Fußball

Frühjahrsauftakt der Bundesliga mit 320. Wiener Derby

Mit dem 320. großen Wiener Fußball-Derby kommt es in der 21. Spielrunde der Bundesliga beim Frühjahrsauftakt gleich zu einem Schlager. Von den beiden Wiener Teams ist die Austria zur Zeit besser platziert, sie verteidigt einen Zehn-Punkte-Vorsprung auf Rapid. Mit einem Sieg wäre man dem Erzrivalen enteilt.

Das 320. Wiener Derby steht bevor.  SN/APA/HANS PUNZ
Das 320. Wiener Derby steht bevor.

Den zweistelligen Abstand nur zu halten, ist nach außen hin jedenfalls nicht Ziel der Austrianer. "Unser Ziel muss ein Sieg sein", gab Kapitän Alexander Grünwald vor der Partie im Happel-Stadion zu Protokoll. Im Rennen um die Europacup-Startplätze ist die Austria als Vierter auf Zähler angewiesen. Sturm liegt zwei, Salzburg drei Zähler vor den "Veilchen". Auf Tabellenführer Altach sind es schon fünf Punkte Rückstand.

Ein Wiener Fußball-Derby zum Frühjahrsstart ist gerade in der aktuellen Situation von Rapid ein zweischneidiges Schwert. Im Falle einer Niederlage wäre die herbstliche Tristesse prolongiert, ein Sieg hingegen könnte neue Kräfte freisetzen, die für einen positiven Saisonabschluss benötigt werden - und genau darauf hofft man im Lager der Hütteldorfer.

Deshalb sieht Trainer Damir Canadi das 320. Kräftemessen mit dem Erzrivalen vor allem als Chance. "Die Mannschaft wird alles daran setzen, um zu gewinnen", versprach der Wiener. Man wolle "selbstbewusst und zielorientiert" auftreten und "die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive" finden.

Martin Scherb steht am Samstag beim Eröffnungsspiel der Runde vor seiner ersten Prüfung in der Fußball-Bundesliga. Der Neo-Coach des SCR Altach ist dabei mit dem Überraschungswinterkönig beim Sechsten FC Admira Wacker Mödling zu Gast. Dort schwingt seit dem Vorbereitungsstart mit Damir Buric ebenfalls ein neuer Coach das Zepter. Die Auftritte der beiden Teams werden daher mit Spannung erwartet.

Die Altacher nehmen zwei Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Red Bull Salzburg mit in die ausstehenden 16 Runden und fiebern dem Auswärtsspiel der 21. Runde richtiggehend entgegen. "Es ist eine ganz komische Situation. Die Winterpause ist gekommen, als es für den Verein am besten gelaufen ist. Jetzt weiß keiner, was wirklich passiert ist in diesen Wochen ohne Pflichtspiel. Das ist das Spannende", sagte Scherb.

Gefunden werden müssen allerdings neue Torschützen. Dimitri Oberlin, neunfacher Saisonschütze, wurde von Red Bull Salzburg zurückgeholt. Nikola Dovedan, mit sieben Toren zweitbester Altach-Torschütze, ist derzeit beim Bundesheer und daher wohl kein Thema für die Startformation, in der Nicolas Ngamaleu an vorderster Front aufscheinen dürfte.

Die Admiraner, die in neun Heimspielen nur neunmal trafen, können hingegen weiter auf ihren besten Sturm-Trumpf bauen. Christoph Monschein soll wie im Herbst für Unruhe im Strafraum sorgen. "Warum sollen wir den Tabellenführer nicht stürzen können? Wir können jeden schlagen, wenn wir einen guten Tag haben, warum sollen wir uns daher vor Altach fürchten?", spuckte Sportdirektor Ernst Baumeister große Töne.

Red Bull Salzburg hat gegen Aufsteiger SKN St. Pölten noch eine weiße Weste. Die soll auch am Samstag in Wals-Siezenheim unbeschmutzt bleiben. Der Titelverteidiger darf sich keinen Ausrutscher leisten, gilt es doch, so schnell wie möglich den Zwei-Punkte-Rückstand auf Winterkönig SCR Altach aufzuholen.

Im Herbstfinish lief es für die Salzburger mit vier Siegen in Folge wie geschmiert. Die Pause kam ihnen trotzdem gelegen. "Wir haben den Urlaub nach einer intensiven Herbstsaison dringend gebraucht, um die Batterien aufzuladen", betonte Salzburgs Sportlicher Leiter Christoph Freund. Mit Ausnahme des Abgangs von Dayot Upamecano nach Leipzig konnte der Stamm gehalten werden. "Wir sind sehr zufrieden mit der Vorbereitung, hatten insgesamt wenige Verletzungen und freuen uns, wenn es am Samstag wieder losgeht", sagte Freund.

St. Pöltens Trainer Jochen Fallmann ließ sich bezüglich der Ausrichtung nicht in die Karten blicken. Die Variante mit drei Innenverteidigern wurde jedenfalls in der Vorbereitung einstudiert, um variabler zu werden. "Wir sind auf alle Fälle einen Schritt weiter", blickte Fallmann positiv voraus. Das soll auch der Meister in der 21. Runde zu spüren bekommen. "Salzburg ist die beste Mannschaft Österreichs und klarer Favorit, wir haben aber keine Angst und wollen sie ärgern", erklärte der 37-Jährige.

Im Duell zwischen dem WAC und der SV Ried werden am Samstag wichtige Punkte im Abstiegskampf vergeben. Der Sieger dieser Partie darf dem weiteren Verlauf des Rennens um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga wohl relativ gelassen entgegenblicken und sich außerdem über eine Moralinjektion zum Frühjahrsauftakt freuen.

Der Tabellensiebte WAC liegt vor den abschließenden 16 Runden acht Punkte vor Schlusslicht SV Mattersburg, der Polster der achtplatzierten Rieder auf die Burgenländer beträgt sechs Zähler. "Es ist klar, dass wir dringend Punkte brauchen, um den Abstand nach hinten zu vergrößern. Wir wollen zeigen, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben", erklärte Ried-Kapitän Thomas Gebauer.

Der Wolfsberger Coach Heimo Pfeifenberger strebt einen Erfolg gegen die Innviertler an. "Das erste Spiel zu gewinnen, kann irrsinnig viel bewirken, aber es bedeutet trotzdem noch keine Entscheidung. Wir haben noch 16 Endspiele vor uns", erklärte der Salzburger.

Neo-Trainer Gerald Baumgartner hat beim SV Mattersburg eine schwere Mission übernommen. Vier Punkte fehlen dem Schlusslicht vor dem Frühjahrsstart in der Fußball-Bundesliga auf das "rettende Ufer". Im Heimspiel der 21. Runde am Samstag gegen Herbstmeister Sturm Graz sollte daher am besten gleich etwas Zählbares herausschauen. Die drittplatzierten Grazer waren aber 2016 extrem auswärtsstark.

Für die nötigen Tore soll Stefan Maierhofer sorgen. Der 2,02-Meter-Mann ist durch den Bürger-Ausfall an vorderster Front wohl gesetzt. "Stefan hat uns in den Trainings überzeugt, der Major hat gute Chancen", verriet Mattersburgs Coach. Der Ex-England-Legionär strotzt voller Tatendrang. "Wir müssen dem Gegner klarmachen, dass ihm hier nichts geschenkt wird", forderte Maierhofer.

Bei den Grazern wird voraussichtlich kein einziger der Neuen beginnen, die laut Foda aber zumindest "Thema für Kurzeinsätze" sind. Der eine oder andere könnte gar den Sprung in den 18-Mann-Kader verpassen. "Alle Spieler haben in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet, alle sind konzentriert und fokussiert für das Match. Sehr erfreulich ist auch, dass es keine Verletzungen gibt. Da kommen harte Entscheidungen auf mich zu", sagte Sturms Trainer.

Der Deutsche verlängerte am Freitag seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2019 und beendete damit rechtzeitig vor dem Frühjahrsstart die Zukunftsdiskussionen. Die Burgenländer ließ er genauestens beobachten. "Sie sind besser geworden. Gerald Baumgartner hat eine klare Idee. Mattersburg legt jetzt mehr Wert auf Ballbesitz, geht auch sehr gut ins Gegenpressing. Besonders achten müssen wir auf die zweiten Bälle".

Quelle: APA

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