Fußball

Diplomatische Verstimmung nach Eklat bei Chinas U20-Premiere

Der Eklat über den Protest von Tibet-Aktivisten zum Auftakt der Gastspielreise der chinesischen U20-Auswahl in Deutschland sorgt jetzt auch für diplomatische Verstimmung. Der Sprecher des chinesische Außenministeriums, Lu Kang, forderte von Gastgeber Deutschland mehr Respekt für die chinesischen Besucher.

Diese Tibet-Fahnen sind der Auslöser für den Konflikt SN/APA (dpa)/Hasan Bratic
Diese Tibet-Fahnen sind der Auslöser für den Konflikt

Er verurteilte die Aktion, bei der Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart am Samstag in der ersten Halbzeit einige Tibet-Fahnen ausgerollt hatten, um auf das Schicksal der Tibeter aufmerksam zu machen. Die chinesischen Nachwuchs-Kicker wollten deswegen zunächst nicht auf den Rasen zurückkehren, spielten aber nach einer halben Stunde Unterbrechung doch weiter.

Tibet gehöre zu den "Kerninteressen" des chinesischen Volkes, betonte der Sprecher in einer Stellungnahme, die das Ministerium am Dienstag auf der Webseite veröffentlichte. Das Hochland gehöre seit alter Zeit zu China. "China ist entschieden gegen jedes Land, jede Organisation und jedes Individuum, das die anti-chinesischen, separatistischen Aktivitäten der tibetischen Unabhängigkeitskräfte in irgendeiner Form und unter welchem Vorwand auch immer unterstützt."

"Gegenseitiger Respekt ist der richtige Weg, um seine Gäste zu behandeln", führte Lu Kang weiter aus. Darüber hinaus sollten sich zwei Länder auch gegenseitig mit Respekt begegnen. Zuvor hatte der Deutsche Fußballbund (DFB) die Verantwortlichen aus China zu mehr Gelassenheit aufgerufen und darauf verwiesen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrsche.

Auch der FSV Frankfurt, am Samstag (14.00 Uhr) Gastgeber des nächsten Tests der chinesischen Fußball-U20-Auswahl, lehnt jegliche Einschränkungen der freien Meinungsäußerung beim Spiel ab. "Wir weichen keinen Zentimeter von den Grundrechten unserer Demokratie ab, zu denen auch die Meinungsfreiheit gehört", sagte FSV-Präsident Michael Görner der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

"Wenn die Chinesen ein Problem damit haben, müssen sie sich überlegen, ob sie überhaupt noch weitere Freundschaftsspiele in unserem Land bestreiten wollen", sagte Görner. Solange sich die Meinungsäußerung im Rahmen der Gesetze abspiele, werde der Verein sich nicht einmischen.

Das Spiel beim Regionalligisten TSV Schott Mainz war der Auftakt des umstrittenen Prestigeobjektes des DFB, der die U20-Spieler zu der Testspieltournee gegen spielfreie Vereine der Regionalliga Südwest eingeladen hatte. Das Vorhaben in der deutschen Fußballprovinz hatte für Kritik gesorgt. Drei Vereine lehnten die freiwillige Teilnahme ab: Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz.

Tibet ist schon lange ein Konfliktherd. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking und dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatte sich die Volksrepublik das Hochland als autonome Region einverleibt. Viele Tibeter fühlen sich politisch, kulturell und wirtschaftlich diskriminiert, während Peking separatistische Bestrebungen in dem Hochland beklagt.

Quelle: Apa/Dpa

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