizincheck ins Trainingsgelände von United. Damit war auch die letzte Formalität erfüllt und der 105-Millionen-Euro-Deal perfekt.

Die "Red Devils" hatten bereits am Tag zuvor ihren nächsten Superstar auf Twitter angekündigt. #Pogback stand da mit goldener Schrift auf schwarzem Hintergrund. Ob der 23-Jährige zusammen mit Zlatan Ibrahimović und Wayne Rooney den zuletzt kriselnden Verein wieder in eine goldene Ära führen kann, wird sich zeigen. Trainer José Mourinho jedenfalls hält die größten Stücke auf den Neuzugang von Juventus Turin. "Paul ist ein außergewöhnlicher Spieler, der nicht wegen des Geldes zu uns kommt, sondern weil er Teil eines großen Projekts sein will."

Finanziell ist das Projekt bereits das größte der Fußballgeschichte. Kolportiert werden rund 105 Millionen Euro, die Manchester an Juventus sofort überweisen wird. Inklusive Bonuszahlungen könnten es bis zu 120 Millionen werden. Jährlich verdienen soll Pogba 13 Millionen, die mit Erfolgsprämien und Bildrechten auf 20 anwachsen können. Zahlen, die nur von seinem Berater Mino Raiola noch einmal übertroffen werden können. Der Italiener, der zuvor bereits Ibrahimović und Henrich Mchitarjan (um 42 Millionen Euro von Borussia Dortmund) nach Manchester gelotst hatte, soll für den Pogba-Deal sagenhafte 24 Millionen Euro kassieren.

Zahlen, die sogar dem extrovertierten Mourinho nicht mehr geheuer erscheinen. "Ob ein Spieler so viel wert ist? Ich weiß es nicht. Fußball ist verrückt. Aber ich glaube, dass uns diese Summen in drei Jahren schon gar nicht mehr verrückt erscheinen", sagt der Portugiese. Diese Entwicklung sehen freilich viele als gefährlich an. Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge etwa kritisiert die UEFA: "Ich habe das Gefühl, als würde das Financial Fair Play (bei dem sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten müssen) nicht mehr nachhaltig seriös umgesetzt werden."

Pogba wird das egal sein. Mourinho sieht eine große Zukunft für den Mittelfeldspieler. "United ist für ihn der perfekte Club, um auf sein bestes Level zu kommen. In der Premier League kann er beweisen, dass er der beste Spieler der Welt werden kann. Bei Real oder Barcelona würde das nicht funktionieren. Da erlauben es dir die ganz großen Spieler nicht, dass du besser bist als sie", sagt Mourinho, ohne die Namen Ronaldo und Messi zu erwähnen. Ob er da seinen Superstar Ibrahimović vergessen hat?

Unbestritten ist, dass im Millionengeschäft Fußball die Premier League dank des milliardenschweren TV-Vertrags das Sagen hat. Da kann es sich Manchester United sogar leisten, Pogba 2012 ablösefrei (!) nach Turin ziehen zu lassen, um ihn vier Jahre später um mindestens 105 Millionen Euro zurückzukaufen. Die sonst so kritikfreudige englische Presse hält sich in diesem Fall vornehm zurück. Was wohl mit dem unanfechtbaren Ex-Trainer Sir Alex Ferguson zu tun hat. Uniteds Trainerlegende hatte Pogba 2009 als 16-Jährigen von Le Havre geholt. Da der Franzose dann 2012 seinen Vertrag nicht verlängern wollte, warf ihm Ferguson mangelnden Respekt vor und ließ ihn in Italien zum Superstar reifen. Auch das passt perfekt in die Inszenierung rund um den neuen Rekordmann.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 03:06 auf https://www.sn.at/sport/fussball/105-millionen-euro-pogba-ist-der-neue-rekordmann-1177951

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