Bundesliga

Rapid vor "Finale" um Meistergruppen-Ticket zuversichtlich

Auf Rapid wartet am Sonntag das entscheidende Spiel im Kampf um die Teilnahme an der Meistergruppe der Fußball-Bundesliga. Mit einem Heimsieg gegen Austria Klagenfurt zum Abschluss des Grunddurchgangs wären die Hütteldorfer fix unter den Top sechs, eventuell könnten sogar ein Punkt oder eine Niederlage reichen. Auf Rechenspiele will man sich aber nicht einlassen, betonte Trainer Ferdinand Feldhofer. "Wir wollen drei Punkte und das werden wir auch schaffen", sagte der Steirer.

Feldhofer glaubt an Rapids Meistergruppen-Teilnahme SN/APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER/EXPA
Feldhofer glaubt an Rapids Meistergruppen-Teilnahme

Bis Freitagmittag waren knapp 18.000 Tickets abgesetzt, für eine würdige Kulisse ist also gesorgt. "Das sieht man, dass Austria Klagenfurt Zuschauer ins Stadion locken kann", meinte Klagenfurt-Betreuer Peter Pacult. Feldhofer setzt große Hoffnungen in die Fans. "Wir haben uns ein Endspiel erarbeitet und haben von dem Moment geträumt, dass wir vor eigenem Publikum gemeinsam diesen Schritt schaffen wollen."

Für Zuversicht sorgt auch die Personalsituation - laut Feldhofer sind beinahe alle Profis einsatzbereit. Allerdings muss Kapitän Maximilian Hofmann weiter passen, ob es sich für den zuletzt kränkelnden Taxiarchis Fountas mit einer Kadernominierung ausgeht, ist offen. Unbeantwortet ließ Feldhofer auch die Frage, ob Paul Gartler oder Niklas Hedl im Tor stehen wird.

Aufsteiger Klagenfurt ist mit einem Punkt fix über dem Strich, deshalb sieht Pacult den ganzen Druck bei Rapid. "Für uns ist es ein Spiel, in dem wir nur überraschen können. Rapid hat das vierfache Budget von uns und müsste eigentlich aufgrund der finanziellen Situation ohne Zweifel im oberen Play-off sein", sagte der frühere Rapid-Coach. "Der Druck bei Rapid ist enorm groß."

Pacults Wortmeldungen kommen für Feldhofer nicht überraschend. "Er ist schon lange genug dabei, um diese Aussagen zu platzieren." Positiv sei, das Schicksal in der eigenen Hand zu haben. "Klagenfurt hat die bessere Ausgangslage, aber wir brauchen auf niemanden anderen zu schauen. Das ist sehr angenehm." Unangenehm ist dafür der Gegner. "Sie stehen zurecht dort, wo sie aktuell sind, sind schwer zu bespielen und heuer noch ungeschlagen (Anm.: in der Liga). Ich erwarte einen echten Kampf, möglicherweise ein Geduldspiel. Doch wir sind gerüstet und bereit", meinte der Feldhofer.

Der 42-Jährige wird sich über die weiteren Spielstände informieren und auch dementsprechend reagieren. Wenn zum Beispiel Ried daheim gegen Sturm nur einen Punkt holt, reicht auch Rapid ein Remis. "Natürlich werden wir wissen, wie es in anderen Stadien steht. Es gilt, eine gute Balance zu finden zwischen Risiko und Kompaktheit." Von Beginn an auf ein Unentschieden zu spielen, komme jedoch nicht infrage. "Unsere DNA ist klar: Wir wollen mutig auftreten und aktiv sein." Und was passiert, wenn Rapid wie vor drei Jahren unter dem Strich landet? "Mit so etwas befasse ich mich nicht. Mein Job ist es, den Jungs Vertrauen einzuimpfen, ein gutes Gefühl zu vermitteln und eine gute Taktik zu wählen."

Feldhofer ist sich der schwierigen Ausgangssituation bewusst. "Den Druck brauchen wir nicht wegreden. Rapid sollte in Österreich fast jedes Spiel gewinnen, das sind wir gewohnt. Aber wir sind jetzt viel jünger und haben national gezeigt, dass wir das können, international auch vor eigenem Publikum", meinte der Ex-Teamspieler mit Verweis auf die Siege im Europacup daheim gegen Vitesse Arnheim und zuletzt auswärts gegen die WSG Tirol.

Dieser Meinung schloss sich Rapids Geschäftsführer Sport Zoran Barisic an. "Die Mannschaft hat immer wieder gezeigt, dass sie Drucksituationen standhalten kann." Außerdem sagte der Ex-ÖFB-Internationale: "Der Entwicklungspfeil bei Rapid als Mannschaft und Club geht nach oben." Wortkarger zeigte sich Barisic im Zusammenhang mit der von der "Kronen Zeitung" am Freitag als fix vermeldeten Verpflichtung von Austria Klagenfurts Patrick Greil.

Demnach soll der Mittelfeldspieler im Sommer ablösefrei nach Wien-Hütteldorf kommen. "Aus Respekt vor dem Gegner und dem Spieler möchte ich dazu keinen Kommentar abgeben", sagte der einstige Co-Trainer von Pacult bei Rapid. Spekulationen gibt es auch um ein Engagement von WAC-Profi Eliel Peretz ab kommender Saison, bereits offiziell wurde die Vertragsverlängerung des 20-jährigen Stürmers Bernhard Zimmermann bis 2025.

Peter Pacult lassen Personalspekulationen zumindest äußerlich kalt, vorerst gilt der Fokus klar dem Spiel am Sonntag. "Wir sind bis jetzt sicher die größte Überraschung der Liga, und das wollen wir in Wien beibehalten", erklärte der 62-Jährige. Im Gegensatz zu Feldhofer sind Pacult die Ergebnisse in den anderen Matches egal. "Bei uns ist ganz klar kommuniziert, wir konzentrieren uns nur auf unser Spiel. Alles andere können wir nicht beeinflussen."

Der Wiener geht betont gelassen an die Aufgabe heran. "Wir wollen, die anderen (Anm.: Rapid) müssen. Sollten wir es nicht schaffen, haben wir trotzdem eine sehr gute Ausgangsposition, um die Liga zu halten."

Das erste Kräftemessen in dieser Saison endete im Wörthersee-Stadion mit einem 1:1, wobei die Gastgeber in der 87. Minute das 1:1 erzielten. Nach dem Schlusspfiff wurde Pacult als bisher letzter Hütteldorfer Meistermacher (2008) von der organisierten Fanszene gefeiert. Ähnliches ist wohl auch am Sonntag zu erwarten. In seiner Zeit als Rapid-Trainer war Pacults Verhältnis zu gewissen Fan-Kreisen alles andere als friktionsfrei. "Aber im Nachhinein werden das viele anders sehen. Ich habe positive Spuren hinterlassen, die Sprechchöre im letzten Herbst waren eine Riesenfreude für mich."

Keinen Grund zur Freude bereiten die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine. Aufgrund des Krieges riefen die Rapid-Ultras mit Unterstützung des Vereins eine Spendenaktion ins Leben, vor dem Spiel wird im Stadion auf Transparenten und LED-Banden "Stop War" zu lesen sein. Diese Worte stehen auch auf den Leiberln, mit denen die Rapid-Profis einlaufen werden. Anschließend werden die Kleidungsutensilien via Fanshop versteigert, der Reinerlös geht an eine Ukraine-Hilfsaktion der Volkshilfe. Außerdem hat Rapid alle Schülerinnen und Schüler der Ukrainischen Samstagschule in Wien zum Match eingeladen.

Barisic, dessen Familie einst selbst vom Jugoslawien-Krieg betroffen war, zeigte sich wegen des Krieges erschüttert. "Ich habe mir nie gedacht, dass wir so etwas in Europa noch einmal erleben werden", sagte der Sportchef.

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