Fußball

Austrias Co-Trainer El Maestro: Vom Besessenen zum Jung-Coach

Eine bewegte Karriere hat der Co-Trainer von Austria Wien bereits hinter sich. Der erst 33-Jährige verfolgt aber unbeirrt ein großes Ziel.

Über die unweigerliche Frage muss Nestor El Maestro Schmunzeln. "Ich war 18 Jahre alt, da macht jeder das eine oder andere", meint der Brite mit serbischen Wurzeln über seinen klingenden Nachnamen.

Der 33-Jährige hat seine Passion für das Trainergeschäft früh entdeckt. Mit 23 Jahren arbeitete er als Co-Trainer bei Schalke 04. Seit Anfang September tut er dies bei der Austria unter Thorsten Fink.

"Ich kann ehrlich sein. Natürlich habe ich acht Jahre auf höherem Niveau gearbeitet. Aber seit der Entlassung in Hamburg hatte ich zwei Jahre trotz Anfragen kein Engagement. Außerdem bin ich in Wien zuhause", sagt El Maestro über seine Beweggründe.

Den Violetten sei er außerdem dankbar, ihn als Jung-Coach unterstützt zu haben. "Im Fußball gibt es nicht viel Raum für Herzensangelegenheiten, aber die Austria ist ein wenig eine."

Die Geschichte vom Trainer El Maestro beginnt in London. Mehr als hundert Bewerbungen schrieb der Sohn serbischer Auswanderer, ehe der Teenager bei West Ham United im Nachwuchsbereich die ersten Erfahrungen als Coach sammeln durfte. "Ich war besessen davon, habe Konzepte geschrieben, dachte, ich weiß alles besser als andere", erinnert sich El Maestro, der als Vorbild Jose Mourinho nennt.

Aus Jevtic wurde El Maestro

Damals änderte er auch seinen Nachnamen, aus Jevtic wurde El Maestro. Quasi ein Künstlername, wie ihn auch brasilianische Profis tragen. "Das würde ich nicht noch einmal machen. Aber für mich ist es nun ein Name wie jeder andere", sagt er heute.

Von West Ham aus ging es zu Juventus Turin, dann 2002 erstmals zur Austria. Die Familie war damals nach Wien umgezogen. Unter Akademieleiter Ralf Muhr habe er "viel gelernt", meint El Maestro. Eine ebenso wichtige Zeit sei aber die nächste Station Valencia gewesen. Ein Jahr arbeitete er in Spanien, durfte dort bereits die U19 und zweite Mannschaft betreuen. Von Valencia ging es zu Schalke als Assistent von Mirko Slomka. In Gelsenkirchen spielten in dieser Zeit Profis wie Mesut Özil, Ivan Rakitic, Manuel Neuer oder Kevin Kuranyi.

Nach dem CL-Viertelfinale kam das Aus

"Ich habe versucht, mich permanent weiterzuentwickeln. Ich bin ja nicht mit 23 vom Mond auf Schalke gefallen", meint El Maestro über seinen Werdegang. Fehlende Akzeptanz vonseiten der Spieler sei nie ein Problem gewesen. "Wenn sie glauben, man bringt einen weiter, dann gibt es so etwas nicht." Mit Schalke wurde El Maestro 2007 knapp Vizemeister hinter Stuttgart, die Akzeptanz war also groß. In der Folgesaison kam Schalke bis ins Viertelfinale der Champions League, Slomka und damit auch El Maestro wurden kurz darauf vom damaligen Sportchef Andreas Müller (nun Rapid) dennoch beurlaubt.

El Maestro folgte Slomka dann zu Hannover 96 (2010 bis 2013) und dem HSV (2014). Seither war das Sprachtalent, das Englisch, Serbisch, Spanisch, Portugiesisch und Deutsch spricht, ohne Job. Bei der Austria ist er nun voll eingebunden.

"Bis auf den Fitnessbereich. Es ist jede Menge Arbeit vorhanden", sagt El Maestro. Sich als Trainer weiterzuentwickeln gehört ganz klar zu seinem Credo. Schließlich sei auch ein Posten als Cheftrainer ein Ziel: "Jeder möchte einmal Verantwortung übernehmen und als Chef arbeiten. Der erste Job sollte dann aber schon passen. Aber ich bin noch nicht so alt, habe noch Zeit."

Unweigerlich kommt man im Gespräch mit Nestor El Maestro auf dessen Bruder Nikon. Einst als Wunderkind bezeichnet, spielt der nun 23-Jährige derzeit beim Wiener Unterligaverein Hellas Kagran. Vom Profigeschäft ist Nikon weiter entfernt denn je. Nestor hat seinen jüngeren Bruder immer wieder unterstützt, gemeinsam zog das Duo von Wien nach Valencia und später zu Schalke. "Nikon war in der Prä-Pubertät sehr talentiert. Am Ende hat es nicht gereicht. Bei Schalke hat er mit Julian Draxler zusammengespielt. Da merkt man, dass es andere gibt, die auch Fußball spielen können", sagt Nestor El Maestro rückblickend. Nikon hat inzwischen ebenfalls die Trainertätigkeit für sich entdeckt. Er ist Nachwuchscoach beim Simmeringer SC.

Quelle: APA

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