Bundesliga

Wieder nur Remis: Sturm schimpfte über Unparteiischen

Rote Karte, Tribünen-Verbannung und viel Hektik: Der SK Sturm hat sich am Samstag beim 0:0 gegen den SKN St. Pölten als emotionales Pulverfass präsentiert. Während dem Trainer und Sportdirektor bereits während der hitzigen Partie die Nerven durchgingen, zeigten die Spieler trotz Unterzahl eine kämpferisch gute Leistung. Der Unparteiische stand aber auch bei ihnen in der Kritik.

Viel Wirbel rund um den Schiedsrichter SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Viel Wirbel rund um den Schiedsrichter

Zuerst ein Blick in die nahe Zukunft: Dass Roman Mählich am Montag in Graz als Nachfolger des geschassten Heiko Vogel präsentiert wird, gilt als ausgemacht. Sport-Geschäftsführer Günter Kreissl wollte die Verpflichtung des früheren Sturm-Spielers am Samstag erneut aber weder bestätigen noch dementieren. "Wir wollen das am Montag professionell bei einer Pressekonferenz abarbeiten. Ich freue mich aber, dass ab nächster Woche neuer Wind reinkommt."

Über mangelnde Emotionen im Verein wird sich der Vogel-Nachfolger nicht beschweren können. Beim siebenten Saison-Remis der nach der 14. Runde bestenfalls achtplatzierten Steirer flogen neben Dario Maresic, der in der 27. Minute nach überhartem Einsteigen die Rote Karte sah, auch Kreissl und Interimstrainer Günther Neukirchner wegen Schiedsrichter-Kritik vom Platz.

Nach dem Spiel legte Abwehrspieler Lukas Spendlhofer nach. "Dario darf das nicht passieren, es dürfte ehrlicherweise Rot sein. Es ist aber schwierig für einen 19-Jährigen, sich zusammenzureißen, wenn der Herr mit der Pfeife so eine Leistung runterdreht." Er habe, so Spendlhofer, eine derartige Schiedsrichterleistung noch nicht erlebt. "Ich finde es brutal scheiße von ihm, wie er sich da hinstellt und in ein paar Situationen noch auf sehr gescheit macht. Die Emotionen sind dann übergekocht."

Auch Neukirchner sparte nicht mit Kritik am Unparteiischen. "Ich hätte mir vom Schiedsrichter mehr Fingerspitzengefühl erwartet." Er hatte einen umstrittenen Pfiff, der nach Foul an Peter Zulj eine Vorteil-Situation beendete, lautstark und gestenreich quittiert - und musste nach 52 Minuten auf der Tribüne Platz nehmen.

"Die Aktion war sicher nicht okay von mir. Aber ich war derjenige, der vorher immer alle beruhigt hat. Der Ausspruch des Schiedsrichters: 'Glaubt's allen Ernstes, dass der Zulj in dieser Situation ein Tor gemacht hätte?', hat mich aufgeregt", erzählte Neukirchner im Anschluss, um später süffisant anzumerken: "Auf der Tribüne hatte ich immerhin eine gute Übersicht. Wenn du weiter weg bist, leidet aber die Stimme mehr."

Bereits in der ersten Hälfte hatte sich Kreissl emotional treiben lassen. Wutentbrannt war der Sportdirektor nach der Maresic-Szene von seinem angestammten Pressetribünen-Platz hinunter gestürmt, um dem Schiedsrichter-Team die Meinung zu sagen. "Manchmal geht's darum, dass die Mannschaft spürt, jeder will mit jeder Faser", versuchte Kreissl im Anschluss zu erklären.

"Die Szene, die mich am meisten geärgert hat, war der nicht gegebene Elfmeter, der für mich sehr klar war. Das hat extrem wehgetan, und alles, was darauf gefolgt ist, war nicht gerade dazu angetan, meine Nerven zu beruhigen", erklärte Kreissl mit Blick auf ein Foul an Otar Kiteishvili. Zumindest in Sachen Strafstoß erlebte er in der zweiten Hälfte ausgleichende Ungerechtigkeit: Denn auch eine elfmeterwürdige Attacke im Sturm-Sechzehner blieb ungeahndet (66.).

Die Aufregung schien sich phasenweise auf das Geschehen am Feld zu übertragen. Sturm-Kapitän Stefan Hierländer sah eine "sehr hektische, zerfahrene Partie", in der sich die Mannschaft selbst an der Nase nehmen müsse. "Wir haben zum Beispiel seit langer Zeit kein Standardtor mehr erzielt, auch da müssen wir die Kritik fressen." Nachsatz: "Letztes Jahr ist uns alles ein wenig in die Hände gefallen. Derzeit hängen wir nicht in der Kiste, sondern zwischen den Seilen."

Sturm hatte wieder die zwingenderen Chancen. Kreissl: "Richtig hart, was wir zur Zeit überwinden müssen, um zu gewinnen. Es ist extrem bitter, dass wir uns nicht und nicht belohnen, aber wir müssen auch selbstkritisch sein." Spendlhofer folgte prompt: "Es hilft nichts, über Glück und Pech und einen guten Riegler zu reden. Wir müssen ihm einfach mindestens eines einschenken."

St. Pölten kam dem großen Ziel, unter die Top sechs zu kommen, wieder ein Stück näher. Trainer Ranko Popovic war zufrieden, aber auch überzeugt, dass gerade der Ausschluss kein Vorteil war. "Die Rote Karte für Sturm war wie eine Belastung für uns. Wir sind noch nicht so weit, Überzahl gut zu verwenden." Offensiv blieben die Niederösterreicher vieles schuldig. "Wir waren nach vorne hin zu schüchtern. Ich wollte das Ergebnis aber auch absichern und nicht zu viel Risiko nehmen", sagte der frühere Sturm-Verteidiger.

Quelle: APA

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