Bundesliga

Vor leeren Rängen - Österreichs Fußball-Bundesliga startet im Juni neu durch

Österreichs Fußballbundesliga steht vor dem Neustart: Die Clubs dürfen ab Freitag das Mannschaftstraining wieder aufnehmen, Anfang Juni soll die Meisterschaft fortgesetzt werden - alle Partien finden als Geisterspiele statt. Fußballmeister Red Bull Salzburg reagierte erfreut.

Leerstehend – nur wenige Menschen werden sich in den Fußballstadien wie hier der Red-Bull-Arena in Salzburg einfinden dürfen. SN/gepa pictures/ marcel engelbrecht
Leerstehend – nur wenige Menschen werden sich in den Fußballstadien wie hier der Red-Bull-Arena in Salzburg einfinden dürfen.

Die für Einzelsportarten bereits gestatteten Lockerungen kommen nun auch in Mannschaftssportarten zum Tragen. Das betrifft in Österreich zunächst in erster Linie den Profifußball. Dort darf der Abstand zwischen den einzelnen Athleten nun weniger als zwei Meter betragen.

Sprich: Zweikämpfe um den Ball sind wieder gestattet. Die Clubs beziehungsweise deren Ärzte müssen zuvor aber nachweisen, dass alle Beteiligten negativ getestet sind. Mannschaftstraining (ab Freitag, 15. Mai) und in weiterer Folge Wettkämpfe sind dadurch wieder möglich.

Gesundheitschecks vor jedem Training und jedem Wettkampf sind verpflichtend. Dazu kommen strenge Hygienevorschriften. Allerdings: Sollte es in einem der Bundesligaclubs ein positiver Covid-Fall nach gewiesen werden, muss diese Person in häusliche Quarantäne (und Behandlung) - jedoch nicht das gesamte Team. Gesundheitsminister Rudolf Anschober begründete dies am dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien damit, dass die (professionellen) Fußbalclubs ganz spezielle Personengruppen sind und besonderer medizinischer Kontrolle. Und: "Auf das Spielfeld darf nur derjenige, der nachgewiesen negativ getestet ist."

Die Fußballbundesliga sei im übrigen der Pilot für diese Vorgehensweise auch für den Amateursport, sagte Anschober: "Die Bundesliga kann weiter fortgesetzt werden." Zu den Grundvoraussetzungen sagte Anschober: "Wir haben in Österreich das Virus weitgehend unter Kontrolle." Täglich gebe es weniger Neuinfizierte als Gesundete. Eine gesicherte, schrittweise Öffnung auch für den Sport sei wieder möglich.

Austria-Wien-Sportvorstand Peter Stöger, Gesundheitsminister Rudof Anschober (Grüne), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), ÖFB-Präsident Leo Windtner und Fußball-Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer am Dienstag, 12. Mai 2020, anlässlich einer Pressekonferenz mit dem Thema "Perspektiven für Mannschaftssport" im Sozialministerium in Wien. SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Austria-Wien-Sportvorstand Peter Stöger, Gesundheitsminister Rudof Anschober (Grüne), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), ÖFB-Präsident Leo Windtner und Fußball-Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer am Dienstag, 12. Mai 2020, anlässlich einer Pressekonferenz mit dem Thema "Perspektiven für Mannschaftssport" im Sozialministerium in Wien.

"Wir haben einen klaren Kurs, den wollen wir mit ruhiger Hand fortführen", sagte Anschober. Der erste Öffnungsschritt am 14. April habe bereits keine negativen Auswirkungen gehabt.

Fußball darf nicht in das Corona-Loch fallen

ÖFB-Präsident Leo Windtner sagte: "Das Betretungsverbot der Sportplätze hat uns wirklich wehgetan." Die Sportler hätten aber allesamt große Disziplin bewiesen. Windtner: "Die Bundesliga ist das Flagschiff des Fußballs in Österreich." Was mit diesem Flagschiff nun geschehe, könne als Vorbild nicht nur für den Sport, sondern für die gesamte Gesellschaft gewertet werden. Fußball kann Schritt für Schritt wieder in die Normalität geführt werden. "Was nicht sein soll, ist, dass wir einmal von einem ,Corona-Loch' sprechen müssen."

Christian Ebenbauer, Vorstand der Bundesliga, sagte: "Wir haben Rahmenbedingungen geschaffen, damit wir dem Virus trotzen können." Jetzt liegt der Ball bei den Clubs, wie die Kugel wieder rollen kann. Ein Rahmenterminplan für die Austragung der ausstehenden zehn Runden der Bundesliga muss laut Ebenbauer noch erstellt werden. Die Bundesliga wird am Mittwoch (13. Mai) diesen erstellen und beschließen.

Spielt die Liga im üblichen Modus (Qualifikationsgruppe am Samstag, Meistergruppe am Sonntag), geht der Meisterschaftsbetrieb am 6./7. Juni los. Bis Ende Juli stehen acht Wochenenden zur Verfügung, bei zehn ausstehenden Runden müssten auch zwei Dienstag/Mittwoch-Runden angesetzt werden. Nach Ende der Bundesliga folgen drei Partien des Europa-League-Play-off. Das erste Bewerbsspiel der Frühjahrssaison soll vor dem Liga-Neustart noch das Cupfinale zwischen Red Bull Salzburg und Zweitligist Austria Lustenau sein.

Was ist mit der Zweiten Liga?

Stichworte Zweite Liga: Eine Fortsetzung der zweithöchsten Spielklasse, bei der noch elf Runden ausständig sind, ist nicht ausgeschlossen. Bisher durfte von den 16 Clubs nur Cupfinalist Austria Lustenau in Kleingruppen trainieren, das könnte sich nun ändern. "Wenn die Voraussetzungen aus dem Präventionskonzept erfüllt werden, dann ja", sagte Ebenbauer zu einem möglichen Mannschaftstraining der Zweitligisten ab Freitag.

Austria-Wien-Vorstand Peter Stöger erklärte als Vertreter der Bundesligaclubs: "Uns ist klar, dass wir eine große Verantwortung haben, die wir mit diesem Konzept übernehmen. Wir könnten eine Vorreiterrolle haben, und der werden wir auch gerecht werden. Gesundheitliche Präventionsmaßnahmen sind in unserer täglichen Arbeit ohnehin schon Usus. Die Spieler wissen ja, dass ihr Körper ihr Kapital ist."

Das sagen sie bei Red Bull Salzburg:

Die Reaktionen bei Fußballmeister Red Bull Salzburg fielen positiv aus. Verständlich: Ein Ligaabbruch hätte die Salzburger der Chance beraubt, den Titel sportlich zu verteidigen. Red Bull geht mit einem Drei-Punkte-Rückstand auf Tabellenführer LASK in die Meisterrunde.

Stephan Reiter (Salzburg-Geschäftsführer): "Wir haben die heutige Pressekonferenz mit Spannung verfolgt und freuen uns, dass das gemeinsam erarbeitete Konzept Anklang gefunden hat. Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Wie all das im Detail umzusetzen ist, werden wir in den nächsten Tagen bzw. im Rahmen der Klubkonferenz noch besprechen."
Christoph Freund (Sportdirektor): "Es ist sehr positiv, dass es mit der Bundesliga wieder weitergeht und wir Gewissheit über die nächsten Schritte haben. Wir sind uns der großen Verantwortung und der Vorbildwirkung für den österreichischen Sport durchaus bewusst und wollen alles dafür tun, dem gerecht zu werden. Jetzt ist es wichtig, dass wir rasch ins Mannschaftstraining zurückkehren und uns auf das Cup-Finale und die letzten zehn Bundesliga-Spiele so gut es geht vorbereiten."
Zlatko Junuzovic (Spieler): "Super, dass es endlich weitergeht. Wir mussten sehr lange auf die Fortsetzung warten und freuen uns, dass wir demnächst mit dem Mannschaftstraining weitermachen können. Wir werden unser Bestmögliches geben, um alle Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, und entsprechend agieren. Aber ich bin optimistisch, dass das kein Problem sein wird."

Hobby-Kicker dürfen wieder trainieren

Übrigens: Auch Freizeit-Kicker dürfen zwar ab Freitag wieder mit dem Ball trainieren. Denn das Betretungsverbot für Sportstätten und Mannschaftssport im Freien wird aufgehoben. Allerdings gilt im Amateur- und Breitensport weiterhin eine 2-Meter-Abstandsregel. Spiele und Training mit Körperkontakt sind damit weiter nicht möglich.


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