ÖFB-Cupfinale

Red Bull Salzburg - Austria Lustenau: Probelauf für Geisterspiele in der Bundesliga

Das Präventionskonzept der Fußball-Bundesliga kommt am Freitag (20.45 Uhr) im ÖFB-Cup-Finale zwischen Red Bull Salzburg und Austria Lustenau im Klagenfurter Wörthersee-Stadion erstmals bei einem Spiel zur Anwendung. Das Spiel gilt als Probelauf für die Anfang Juni neu startende Bundesliga.

Schauplatz der Geisterspielpremiere im österreichischen Fußball 2020: die Wörthersee Arena in Klagenfurt. SN/gepa pictures/ daniel goetzhaber
Schauplatz der Geisterspielpremiere im österreichischen Fußball 2020: die Wörthersee Arena in Klagenfurt.

In dem 24-seitigen Dokument sind unter anderem Maßnahmen festgehalten, die eine Ansteckung von Spielern, Betreuern etc. verhindern sollen. Die wichtigsten Punkte:

UNTERTEILUNGEN VON PERSONEN: Bei einem Geisterspiel sollen maximal 200 Personen im Einsatz sein, sie werden in drei Gruppen unterteilt: Die rote Gruppe (maximal 75 Menschen pro Spiel) umfasst Spieler, Schiedsrichter, Trainer, medizinisches Personal oder Teammanager, also all jene Personen, welche die geltenden Abstandsregeln nicht einhalten können. Zur orangen Gruppe (50) zählen zum Beispiel Ordner, Mitarbeiter der TV-Produktion und Fotografen, zur gelben Gruppe (75) Journalisten oder Club-Offizielle.

EMPFEHLUNGEN FÜR PRIVATEN BEREICH: Mitgliedern der roten Gruppe wird empfohlen, Kontakte mit haushaltsfremden Personen zu vermeiden, weitgehend in den eigenen vier Wänden zu bleiben, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, die eigenen Kontaktpersonen zu notieren und deren Gesundheitszustand - so wie den eigenen - genau zu beobachten. Die Gruppe-Rot-Personen müssen ein "Gesundheitstagebuch" führen und sich einmal pro Woche einem PCR-Test unterziehen.

VORGEHENSWEISE BEI BESTÄTIGTEN FÄLLEN: Der Infizierte kann nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Der medizinische Verantwortliche des jeweiligen Clubs muss informiert und eine Selbstisolation angetreten werden, es ergeht eine Information an die Gesundheitsbehörden und an die Bundesliga. In Kenntnis gesetzt werden alle Kontaktpersonen der roten Gruppe, eventuell auch das gegnerische Team, sofern 48 Stunden vor Auftreten der Symptome bzw. eines positiven Tests ein Kontakt erfolgte. An diese Personen ergeht eine Aufforderung zur Selbstisolation. Das Verlassen der eigenen vier Wände ist für sie nur noch für Training und Spiel erlaubt. An allen Kontaktpersonen der roten Gruppe werden PCR-Tests durchgeführt.

PRÄVENTIONSMAßNAHMEN BEI SPIELEN: Spielern und Trainern wird die Anreise mit dem eigenen PKW empfohlen, bei Busreisen gibt es Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Die Aufenthaltsdauer in den ständig zu reinigenden Kabinen ist auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren, angrenzende, freie Räumlichkeiten sind als zusätzliche Umkleidemöglichkeiten zu nutzen und der Mindestabstand von einem Meter ist zu gewährleisten, auch im Spielertunnel. Das Einlaufen erfolgt zeitlich getrennt, es gibt keine Kinderbegleitung. Die Teams stellen sich nicht wie gewohnt zur Begrüßung auf, es gibt kein Abklatschen. Auf der Bank muss der Abstand von einem Meter eingehalten werden, notfalls dadurch, dass Ersatzspieler auf der Tribüne Platz nehmen.

Es werden maximal fünf Ballkinder pro Spiel eingesetzt, deren Hauptaufgabe vor allem die Desinfektion der Bälle ist. Die Ballkinder müssen symptomfrei sein und, sollten sie minderjährig sein, das Einverständnis ihrer Eltern haben. Rund um das Spielfeld werden mindestens 20 Bälle aufgelegt. Beim Torjubel soll Körperkontakt, "wenn unbedingt nötig", ausschließlich über Ellbogen oder Füße erfolgen. Es wird empfohlen, beim Jubeln den Ein-Meter-Abstand einzuhalten.

WISSENSCHAFTLICHE BEGLEITUNG: Red Bull Salzburg wird mit Unterstützung von zwei bis drei weiteren Vereinen eine wissenschaftliche Studie gemeinsam mit der Paracelsus Universität in Salzburg zu einem umfangreichen Contact-Tracing in Auftrag geben, deren Daten und Erkenntnisse mit dem Gesundheitsministerium geteilt werden. Damit sollen allgemeine Rückschlüsse für die weitere Vorgehensweise in verschiedensten Bereichen - zum Beispiel bei der Öffnung von anderen Mannschaftssportarten - gezogen werden können.

Corona-Chronolgie im österreichischen Fußball:

  • 8. März: Die bisher letzten Bundesliga-Spiele gehen über die Bühne: Red Bull Salzburg gewinnt daheim gegen Sturm Graz 2:0, der LASK setzt sich in Mattersburg mit 1:0 durch.
  • 10. März: Die Bundesliga setzt alle Spiele der beiden höchsten Ligen bis Anfang April aus. Dennoch trainieren die Teams vorerst weiter und fixieren Testspiele.
  • 12. März: Im Linzer Stadion steigt das letzte Profi-Match in Österreich vor der Corona-Pause. Der LASK verliert im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League das Geisterspiel gegen Manchester United 0:5. Der ÖFB setzt den Spielbetrieb in allen Ligen aus. Außerdem werden sämtliche geplante Testspiele der Oberhaus-Clubs abgesagt.
  • 13. März: Alle Bundesligisten stoppen ihren Trainingsbetrieb.
  • 18. März: Die Bundesliga beschließt, den Spielbetrieb frühestens Anfang Mai wieder aufzunehmen und die Saison bis Ende Juni zu verlängern.
  • 6. April: Die Bundesregierung verkündet ein Verbot von öffentlichen Veranstaltungen bis Ende Juni. Dazu zählen auch alle Sport-Events unter Einbeziehung von Publikum. Die Tür für die Abhaltung von Geisterspielen wird aber offengelassen.
  • 7. April: Als zehnter Oberhaus-Club gibt der SV Mattersburg bekannt, auf Kurzarbeit umzusteigen. Nur Spitzenreiter LASK und der Tabellenzweite Red Bull Salzburg verzichten auf das staatlich geförderte Modell.
  • 15. April: Das ÖFB-Präsidium beschließt, alle Bewerbe bis auf die Bundesliga, die 2. Liga und den Cup abzubrechen.
  • 16. April: Die Bundesliga peilt nach der Clubkonferenz einen Neustart Mitte Mai an.
  • 20. April: Eine Verordnung tritt in Kraft, wonach die zwölf Bundesligisten und der zweitklassige Cupfinalist Austria Lustenau in Kleingruppen und unter Einhaltung der Abstandsregeln das Training wieder aufnehmen dürfen.
  • 24. April: Die Bundesliga einigt sich auf ein "Geisterspiel-Konzept".
  • 29. April: Das ÖFB-Präsidium genehmigt eine Saisonfortsetzung in der Bundesliga bis 31. Juli.
  • 30. April: Das Liga-Konzept wird vom Gesundheitsministerium abgelehnt, Mannschaftstraining vor dem 15. Mai nicht erlaubt. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erscheint dadurch äußerst fraglich.
  • 12. Mai: Die Bundesregierung erteilt die Erlaubnis für Mannschaftstrainings ab 15. Mai.
  • 13. Mai: Die Liga setzt die Termine für den Neustart fest. Los geht es mit dem Cupfinale zwischen Salzburg und Lustenau am 29. Mai, ab 2. Juni wird die Meisterschaft ausschließlich in englischen Wochen bis 15. Juli finalisiert.
  • 14. Mai: Die Liga leitet ein Verfahren gegen den LASK ein. Videos zeigen, dass die Oberösterreicher unerlaubterweise Mannschaftstrainings durchgeführt haben.
  • 15. Mai: Der LASK gibt zu, vier Mannschafstrainings abgehalten zu haben. LASK-Präsident Siegmund Gruber stellt sein Liga-Aufsichtsratsmandat ruhend.
Quelle: APA

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