Bundesliga

Videoschiedsrichter ab 2021 auch in Österreichs Bundesliga im Einsatz

In der österreichischen Fußballbundesliga wird mit dem Finaldurchgang im März 2021 der Videoschiedsrichter zum Einsatz kommen. Das gaben Bundesliga und ÖFB am Donnerstag in Wien bekannt.

So machen es die Deutschen – VAR-Zentrale in Köln. SN/AFP
So machen es die Deutschen – VAR-Zentrale in Köln.

Der Aufwand, der dafür betrieben wird, sei "gewaltig", sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner. In Zahlen: Allein die Einführung wird seitens des ÖFB mit einer Million Euro beziffert. Der laufende Betrieb pro Jahr beträgt 1,5 Millionen Euro. In den ersten fünf Jahren sind dies demnach 8,5 Millionen Euro.

Nicht nur der finanzielle Aufwand steigt: Personell müssen pro Spiel zwei zusätzliche Schiedsrichter eingesetzt werden. Dazu kommt technisches Personal. Pro Match sind mindestens vier Kameras erforderlich, um Spielszenen aus mehreren Perspektiven erfassen zu können.

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer sagte: "Das Spiel wird dadurch gerechter." Die in Österreich tätigen Bundesliga-Referees werden nun auf die neue Technologie eingeschult. "Es ist ein wichtiger Schritt, um im internationalen Kontext auf der Höhe zu sein", erklärte ÖFB-Präsident Windtner.

2017/18 waren Deutschland und Italien die ersten der Top-Ligen, die auf das VAR setzten. Inzwischen haben Spanien, Frankreich und zu Beginn der aktuellen Saison England nachgezogen. Auch in Österreichs Nachbarland Schweiz kommt das System seit Sommer 2019 zum Einsatz. Auch bei der WM-Endrunde in Russland war VAR 2018 in strittigen Situationen von den Schiedsrichtern zu Rate gezogen worden.

Im Keller der Entscheidungen: Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus in der deutschen VAR-Zentrale in Köln. SN/AFP
Im Keller der Entscheidungen: Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus in der deutschen VAR-Zentrale in Köln.

So funktioniert der Videobeweis:

Tore, Elfmeter, Rote Karten, Verwechslungen
Die FIFA hat den Einsatz auf vier Situationen beschränkt: Tore, Elfmeter, Rote Karten und Spielerverwechslungen bei Gelben/Roten Karten. Fällt ein Tor, gibt es den Verdacht auf Foul im Strafraum, hat der Schiedsrichter eine Tätlichkeit übersehen, wird das still und heimlich vom Video-Assistent kontrolliert ("check"). Abseits-Stellungen hingegen interessieren ihn nur im Zusammenhang mit den genannten Situationen. Und nur wenn der Verdacht auf eine klare Fehlentscheidung besteht, teilt er das dem Chef-Schiedsrichter mit.

Für die Kommunikation zwischen Referee und Video-Assistent braucht es grundsätzlich eine Spielunterbrechung. Gibt es die nicht sowieso, müsste der Schiedsrichter das Spiel stoppen. Danach entscheidet er, ob er eine offizielle Überprüfung ("review") zulässt oder sich bei seiner Entscheidung sicher ist. Wenn er sie zulässt, zeigt er das an, indem er mit den Händen ein Rechteck signalisiert.

"Meinungen" und "Tatsachen"
Der Video-Assistent überprüft jetzt alle ihm zur Verfügung stehenden Aufnahmen und teilt dem Schiedsrichter seine Empfehlung mit. Der Schiedsrichter kann das befolgen oder nicht, sich die betreffende Szene aber auch selbst anschauen ("on-field review"). Dazu gibt es klare Richtlinien: Wenn eine Entscheidung subjektiv ist, etwa ob ein Foul eine Rote Karte nach sich ziehen sollte, sollen die Schiedsrichter zum Monitor gehen. Bei "Tatsachen" wie der Frage, ob ein Foul im Strafraum oder außerhalb war, sollen die Schiedsrichter dem Video-Assistent vertrauen.

Seine endgültige Entscheidung teilt der Schiedsrichter per Handzeichen mit. Er kann dabei dem Rat des Video-Assistent folgen oder nicht, er hat immer die Entscheidungskompetenz. Der Schiedsrichter kann den Review-Prozess auch selbst starten, wenn er sich bei einer Entscheidung unsicher ist, und den VAR informieren, dass er eine Überprüfung möchte. Dafür darf er das Spiel unterbrechen - allerdings nicht, wenn sich eine Mannschaft in einer guten Angriffsposition befindet.

Häufig zählt Vorgeschichte
Bei Toren, Elfmeter-Verdacht und Roten Karten wegen Verhinderns einer klaren Torchance ist nicht nur das Ereignis selbst, sondern die Entstehungsgeschichte relevant. Laut Regelwerk muss die Angriffsphase ("attacking phase of play"), und zwar ab dem Moment, in dem der entscheidende Vorstoß Richtung Strafraum initiiert wurde, überprüft werden. Bei heiklen Szenen kann jedweder Regelverstoß in der Entstehung entscheidend sein: ein anderes Foul, eine Abseitsstellung, ein Hands, ein sich kurz außerhalb des Spielfelds bewegender Ball.

Das führt manchmal zu harten Entscheidungen. So kann ein korrekt gegebener Elfmeter revidiert werden, weil einige Sekunden vorher an der Mittellinie ein Foul stattgefunden hat. Ein reguläres Tor kann zurückgenommen werden, wenn es einem Konter nach einem auf der Gegenseite nicht gepfiffenen Elfer entsprungen ist.

Schiedsrichterin Marina Aufschnaiter. SN/christian sprenger
Schiedsrichterin Marina Aufschnaiter.

Schiedsrichterin Marina Aufschnaiter: "Das ist ein großer Fortschritt"

Marina Aufschnaiter ist eine von zwei weiblichen Schiedsrichtern in Salzburg. Dieses Jahr bekam sie das FIFA-Wappen und darf somit auch internationale Spiele pfeifen, etwa in der Women's Champions League. Im SN-Studio nimmt sie zur Einführung des Videoschiedsrichters in Österreich Stellung.

Der Fußball war in Sachen Verwendung technischer Hilfsmittel im Vergleich zu anderen Sportarten lange eher puristisch unterwegs. So ist der Videobeweis in der NHL bereits im Jahr 1991 eingeführt worden, 1999 zog die NFL nach und im Jahr 2007 kam bei den Australian Open erstmals das Hawk-Eye bei einem Grand-Slam-Turnier zum Einsatz. Im Fußball wurde die Torlinientechnologie erst 2012 zugelassen und im Vorjahr wurde nach mehreren Testläufen in unterschiedlichen Ländern schließlich die Implementierung des VAR im Regelwerk des IFAB beschlossen.

Daten und Fakten. SN/APA
Daten und Fakten.
Quelle: SN

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