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24 Stunden von Le Mans: Porsche schafft den Hattrick

Der 919 Hybrid von Bernhard/Bamber/Hartley gewinnt Le Mans nach 90 Minuten Reparatur von Platz 55 weg. Dem zweiten Porsche und Toyota aber blieb riesige Enttäuschung nicht erspart.

Sieg in Le Mans: Der Porsche 919 Hybrid #2 schaffte eine sensationelle Aufholjagd. SN/AP
Sieg in Le Mans: Der Porsche 919 Hybrid #2 schaffte eine sensationelle Aufholjagd.

Porsche war angezählt, Toyota aber technisch k. o. Auch die 85. Auflage der 24 Stunden von Le Mans brachte Dramatik, herbe Enttäuschung und unerwartete Comebacks. Denn dass ein Team gewinnt, das nach fünf Stunden 55. von 60 ist und 18 Runden Rückstand auf die Führenden aufweist (90 Minuten Boxenstopp für den Wechsel des E-Motors vorn), ist nicht alltäglich. Aber der Porsche 919 Hybrid #2 von Timo Bernhard, Brendon Hartley und Earl Bamber startete zur Aufholjagd bis zur Übernahme der Führung 67 Minuten vor dem Ende.

Damit war vor 258.500 Zuschauern auch die vermeintliche Sensation eines Sieges eines kleinen Prototypen, des Oreca von Tung/Laurent/Jarvis aus dem Team des Filmstars Jackie Chan, vorbei, die allesamt am Ende über Platz zwei und den Klassensieg jubilierten. Für Porsche war es der 19. Gesamtsieg seit 1970 und der Hattrick nach 2015/16 - jeweils unter Regie des steirischen Projektleiters Fritz Enzinger. Bernhard und Bamber gewannen an der Sarthe zum zweiten, Hartley siegte zum ersten Mal. "Endlich! Nach dieser Achterbahnfahrt finde ich keine Worte", stammelte der Neuseeländer Hartley, "dieser Sieg gehört zu allererst unseren Mechanikern". Landsmann Bamber gab zu: "Ich dachte, alles ist vorbei, und jetzt das!" In der Box jubelte Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche mit Vorstand Oliver Blume und dem Team.

Für den zweiten Porsche und die drei Toyota blieb aber nur herbe Enttäuschung. Der 919 von Lotterer/Jani/Tandy führte von Mitternacht bis knapp nach elf Uhr mit bis zu 13 Runden Vorsprung, als der Deutsche ausrollte. "Wir waren sehr konservativ unterwegs. Plötzlich fiel der Öldruck. Der Ausfall ist hart. So ist Le Mans", meinte Lotterer deprimiert, der es elektrisch nicht mehr an die Box schaffte.

Noch ärger erwischte es die bisherigen Saisondominatoren von Toyota. Erster Schock Samstag spätabends: Der drittplatzierte TS050h von Buemi/Davidson/Nakajima brauchte 90 Minuten "Service" zum Wechsel der Front und des E-Motors, fiel aussichtslos zurück und kam noch auf Rang neun ins Ziel. Dann das Desaster innerhalb von 30 Minuten zur Geisterstunde: Der führende #7 von Kobayashi/Sarrazin/Conway kam nach einer Safety-Car-Phase nicht mehr in Schwung: Kupplungsschaden! Der trat just beim Überfahren der Ziellinie auf, der japanische Trainingsschnellste versuchte im langsamen Tempo die 13 Kilometer zurück an die Box, blieb aber zwei Kilometer vor der Einfahrt in den Porsche-Kurven liegen. "Es ist so enttäuschend. Alles lief perfekt, plötzlich hatte ich keinen Vortrieb mehr", stöhnte Kobayashi. Die letzte Hoffnung war vor den Augen von Konzernchef Akio Toyoda die #9 von Lapierre/Kunimoto/López, die sich an die Verfolgung des Porsche #1 machte. Doch auf Platz zwei wenig später geriet Lapierre in eine Kollision mit einem kleinen Prototypen und konnte die Fahrt mit dem schwer lädierten TS050h nicht mehr fortsetzen.

Richard Lietz kam im Werks-Porsche 911 als Vierter der GTE Pro ins Ziel - nach der Qualifikation gut, nach Rennverlauf am Sonntag (mit Führung) enttäuschend. "In der kühleren Nacht lief es gut, in der Tageshitze hatten wir Leistungsverlust", erklärte der Ybbsitzer.

Für zwei der vier Österreicher war das Rennen Samstagnachmittag vorbei - Dominik Kraihamer und Klaus Bachler kamen gar nicht zum Fahren. Oliver Webb, Startfahrer im Kolles-Enso LMP1, kollidierte am Start mit dem Toyota von Lapierre und musste sich mit einem Reifenschaden an die Box schleppen. Der Partner des Mattseers Kraihamer ging danach wieder ins Rennen, stellte den Prototypen aber nach sieben Runden in der Box ab. Kraihamers Befürchtungen trafen zu: "Die Motoraufhängung passte nicht mehr zum Chassis. Auch der Motorwechsel nach dem Qualifying brachte nichts. Es ist sehr frustrierend", gestand er. Bachlers Out war mit Pech verbunden. Der Russe Rusinow "übersah" in seinem G-Drive-Oreca (LMP2) den Proton-GT-Porsche mit Khadem Al Qubaisi am Steuer und touchierte ihn heftig: Aus e den Porsche nach 18 Runden abstellen.

Für den Salzburger Mathias Lauda, der Samstagabend schon in der GTE Am mit 23 Sekunden Vorsprung geführt hatte, war der Traum vom Klassensieg in der achten Stunde vorbei: Teamkollege Pedro Lamy platzte vor Mulsanne ein Reifen, dabei wurde auch der Frontflügel schwer beschädigt. Fünf Runden oder 22 Minuten verlor das Aston-Martin-Werkteam in der Box. Am Ende fuhren Lauda & Co. als Klassenachte ins Ziel.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.10.2018 um 02:38 auf https://www.sn.at/sport/fussball/24-stunden-von-le-mans-porsche-schafft-den-hattrick-12365020

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