Fußball

Fußball: Außenseiter Karabach Agdam tritt mutig bei Chelsea an

Karabach Agdam scheiterte 2014 in der Quali zur Champions League an Red Bull Salzburg. Heuer gelang dem Team aus Aserbaidschan der Einzug in die Gruppenphase.

2014 scheiterte Karabach Agdam (l. Chumbinho) noch an Salzburg mit Kevin Kampl. 2017 steht man in der Champions League. SN/gepa pictures/ florian ertl
2014 scheiterte Karabach Agdam (l. Chumbinho) noch an Salzburg mit Kevin Kampl. 2017 steht man in der Champions League.

Qurban Qurbanov ist nicht zurückhaltend. "Es gibt keine Mannschaft, die wir fürchten", sagt der Trainer von Karabach Agdam.

Der krasse Außenseiter aus Aserbaidschan fiebert seiner Premiere in der Fußball-Champions-League entgegen. Erstmals in der Geschichte hat sich ein Verein aus der früheren Sowjetrepublik für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert.

Als erster Gegner wartet heute, Dienstag, Chelsea auf den aserbaidschanischen Meister und Cupsieger. "Wir spielen für die Fans, und dieser Sieg wird uns helfen, zusammen noch stärker zu sein", meinte Qurbanov.

Ausgelassen feierten die Fans den historischen Erfolg, als sie ihre Spieler in Baku empfingen. Die ganze Nacht zogen die Anhänger des im Westen weit gehend unbekannten Clubs mit Autokorsos und flatternden Fahnen durch die Straßen der Millionenmetropole am Kaspischen Meer.

Groß war der Jubel auch deswegen, weil Karabach Agdam wegen seiner tragischen Vergangenheit nach Auffassung vieler wie kein anderer Verein für den Kampfgeist der Südkaukasusrepublik steht.

Seit 1993 kann der Club wegen des blutigen Konflikts um das von Aserbaidschan abtrünnige Gebiet Berg-Karabach nicht mehr in seiner Heimatstadt spielen, sondern ist in Baku zu Hause.

Denn: Agdam gibt es nur noch auf Landkarten und im Gedächtnis Tausender Vertriebener.

Gerade diese tragische Geschichte macht den FK Karabach Agdam, der in Gruppe C auch noch auf Atlético Madrid und AS Roma trifft, zu einem besonderen Gegner, bei dem Sport und Politik Hand in Hand gehen.

"Obwohl die Stadt Agdam besetzt ist, erobern ihre Vertreter Europa. Dies zeigt, dass sich das aserbaidschanische Volk niemals mit dieser Besetzung abfinden wird", sagte der autoritär regierende Präsident Ilham Aliyev bei einem Treffen mit den Fußballern. "Wir erringen Siege nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch auf den Sportplätzen."

Mit zwei Millionen Manat (einer Million Euro) hat Aliyev den FK für den Einzug in die Königsklasse belohnt. Neben solchen Zuwendungen des ölreichen Staats lebt der Verein von seinem Hauptsponsor, der privaten Lebensmittelholding Azersun. Stürmer Ramil Schejdajew geht optimistisch in das Spiel. "Alle sagen, dass wir keine Chance haben, doch im Fußball ist alles möglich"
Dienstag: Gruppe A: Benfica Lissabon - ZSKA Moskau, Manchester United - FC Basel; Gruppe B: Bayern München - RSC Anderlecht, Celtic Glasgow - Paris St. Germain; Gruppe C: Chelsea - Karabach Agdam, AS Roma - Atléti co Madrid; Gruppe D: FC Barcelona - Juventus Turin, Olympiakos Piräus - Sporting Lissabon (alle 20.45 Uhr).

Quelle: SN

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