Fußball

Gareth Bale: Aus einem anderen Universum

Österreich spielt am Donnerstag in der WM-Qualifikation gegen Wales oder vielmehr gegen Gareth Bale. Der 100-Millionen-Mann im Porträt.

100 Millionen: Diesen Betrag in Euro - plus/minus ein paar Millionen an Nebengeräuschen und Zinsen - überwies Real Madrid 2013 an die Tottenham Hotspurs für Gareth Bale.

Ein Marktwert, der verpflichtet. Für die "Königlichen" hat sich die Investition längst rentiert. Gleich in seinem ersten Jahr trug der Waliser zum Gewinn der Champions League bei, 2016 ein weiteres Mal.

Noch viel wertvoller als für seinen Club ist Gareth Bale aber für Wales. Morgen, Donnerstag (20.45 Uhr, live in ORF eins), trifft das Team in der WM-Qualifikation im Wiener Ernst-Happel-Stadion auf Österreich.

Die traditionsreiche, aber kleine Fußballnation, die ihre besten Clubmannschaften mangels gleichwertiger Konkurrenz überhaupt in Englands Ligen mitspielen lässt, war jahrzehntelang bei keinem großen Turnier vertreten. Herausragende Einzelkönner wie John Toshack, Ian Rush oder Ryan Giggs waren zu wenig. Doch dann kam Bale, und mit ihm gelang 2016 die Qualifikation für die EURO in Frankreich. Damit nicht genug: Die Waliser spielten bei dem Turnier im heurigen Sommer groß auf und mussten sich erst im Halbfinale dem späteren Europameister Portugal geschlagen geben.

Beinahe wäre den Walisern ihr potenzieller Topstar abhandengekommen. Denn als Nachkomme einer englischen Großmutter hätte er auch für die "Three Lions" spielen können. "Vom englischen Verband hat sich nie jemand bei mir gemeldet", erinnert sich der heute 27-Jährige. Es wäre wohl vergebliche Liebesmüh gewesen, denn er betont: "Ich bin stolz, für Wales zu spielen."

Erstmals tat er das schon als 16-Jähriger, und zwar in Österreich. Ein Freundschaftsspiel gegen Trinidad und Tobago in Graz bildete 2006 sein Länderspieldebüt. Auch wenn er sich beim 2:1-Sieg gleich mit einem Assist einstellte, hätte damals kaum jemand die Traumkarriere des schlaksigen Jünglings mit den abstehenden Ohren vorhersehen können. Nach seinem Wechsel von Southampton zu Tottenham ein Jahr später schien das Toptalent schon in der Versenkung zu verschwinden. Wegen Verletzungen bestritt er in zwei Saisonen ganze 24 Premier-League-Spiele, in denen er einen sagenhaften Negativrekord aufstellte: Kein einziger Sieg gelang Tottenham mit Bale.

Paradoxerweise als linker Verteidiger begann für den Goalgetter die Wende, er brachte die Spurs sogar in die Champions League. Seine Vielseitigkeit macht Bale so unberechenbar. Linksaußen, Rechtsaußen, Mittelstürmer, hängende Spitze, er glänzt überall. "Vielleicht kommt er gar nicht über rechts", sagt ÖFB-Linksverteidiger Markus Suttner mit hoffnungsvollem Unterton in der Vorausschau auf das Donnerstagspiel. Suttner machte beim Aufeinandertreffen 2013 in Swansea nicht die beste Figur: Bale verbuchte beim 2:1 gegen Österreich ein Tor und einen Assist.

Sonderbewachung bekommt Gareth Bale schon heute, Mittwoch, bei seiner Ankunft in Schwechat. Sein bislang so unauffälliges Privatleben bekam durch dubiose Geschäfte einer Cousine seiner Lebensgefährtin Emma eine leichte Schieflage. Racheaktionen gegen den Star werden befürchtet. Auf dem Platz müssen sich eher Österreichs Nationalspieler fürchten. Der Respekt ist jedenfalls groß, Stürmer Marc Janko bringt es auf den Punkt: "Bale spielt in einem anderen Universum."

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