Fußball

Duell der arbeitslosen Kicker in Grödig

Internationales Flair in Grödig: Mitte Juli steigt in der Untersbergarena der Länderspiel-Klassiker Österreich gegen Deutschland. Auflaufen werden jedoch nicht etwa David Alaba oder Mesut Özil, sondern arbeitslose Profifußballer.

Duell der arbeitslosen Kicker in Grödig SN
Arbeitslose Kicker: Alexander Manninger, Paul Scharner und Andreas Ibertsberger sind wohl die prominentesten Beispiele. Grafik: SN/APA/GEPA/DOPSCH

Paul Scharner, Andreas Ibertsberger oder Alexander Manninger sind wohl die prominentesten Beispiele: Wenige Wochen vor Beginn der neuen Saison sehen sich zahlreich Fußballer mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert. "In Österreich sind 120 bis 150 Spieler beim AMS arbeitslos gemeldet", sagt Gernot Zirngast, Vorsitzender der Fußballergewerkschaft Vdf (Vereinigung der Fußballer) im SN-Gespräch. Den Spielern ohne Verein will die Vdf nun eine Bühne bieten: Am 18. Juli steigt in Grödig (19 Uhr, Eintritt frei) ein Länderspiel gegen die vertragslosen Kollegen aus Deutschland. "Wir wollen auf Spieler aufmerksam machen, um die sich sonst keiner kümmert", sagt Zirngast. Vorbereitung auf eigene FaustFußballer, die es nicht schaffen im Profigeschäft unterzukommen, stehen laut dem Vdf-Vorsitzenden völlig allein da: Gelte es doch, sich auf eigene Faust fit zu halten. "Ganz allein ist das kaum möglich", sagt Zirngast und verweist auf den vereinslosen Andreas Dober: Der 26-Jährige hatte letzten Sommer ein Angebot von Energie Cottbus vorliegen. Der Transfer zerschlug sich jedoch angeblich wegen des schlechten Fitnesszustandes des Ex-Rapidlers.

Warum in Österreich so viele Fußballer keinen Verein finden? "Die Nachwuchszentren produzieren einfach zu viele Spieler", sagt Zirngast. Rund 200 Nachwuchskicker würden jedes Jahr die heimischen Akademien verlassen. Der Sprung in den Profifußball würden etliche Spieler rasch schaffen - den Quotenregelungen der Bundesliga sei Dank. Aber: "Nach ein paar Jahren fliegt man oft aus den Kadern und wird durch einen Jüngeren ersetzt." Daher gelte es Nachwuchsspieler in den Akademien schon früh auf ein Leben nach dem Fußball vorzubereiten. "Dieser Plan B ist leider vielen Verantwortlichen einfach egal", sagt Zirngast.Deutsches VorzeigeprojektMit dem Ländermatch in Grödig soll nun nicht nur auf diese Missstände hingewiesen werden: Die Vdf lädt alle 20 Vereine der österreichischen Bundesliga in die Untersbergarena ein. "Auch etliche Spielervermittler werden anwesend sein", ist Zirngast überzeugt. Wer für Österreichs Arbeitslosen-Elf auflaufen wird, steht noch nicht fest. Fix ist jedoch, dass Ex-GAK-Trainer Gregor Pötscher und Miroslav Polak die Mannschaft betreuen werden. Der frühere Austria-Salzburg-Coach Polak wartet selbst bereits seit längerer Zeit auf einen Trainerposten.

Auch der Gegner im Ländervergleich hat seine Mannschaft noch nicht zusammengestellt. In Deutschland werden jedoch seit Jahren in der Sommerpause vertragslose Spieler zu einem Trainingscamp eingeladen. "Die Spieler können sich so fit halten und in die Auslage spielen - ein Vorzeigeprojekt", sagt Zirngast. Unterstützt wird das Projekt von der deutschen Liga und dem deutschen Fußballbund. Zirngast: "In Österreich fühlt sich für so etwas leider niemand zuständig."

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