Fußball

Ex-Salzburg-Profi Niko Kovac lässt Eintracht Frankfurt träumen

Niko Kovac eilt mit Eintracht Frankfurt von Überraschung zu Überraschung. Der deutsche Fußballtraditionsclub will den Vertrag mit dem Ex-Salzburger verlängern.

Niko Kovac sitzt mit breiter Brust und noch breiterem Grinsen auf dem Podest. Namhafte Kollegen gratulieren ihm: Erst war das Schalkes Markus Weinzierl, dann Leverkusen-Coach Roger Schmidt, anschließend auch Bayerns Trainer Carlo Ancelotti und zuletzt Thomas Tuchel von Borussia Dortmund.

Ähnlich wie im einstigen Hollywood-Hit "Und täglich grüßt das Murmeltier" wiederholt sich die Szene in dieser Saison wieder und wieder.

Die aufmüpfige Eintracht mischt die Bundesliga auf und verdirbt den Favoriten und ihren Trainern den Tag. Schmidt war nach der Niederlage in Frankfurt ratlos, Ancelotti nach dem 2:2 des Rekordmeisters sichtlich unzufrieden, Tuchel nach dem 1:2 des BVB restlos bedient. Kovac schafft sie alle.

Nico führte die Eintracht nach oben

Der letztjährige Fast-Absteiger Eintracht Frankfurt hat nicht nur vorübergehend einen Champions-League-Platz erobert, sondern ist für die deutschen Spitzenclubs zu einer der größten Herausforderungen in der Liga geworden.

"Wenn man Herz hat, braucht man keine Taktik" - mit diesem eigenen Zitat wurde Kovac bei seinem Amtsantritt im März konfrontiert. Die Eintracht damals? Im Abstiegskampf. Die Eintracht jetzt? Ein internationaler Anwärter. "Alle können träumen. Aber ich werde nicht träumen", sagt Kovac. Er sei Realist und die derzeitige Tabelle eine Momentaufnahme.

Es begann bei den Red Bull Juniors

Sinn für Realismus hatte Kovac auch schon, als er am 17. Juni 2009 um 9:30 Uhr vormittags seinen ersten Job als Trainer antrat. Bei dem Verein handelte es sich um die zweite Mannschaft des österreichischen Fußballkrösus' Red Bull Salzburg - die Red Bull Juniors. Kovac hatte wenige Wochen zuvor seine erfolgreiche Karriere als aktiver Profi beendet. Seine neue Funktion beschrieb er mit den Worten: "Vom alten Spieler zum jungen Trainer."

Kovac war damals 37 Jahre alt. Den Juniors gab er damals Folgendes mit: "Ich will die Jungs sportlich und menschlich weiterbringen. Dazu gehört sehr viel Disziplin. Das habe ich unter Trainern wie Ottmar Hitzfeld, Giovanni Trapattoni oder Huub Stevens gelernt."

Einer seiner Spieler war der damals gerade einmal 20 Jahre alte Stefan Ilsanker. Der aus Hallein stammende Profi zählt mittlerweile zu den Stützen des deutschen Tabellenführers RB Leipzig. Ilsanker schaffte auch den Sprung in die österreichische Nationalmannschaft.

Nach dem durch eine Ligareform zwangsbedingten Abstieg der Red Bull Juniors führte Kovac die Mannschaft in der Regionalliga West weiter. Am 13. November 2010 kam es im Stadion in Kleßheim zum erstmaligen Aufeinandertreffen eines Red-Bull-Teams mit der vier Jahre zuvor (neu) -gegründeten Austria Salzburg. Kovac als Trainer und Walter Windischbauer als Obmann der Austria hatten sich Tage zuvor bei einer Pressekonferenz verbal gut eingeschenkt. Das Spiel endete ebenfalls unentschieden, nämlich 2:2.

Mit Herz und mit Taktik

Mittlerweile ist Kovac 45 Jahre alt und er hat der Eintracht Herz und Taktik eingeimpft. Einen konkreten, aber simplen Plan, der vor allem den großen Gegnern große Probleme bereitet. Aber auch eine ganz besondere Moral, Rückschläge wegzustecken und bis zum Ende zu kämpfen. "Über die Leidenschaft kann man viel bewegen. Das geht aber auch nur im Verbund", fordert Kovac.

Nach dem Abgang von Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist bei der Eintracht ein neues starkes Führungsgebilde gewachsen. Sportdirektor Bruno Hübner und Sport-Vorstand Fredi Bobic stehen Kovac zur Seite, das Trio hat eine sehr ähnliche Sicht auf den Fußball.

Großer Spaß beim Spiel

"Ich merke, dass das Team mit der Spielweise großen Spaß entwickelt hat", sagte Bobic nach dem 2:1 gegen Borussia Dortmund. Der Abstiegskampf sollte in Frankfurt nach 24 Punkten längst kein Thema mehr sein. "Wir wachsen an unseren Aufgaben und das ist ein gutes Gefühl", erklärt Bobic.

An seinen Aufgaben wächst auch Kovac. Nach dem komplizierten Klassenerhalt im Mai veränderten er und Bobic sowohl das kickende Personal als auch das Betreuerteam. Ein neuer Assistenzcoach kam, dazu Fitness- und Athletiktrainer sowie eine frische Besetzung für die Leitung der Scoutingabteilung. Auf dem Platz überzeugen plötzlich Spieler, die in der Krisensaison 2015/16 eine einzige Enttäuschung waren.

Wie in alten Hertha-Zeiten

Vorstand Bobic bemüht sich in fortgeschrittenen Gesprächen um eine Ausdehnung des bis 2017 gültigen Vertrags seines alten Freundes aus Hertha-Zeiten. Denn: Je mehr Siege Kovac mit der Eintracht feiert, desto begehrter wird er auf dem nationalen Markt. Die Verantwortlichen aber sind optimistisch. "Er lebt die Eintracht. Ich glaube, dass er uns erhalten bleibt", sagte Hübner dem Hessischen Rundfunk.

Zumal der ehemalige Bayern-Profi seine Erfolgsserie nicht mit Genugtuung, sondern mit Demut und großem Ehrgeiz aufnimmt. "Was wir bisher erreicht haben, reicht nicht. Das Schlimmste wäre, jetzt nachzulassen", sagt Kovac. Diese Einstellung strahlt auch auf seine Profis ab. "Er gibt sich nie mit dem erreichten Erfolg zufrieden", erklärt Hübner. Das bedeutet: 24 Punkte sind geholt und abgehakt. Jetzt will die Eintracht schnell 16 weitere holen - und erst dann neue Ziele ins Visier nehmen.

Quelle: Dpa

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