Bundesliga

Red-Bull-Trainer Jesse Marsch: "Ich bin kein Leipziger, ich bin ein Salzburger"

Der neue Trainer von Red Bull Salzburg, Jesse Marsch, appelliert auch an die Fans der Bullen: "Gebt uns eine Chance."

An Trainervorstellungen in Salzburg ist man als langjähriger Beobachter des Fußball-Serienmeisters inzwischen gewöhnt. Ob auf dem Podium im Medienraum der Red-Bull-Arena nun Roger Schmidt, Adi Hütter, Peter Zeidler, Óscar García oder Marco Rose gesessen sind, es wurden große Erwartungen geschürt - und mit Meistertiteln, Cupsiegen und internationalen Triumphzügen zumeist auch erfüllt. Aber so energiegeladen und verheißungsvoll wie am Donnerstag bei der Präsentation des neuen Bullen-Cheftrainers Jesse Marsch war es bei seinen Vorgängern dennoch nie gewesen.

Das liegt einerseits an der Konstellation, dass Red Bull Salzburg in der kommenden Saison erstmals in der Gruppenphase der Champions League spielen wird und dabei auf Duelle mit Liverpool, Barcelona, Bayern München oder Real Madrid hoffen darf. Andererseits liegt es an Marsch selbst, der gleich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Salzburg damit punkten konnte, was ihn auch als Trainer auszeichnen soll: perfekt vorbereitet, mit einem ausgewiesenen Fußball-Fachverstand, mit Intelligenz und Humor und vor allem mit seinem Verständnis, wie er seine Rolle als Führungspersönlichkeit definiert.

Der 45-jährige US-Amerikaner ist keiner, der auf den Tisch haut, der Alleingänge in Guerilla-Manier plant oder Sprüche klopfen muss, um gehört zu werden. Marsch sagte - im Übrigen auf Deutsch, oder wie er es selbst nannte: "Denglish" (Deutsch-Englisch) - bei seiner Vorstellung in Salzburg: "Es ist nicht meine Absicht, hierherzukommen und alles zu verändern. In Salzburg sind viele Sachen auf einem sehr hohen Level. Mein Ziel muss es sein, eine gute Kombination zwischen Vergangenheit und Zukunft zu finden. Es ist ein großes Jahr für den Verein. Und ich kann allen versprechen, dass wir ein Team haben werden, das es in sich hat und All-In gehen wird. Wir werden ein Team sehen, das Leidenschaft, Kampf, Furchtlosigkeit und Entschlossenheit zeigen wird."

Erster Spaziergang durchs Stadion. SN/gepa
Erster Spaziergang durchs Stadion.

Marsch, von 2015 bis 2018 drei Jahre lang Cheftrainer bei den New York Red Bulls und zuletzt ein Jahr als Co-Trainer unter Ralf Rangnick bei RB Leipzig tätig, unterschrieb in Salzburg - als erster Bullen-Trainer überhaupt - einen Dreijahresvertrag. Unterstützt wird er von den Assistenten René Aufhauser und Franz Schiemer, der nach rund vier Jahren und einem missglückten Engagement bei der SV Ried damit ein Comeback bei Red Bull Salzburg feiert. Noch zu besetzen ist die Position des Athletiktrainers, denn auch Patrick Eibenberger ist mit Marco Rose, Alex Zickler und Rene Maric zu Mönchengladbach gewechselt.

"Nach Marco Rose ist es für jeden Trainer in Salzburg schwer", streute Marsch seinem Vorgänger sprichwörtlich Rosen, sagte aber fast im selben Atemzug, für welche Fußballphilosophie er steht: "Schnelles, mutiges Pressing. Jeder Moment muss unser Fußball sein." Er könne es kaum erwarten, zu starten. "Schade, dass das erste Training noch nicht morgen ist", meinte Marsch. Offizieller Trainingsstart in Taxham ist am 24. Juni.

Ohne arrogant zu wirken, klang das selbstbewusster als bei so vielen anderen Trainerpräsentationen die Jahre zuvor. Der Grund für Marschs große Zuversicht: "Die Mannschaft ist fantastisch. Der Kader stellt mich nur vor ein Problem: dass ich zu viel Talent auf jeder Position habe." Und mit einem einzigen bemerkenswerten Satz zog er schließlich auch noch jene Bullen-Fans auf seine Seite, die ein Marsch-kritisches Banner im Stadion gezeigt hatten: "Ich bin kein Leipziger, ich bin Salzburger."

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