Fußball

Frauenfußball: Warum der ÖFB seine Talente besonders behütet

Die Zukunftshoffnungen des österreichischen Frauenfußballs werden in diesen Tagen im Sportzentrum Rif auf Herz und Nieren getestet. Nicht ohne Grund legt der ÖFB großen Wert auf den sportmedizinischen Check der Talente des Nationalen Zentrums St. Pölten.

Schwitzen, springen, sprinten, schreiben: Die Mädchen aus dem Nationalen Zentrum für Frauenfußball sind ordentlich gefordert bei den umfassenden sportmedizinischen, -motorischen und -psychologischen Tests in Salzburg. Die 50 Toptalente des Landes haben ihren Stützpunkt in St. Pölten, doch in dieser Woche versammelten sie sich im Sportzentrum Rif sowie am Institut für Sportmedizin der SALK in Salzburg. Zehn Spielerinnen mit großem Potenzial stehen überdies im "Projekt 12" des ÖFB, in dem auch talentierte Burschen dabei sind, unter besonderer Beobachtung.

"Die Tests, die wir einmal pro Jahr durchführen, ermöglichen uns, die Fortschritte in der Entwicklung der Spielerinnen zu sehen", erklärt Christoph Panholzer, der sportwissenschaftliche Betreuer des Zentrums. Der Vergleich mit den seit 2011 vorliegenden Daten zeige durchwegs klare Steigerungen bei den gemessenen Parametern wie Sprungkraft, Mobilität, Ausdauer etc. Im Vergleich mit Männern müssten bei der Trainingsgestaltung auch wesentliche Unterschiede berücksichtigt werden. "Das Risiko einer Kreuzbandverletzung ist bei Frauen zehn Mal so hoch wie bei Männern", erklärt Panholzer. Grund dafür sei das trägere Gewebe.


Optimale Infrastruktur in St. Pölten

Im Vergleich mit anderen Ländern fehlt Österreich die Masse an weiblichen Fußballtalenten. So spielen etwa in den Niederlanden 150.000 Frauen Fußball, hierzulande nur 15.000. "Umso sorgfältiger müssen wir mit denen umgehen, die wir haben", erklärt Wolfgang Luisser, sportlicher Leiter des Nationalen Zentrums. Dazu gehört die Prävention wegen des erwähnten Verletzungsrisikos, dazu gehört auch die Schaffung bester Bedingungen am Standort St. Pölten. Dort trainieren die Mädchen während der Woche wie in einem Verein zusammen. Sie wohnen im unmittelbar an die Sportanlagen angrenzenden Internat und besuchen eine der Partnerschulen (BORG und Handelsschule, jeweils um ein Jahr verlängerte Ausbildung).

Ziel: A-Nationalteam und Ausland

An den Wochenenden spielen die Mädchen bei ihren Heimatvereinen. Luisser bewundert das enorme Engagement: "Es gehört viel Einsatz dazu, die vielen Fahrten auf sich zu nehmen." Die Mädchen machen es aber gern, um ihrem großen Ziel näher zu rücken: "Sie sollen am Ende im A-Nationalteam spielen können." Zuvor hofft man, in möglichst viele Eliterunden der U17- und U19-Kategorie einziehen zu können. Bei ihrer Arbeit stellen Luisser und Panholzer eines immer wieder fest: "Die Mädchen hinterfragen mehr und wollen wissen, warum sie etwas trainieren sollen."

Fast schon selbstverständlich ist mittlerweile auch der Schritt der Talente ins Ausland, weil das Niveau der heimischen Bundesliga zu niedrig ist. Zuletzt schaffte beispielsweise Carolin Größinger aus Henndorf den Sprung zu Bayer Leverkusen. "Um weiterzukommen, ist dieser Schritt einfache notwendig", sagt auch Wolfgang Luisser. Das A-Team, das knapp vor der ersten Qualifikation für die EM-Endrunde steht (2017 in den Niederlanden), besteht praktisch nur noch aus Legionärinnen.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 11:06 auf https://www.sn.at/sport/fussball/frauenfussball-warum-der-oefb-seine-talente-besonders-behuetet-1164157

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