Bundesliga

Austria nimmt auch "viertes Endspiel" um Meistergruppe an

Nach dem sich gegen Ende dramatisch zuspitzenden 1:0-Sieg gegen den WAC hat die Austria die Meistergruppe zwar noch nicht in der Tasche, aber es sieht gut aus. Ein Punkt bei der Admira nächsten Sonntag unmittelbar vor der Punkteteilung in der Fußball-Bundesliga reicht für den Tabellenfünften - bei einem Sieg ist sowieso alles klar. "Ich habe immer gesagt, es sind vier Endspiele, genau so werden wir das angehen", meinte Trainer Manfred Schmid. "Wir wollen das Spiel gewinnen."

Patrick Pentz hielt Austria-Sieg gegen WAC fest SN/APA/HANS PUNZ/HANS PUNZ
Patrick Pentz hielt Austria-Sieg gegen WAC fest

Er habe zuvor gesagt, drei Siege könnten reichen, stellte er klar. "Jetzt ist es aber so, dass wir ein viertes Endspiel haben." Das nehme man an: "Wir werden nicht auf einen Punkt spielen". Vor einer lebendigen Kulisse dank 11.000 Besuchern in der Generali Arena (Schmid: "Das ist Austria Wien, wie ich es aus meiner Zeit noch kenne") waren die Favoritner den entscheidenden Tick wacher und kaltschnäuziger als der Gegner. Den Treffer besorgte Routinier Alexander Grünwald mit einem strammen Linksschuss in der 57. Minute.

"Der weiß, wie man Entscheidungsspiele spielt", hob der Trainer den 32-jährigen Mittelfeldmann hervor. Auch wenn die Laufstärke nicht mehr so ausgeprägt sei wie früh, habe Grünwald seine Qualitäten: "Er geht voran, teilt die Spieler ein." Der langjährige Kapitän freute sich auch aus einem speziellen Grund über sein erstes Saisontor. "Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich noch einmal mit Babybauch jubeln muss. Gott sei Dank hat es noch einmal geklappt", verriet Grünwald.

Die Geschichte des Spiels schrieb trotzdem ein anderer, und zwar jemand ohne violettes Trikot. WAC-Verteidiger Luka Lochoshvili reagierte kurz vor der 90. Minute blitzschnell und half dem zunächst regungslosen Georg Teigl, indem er dessen Zunge mit Geschick eigenhändig zurück in den Mundraum legte. Der Austria-Allrounder, der erst in der 74. Minute für Grünwald eingewechselt worden war, war hatte das Knie von Nikolas Veratschnig an die Schläfe bekommen. Er erlitt schwere Kopfverletzungen, unter anderem einen Schädelbruch und einen Kieferbruch. "Ich habe seinen Mund geöffnet und ich glaube, dass ich seine Zunge in der letzten Sekunde rausgezogen habe", erklärte Lochoshvili im Sky-Interview.

"Da geht's vielleicht um ein Leben. Der Herr Lochoshvili hat super Arbeit geleistet", verneigte sich Austria-Torhüter Patrick Pentz vor der Courage des Georgiers. Pentz stand kurz vor der Szene mit Teigl, die allen im Stadion kurz den Atem stocken ließ, selbst im Mittelpunkt, als er gleich zwei Elfmeter von Ex-Austrianer Michael Liendl hielt. Dazu war es nach zwei VAR-Interventionen gekommen - zunächst wurde ein Handspiel eines Austrianers im eigenen Strafraum nachträglich geahndet, dann dürften sich die mehrere Violette vor dem Kick von Liendl zu früh in den Sechzehner bewegt haben. Der Strafstoß wurde wiederholt, wieder hielt Pentz den Sieg fest.

Schmid störten nicht unbedingt die Entscheidungen an sich, aber wie lange es bis dahin brauchte. Der Wiener geriet kurz so in Rage über Schiedsrichter Sebastian Gishamer und dessen Team, dass er die Rote Karte gezeigt bekam und somit in der Südstadt nicht coachen darf. "Für mich war das Problem daran, dass er so lange gebraucht hat, dass er das (nach Ansicht der TV-Bilder am Spielfeldrand/Anm.) entscheidet. Deswegen war es für mich keine klare Fehlentscheidung und deswegen auch mein Ärger", so Schmid.

Der WAC ist als nunmehriger Dritter anders als die Austria fix in der Meistergruppe, Trainer Robin Dutt zeigte sich nach dem Spiel in Wien nicht allzu niedergeschlagen. "Ich finde, die Austria hat nicht unverdient die drei Punkte geholt", sagte der Deutsche. Die Niederlage der Kärntner nutzte Sturm Graz. Die Mannschaft von Trainer Christian Ilzer gewann das Steirer-Derby gegen Hartberg souverän 3:0 und ist damit neuer erster Salzburg-Verfolger. "Auch wenn die Punkteteilung folgt, der Sieg ist sehr wichtig für die Europacup-Plätze", bilanzierte Ilzer nach der Partie und lobte zudem sein Team, da man bisher trotz Europacup-Belastungen sehr gut durch die Saison komme.

Gegen klar unterlegene Hartberger erzielten Stefan Hierländer, Gregory Wüthrich und Rasmus Höjlund nach der Pause die Tore. Für Winter-Neuzugang Höjlund war es der dritte Treffer im vierten Spiel für die Ilzer-Elf. Sein Trainer ist dementsprechend angetan vom Dänen: "Höjlund hat große Präsenz im Spiel, er agiert nicht wie ein 19-Jähriger."

Für Hartberg war vor der Partie das Meister-Play-off nur noch theoretisch möglich, nun ist es auch rechnerisch nicht mehr erreichbar. "Die Saison war bis jetzt ein Auf und Ab", sagte Trainer Kurt Russ nach der Partie. Wieder bergauf soll es im Cup-Halbfinale am Mittwoch bei der SV Ried gehen, wo man laut Russ "eine Riesenchance" habe.

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