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Fußball: Sam Allardyce als neuer England-Trainer fix

Sam Allardyce wird wie erwartet Nachfolger von Roy Hodgson als englischer Nationaltrainer. Die Football Association (FA) einigte sich mit dem 61-Jährigen auf einen Vertrag bis 2018. "Für mich ist das der beste Job im englischen Fußball", sagte Allardyce. Der Engländer hat in 25 Jahren als Trainer bei acht Clubs noch keinen wichtigen Titel gewonnen. Dennoch hat er das volle Vertrauen des Verbandes.

Fußball: Sam Allardyce als neuer England-Trainer fix SN/APA (Archiv/AFP)/IAN KINGTON
Allardyce führte Sunderland zum Klassenerhalt.

"Ich fühle mich extrem geehrt, als England-Trainer ernannt worden zu sein, zumal es kein Geheimnis ist, dass es die Rolle ist, die ich immer haben wollte", wurde Allardyce zitiert, der bereits vor zehn Jahren als aussichtsreicher Kandidat auf den Posten gegolten hatte. Damals hatte er gegenüber Steve McLaren das Nachsehen gehabt. "Ich werde alles tun, was ich kann, um unserer Nation den Erfolg zu geben, den unsere Fans verdienen. Über allem steht, dass wir die Leute und das ganz Land glücklich machen."

Die Entscheidung des dreiköpfigen Selektionskomitees sei einstimmig gewesen, hieß es in der offiziellen FA-Mitteilung am Freitag. "Wir haben in den vergangenen drei Wochen sorgfältig analysiert - mit dem Ergebnis, dass Sam der ideale Kandidat ist", sagte Generaldirektor Martin Glenn. "Seine Fähigkeit, das Beste aus den Spielern und dem Team rauszuholen und einen starken Teamgeist zu entfachen, sind herausragend."

Allerdings war "Big Sam", wie ihn die britische Presse oft nennt, nur die zweite Wahl für Roy Hogdsons Nachfolge. Demnach hatte Arsenal-Trainer Arsene Wenger, der beim Londoner Club noch einen Vertrag bis 2017 besitzt, der FA zuvor abgesagt. Auch deshalb fielen die Reaktionen in britischen Medien unterschiedlich aus. Der "Daily Telegraph" fragte: "Ist Allardyce der richtige Mann für den Job? Oder ist er nur der einzige?" Die Verpflichtung sei "nicht gerade beeindruckend".

Hodgson hatte nach dem überraschenden Achtelfinal-Out bei der Europameisterschaft in Frankreich gegen Island seinen Rücktritt verkündet. Der Vertrag mit dem Waliser wäre nach dem Ausscheiden aber ohnehin nicht verlängert worden. Das Debüt von Allardyce mit den "Three Lions" steht am 1. September im Wembley-Stadion mit einem Testspiel gegen einen noch nicht bekannten Gegner bevor. Drei Tage später beginnt für England mit der Auswärtspartie in der Slowakei die WM-Qualifikation für 2018.

Allardyce kommt von Premier-League-Club Sunderland, den er nach seiner Amtsübernahme im vergangenen Oktober zum Klassenerhalt führte. Die FA musste für die Vertragsauflösung, die etwas mehr als drei Wochen vor dem Saisonstart erfolgt ist, eine nicht genannte Summe überweisen. Laut der Boulevardzeitung "Sun" bezahlt der Verband mehr als drei Millionen Euro. Allardyces Vertrag mit Sunderland wäre noch ein Jahr gelaufen.

Eine wichtige Trophäe hat Allardyce weder mit den "Black Cats", noch mit Bolton, Newcastle, Blackburn, West Ham oder Blackpool gewonnen. Seine erste Station war der irische Zweitligist Limerick, den er 1992 als Spielertrainer zum Aufstieg führte. Dem selbst nie für das Nationalteam nominierten Ex-Verteidiger eilt aber der Ruf voraus, mit seinen stets nicht sonderlich prominenten Clubs besser abzuschneiden als erwartet. Als Trainer eines Spitzenvereins in der Premier League war er nie gehandelt worden.

Laut seinen Kritikern hat das damit zu tun, dass sich Allardyce als "Trainer der alten Schule" unter anderem gegen neue Methoden verweigere. Dem widersprach unter anderem sein Ex-Spieler Michael Bridges. "Wir hatten jede Woche Yoga-Klassen. Wir hatten sogar einen Psychologen, der sich jederzeit mit uns hingesetzt hat", sagte der Stürmer, der bei Bolton unter ihm gespielt hatte.

Eine in den Medien breit getretene Fehde trug Allardyce mit Ex-Liverpool-Coach Rafael Benitez aus. Der hatte ihm sinngemäß taktische Einfallslosigkeit und eine überharte Spielweise seiner Mannschaften vorgeworfen. Unterstützung bekommt Allardyce hingegen von anderen Kollegen. Sir Alex Ferguson, Trainerlegende bei Manchester United, bezeichnete ihn unter der Woche als "den besten Mann für den Job". Der neue United-Coach Jose Mourinho sagte der BBC: "Sam ist mehr als bereit. Er ist ein guter Motivator und sorgt für Teamgeist."

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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